Stadtverwaltung: Beförderungen in der Abtei

Stadtverwaltung: Beförderungen in der Abtei

Vor drei Jahren scheiterte der Gehaltssprung, jetzt wurde die Büroleiterin von OB Norbert Bude (SPD) höher gruppiert.

Mönchengladbach. Mönchengladbach steckt ganz tief im Schulden-Sumpf. Und dennoch dreht sich das Karussell der Beförderungen und Höhergruppierungen munter weiter. Jüngstes Beispiel: das OB-Büro und die Stadtkämmerei. "Nach Entscheidung des Oberbürgermeisters" (Norbert Bude) wird nicht nur dessen Bürochefin, eine zugegebenermaßen engagierte Juristin, vom Besoldungstreppchen A 15 auf A 16 gehoben. Macht ein Plus von rund 400 Euro brutto im Monat.

Genau dieser Gehaltssprung hatte vor gut drei Jahren nicht nur für mediales Aufsehen gesorgt. Und war an der damaligen politischen Mehrheit aus CDU und FDP gescheitert. Beide warfen dem Verwaltungschef seinerzeit mehr als deutlich vor, da handele jemand aus reiner Gefälligkeit. Der so Gescholtene konterte, nicht nur die Büroleiterin habe deutlich mehr zu tun, aus dem Blickwinkel Leistungssteigerung sei eine höhere Vergütung durchaus gerechtfertigt.

Wenige Wochen nach der Kommunalwahl schafft Bude mit einer Ampel-Mehrheit im Rücken Fakten.

So erhalten weitere Beschäftigte aus dem direkten Aktionsbereich Budes ab Januar mehr Geld. Der SPD-Politiker schafft zudem eine neue Stelle - die eines Referenten, bezahlt nach A13.

Aber auch in der Kämmerei/Finanzmanagement hat Stadtfinanzchef Bernd Kuckels (FDP) für zufriedene Gesichter gesorgt. Sechs Mitarbeiter freuen sich über satte Gehaltsaufschläge. Wobei eine Position noch besetzt werden soll, wie es heißt.

Gerade Kuckels hatte zuletzt auf die desaströse Finanzlage der Stadt hingewiesen. Motto: Wird nicht gegengesteuert und gibt es keine Hilfen von Bund und Land, ist Gladbach spätestens 2015 bankrott. Dann ist das noch vorhandene Eigenkapital in Höhe von rund 1,25 Milliarden Euro als Folge ständiger, jährlicher Defizite aufgebraucht.

Büroleiter scheinen bei ihren Chefs ein Stein im Brett zu haben. Bereits der frühere CDU-Oberstadtdirektor Jochen Semmler ließ seinen Bürovorsteher Lothar Eßer (CDU) nach B 2 bezahlen - ungleich mehr als im Fall der ersten Bude-Mitarbeiterin. Semmler verließ später die Stadtverwaltung und wanderte in die Energiewirtschaft ab.

In der Stadtverwaltung löst die Welle der "Stellenhebungen" Irritationen, vor allem aber Ärger aus. Ein Tenor der Kritik: "Bei den kleinen Leuten passiert nichts." Durch eine mögliche Privatisierung und dem damit verbundenen Wechsel in die Privatwirtschaft drohe ihnen Gehaltskürzungen.

An den Veränderungen ist die Arbeitnehmervertretung (Personalrat) der Stadtverwaltung nur bedingt oder gar nicht beteiligt. Und auch die Politik muss nicht unbedingt eingeschaltet bzw. gefragt werden.

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