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Städtische Kliniken: Videokamera-OP bei Leistenbruch

Städtische Kliniken: Videokamera-OP bei Leistenbruch

In den Städtischen Kliniken werden Leistenbrüche mit Hilfe einer Kamera behoben. Die WZ durfte einen Blick in den OP werfen.

Mönchengladbach. Ein 50-Jähriger Patient der Städtischen Kliniken liegt in Vollnarkose auf dem OP-Tisch. Er hat beidseitig Leistenbrüche. Durch drei kleine Hautschnitte wurden ihm drei sogenannte Trokare, das sind längliche Plastikhülsen, in den Bauchraum eingeführt.

Sie dienen als Führungshilfe für die Kamera und zwei weitere Arbeitsgeräte, zum Greifen und zum Schneiden. Der Bauch wurde mit CO2-Gas aufgebläht, damit die Ärzte besser sehen können und mehr Platz zum Arbeiten haben.

Der leitende Oberarzt, Dr. Ulrich Pontenagel, übernimmt das Greifen und Schneiden, Assistenzärztin Sarah Sadek führt die Kamera. Durch die Leistenbrüche wölbt sich Gewebe aus der Bauchhöhle. Dieses versucht Pontenagel zurückzuziehen. Dann wird dem Patienten beidseitig jeweils ein Netz auf die Bruchstellen gesetzt.

Früher war die Versorgung von Leisten- und anderen Brüchen eingeschränkt. Die Brüche wurden mit einer Naht verschlossen. Die alternative OP mit Videokamera und der Verstärkung von Schwachstellen mit Kunststoffnetzen ist relativ neu.

Das Team der Städtischen Kliniken bietet beide Methoden an. „Der Nachteil dieser OP-Methode ist, dass man im Gegensatz zu den traditionellen OP-Methoden nicht die Möglichkeit zum Tasten hat“, sagt Pontenagel. Dazu kommt, dass die Ärzte mit der Kamera nicht dreidimensional sehen können.

Ansonsten bietet die Videokamera-OP ziemlich viele Vorteile: Die Infektionsrate ist geringer, die Narben sind kleiner, durch die Netze ist es weniger wahrscheinlich, dass die Erkrankung wiederkehrt.

Zudem wird der Leistenbruch-Patient, der nun auf dem Tisch liegt, nach 14 Tagen wieder fit und körperlich voll belastbar sein. Dies ist wichtig, weil er im Paketdienst eine schwere körperliche Tätigkeit ausübt. „Dieser Beruf könnte zum Leistenbruch beigetragen haben“, vermutet der Oberarzt. Denn im Gegensatz zu „indirekten“ Leistenbrüchen, die angeboren sein können und auch Kinder bekommen können, hat der Patient einen „direkten“ Leistenbruch. Dieser wird beispielsweise durch schweres Heben oder Sport begünstigt.

„Eigentlich sind Leistenbrüche und andere Brüche der Bauchdecke harmlos“, sagt Chefarzt Professor Olaf Horstmann. Wenn man die Brüche aber nicht operativ behandelt, können Darmanteile oder Fettgewebe in Brüchen einklemmen. Es kann zu Durchblutungsstörungen kommen. Dies kann lebensbedrohlich werden. Daher ist es besser, wenn man eine Veränderung im Bauchraum feststellt, zum Arzt zu gehen.