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Shoppen in Mönchengladbach: Baustelle an Limitenstraße stört Geschäfte

Einkaufen in Mönchengladbach : Großbaustelle in Rheydt nervt die Händler

Auf der Limitenstraße soll noch etwa drei Wochen gebaut werden. Geschäftsleute klagen über Umsatzeinbußen.

Wenn Volker Tietze aus seinem Fenster schaut, sieht er unmittelbar hinter dem Gehweg eine verkehrsberuhigte Zone. Die Limitenstraße, an der sein Fotostudio liegt, ist auf einer Seite zwischen Gracht und der Unterführung am Hugo-Junkers-Park gesperrt. Dort fahren nur einige Baufahrzeuge hin und her, um Flüster-Asphalt aufzutragen. „Eine Maßnahme zur Umsetzung des Lärmaktionsplanes“, sagt die Stadtverwaltung. Klingt gut, wird es wohl auch bald sein – für Geschäftsleute wie Volker Tietze bedeuten die Arbeiten jedoch vorerst erhebliche Umsatzeinbußen. „Laufkundschaft ist für mich superwichtig“, sagt Tietze, „viele sehen den Laden und die großen Fotos im Fenster auch im Vorbeifahren.“ Zwar kann Kundschaft sein Studio derzeit noch zu Fuß erreichen. Doch die Großbaustelle lässt viele die Rheydter Innenstadt meiden. Nicht zum ersten Mal: „Schon im vorigen Jahr haben mich Bauarbeiten ans Limit gebracht“, sagt Tietze, „ich habe 30 Prozent weniger Umsatz gemacht.“

Die Arbeiten laufen bereits
seit dem vergangenen Jahr

Das Aufhübschen der Limitenstraße hat die Rheydter City in der Tat erneut zu einer Baustelle gemacht. „Das städtebauliche Bild“ der Straße soll „neu geordnet und die Aufenthaltsqualität durch eine Neuordnung der Verkehrsflächen verbessert werden“, beschreiben die Planer der Stadtverwaltung den Sinn und Zweck des gesamten Projekts. Zu dem gehören neben dem Flüsterasphalt: barrierefreier Umbau von Bushaltestellen, Verlagerung des Radweges auf die Fahrbahn, neue Gehwege, Baumpflanzung, Kanalarbeiten. Bereits 2018 ging man zu Werke, schaffte auch vieles, doch Ende des Jahres wurden die Arbeiten unterbrochen – „aufgrund der Witterung“, sagt die Stadt.

In die finale Runde sollte es dann zunächst Mitte April gehen. „Mit Beginn der Osterferien starten die Asphaltarbeiten auf der Limitenstraße. In voraussichtlich sechs Wochen wird in zwei Bauabschnitten ein lärmoptimierter Asphalt aufgetragen“, kündigte die Stadt am 11. April an. Und fügte zuversichtlich hinzu: „Diese Arbeiten werden die Rheydter Kirmes (10. bis 13. Mai) nicht beeinträchtigen.“ Eine Woche später wurde der Plan jedoch geändert – „um den Ablauf der Rheydter Kirmes nicht einzuschränken“, so die Stadt. „Insofern wurde mit der tatsächlichen Bautätigkeit erst gegen Ende der Osterferien begonnen“, räumt die Stadt heute ein. Der veränderte Bauablauf führe leider zu dem späteren Beginn und einer etwas längeren Bauzeit: „In Anbetracht des Umstandes, dass jetzt auch mehr Feiertage in die Bauzeit fallen, sind wir dennoch mit dem aktuellen Baufortschritt zufrieden.“ Mit dem Ende der Arbeiten sei nun für die 26. Kalenderwoche zu rechnen.

Rathausneubau dürfte die nächste Baustelle bescheren

Nicht nur Tietze hat das Gefühl, dass es bei der Umsetzung von solchen Bauprojekten in der Stadt hapert. Auch Ulrich Busse, dessen Frau neben Tietzes Studio einen Wollladen betreibt, berichtet von erheblichen Umsatzeinbußen im vorigen Jahr und schimpft auf die Planer. Keiner fühle sich richtig verantwortlich, der Projektleiter verweise schon mal an den Bauleiter vor Ort. „Von denen gibt es nur schwammige Antworten“, sagt Busse. Der Wollladen zieht Anfang Juli an die Hauptstraße um. „Bei Straßenbaumaßnahmen können Beeinträchtigungen von anliegenden Geschäften leider nie vollständig vermieden werden“, sagt die Stadt. „Dennoch wird versucht, dies auf ein Mindestmaß zu reduzieren, zum Beispiel durch Überwege oder kleine ,Brücken’.“ Busse hat die provisorischen Zuwege für Fußgänger aus dem Vorjahr nicht in allzu guter Erinnerung: „Da wurde zum Teil einfach Teppich über die Hubbel gelegt.“ Der geplante Rathausneubau dürfte in wenigen Jahren wieder eine Großbaustelle in die Rheydter City bringen. Dass dort dann einmal fast 1900 Mitarbeiter einziehen, findet Tietze gut für Handel und Gastronomie. Aber er sagt auch: „Die Frage ist, wie viele Geschäfte bis dahin überleben.“