Streit ums Arbeitslosenzentrum

Streit ums Arbeitslosenzentrum

Die Einrichtung hat den Sitz auf städtischem Grundstück an der Lüpertzender Straße. Die Stadt bevorzugt einen Umzug.

Ist ein Arbeitslosenzentrum nicht schick genug für eine lukrative Wohngegend in der Innenstadt? Auf diese provokante Frage spitzt Karl Boland, Vorstandsmitglied des Trägervereins des Arbeitslosenzentrums, einen Streit zu, der sich gerade zwischen Verwaltung, Politik und Arbeitslosenzentrum entspinnt.

Seit mehr als 30 Jahren betreut die Einrichtung an der Lüpertzender Straße Arbeitslose. Sehr erfolgreich, wie es quer durch die Parteien und auch in der Verwaltung anerkennend heißt. Die städtische Immobilie, für die das Arbeitslosenzentrum keine Miete zahlt, liegt am Fuße des Abteibergs, genau gegenüber des großen neuen Baugebiets Roermonder Höfe. Das Gebiet wird durch den Masterplan noch mehr zum Filetstück. Doch das Haus, in dem das Arbeitslosenzentrum untergebracht ist, ist kein Schmuckstück.

Der Verein hat es über die Jahre auf eigene Kosten in Schuss gehalten. Nun soll die Einrichtung auch noch barrierefrei werden. Das nötige Geld hat der Trägerverein beisammen. Doch alle Geldgeber wollen eine Zweckbindung über einen langen Zeitraum garantiert haben. Darum bemühte sich der Verein, von der Stadt das Erbpachtrecht zugesichert zu bekommen.

Seit drei Jahren wird darum verhandelt. „Kurz vor der Wahl hat uns Norbert Bude zugesichert, dass wir an dem Standort bleiben können“, sagt Boland. Bei einem Gespräch mit dem neuen Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners eröffnete dieser dem Vorstand des Arbeitslosenzentrums, dass er die Einrichtung dauerhaft an einem anderen Standort sehe. „Das war für uns ein Schock. Wir machen nicht nur Beratungsarbeit, sondern entwickeln uns auch immer mehr zum Quartierszentrum“, sagt Boland.

Das Thema ist politisch brisant. Zum einen, weil der Konflikt Sozialeinrichtung gegen Wohnungs- oder Bürostandort per se brisant ist. Zum anderen, weil der Geschäftsführer der Einrichtung in Karl Sasserath der Fraktionssprecher der Grünen ist. Tatsächlich gibt es bislang entgegen anderslautender Gerüchte keinen Interessenten für das Grundstück. Auch die Investoren der Roermonder Höfe haben keinerlei Problem mit dem Nachbarn. Die Verwaltung will sich offenbar vor allem Optionen für das Grundstück offen halten.

Felix Heinrichs (SPD) sagte, nichts sei für ewig an einem Ort. „Es ist sicher denkbar, aber nicht ganz unkompliziert, einen anderen Standort zu finden“, so der SPD-Fraktionsvorsitzende. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Hans Peter Schlegelmilch argumentiert ähnlich. Es gelte zunächst, den Rahmenplan der Verwaltung für das Gebiet abzuwarten: „Dass die Verwaltung in dieser Situation keine Zusage für die Ewigkeit geben mag, kann ich gut nachvollziehen.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung