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Schulessen wird besser und teurer

Schulessen wird besser und teurer

Weiterführende Schulen werden bald nicht mehr von privaten Caterern, sondern einer Stadt-Tochter beliefert. Dadurch soll die Qualität steigen.

In den Küchen von 20 weiterführenden Schulen in der Stadt steht eine Revolution an: Ab dem Sommer wird das Mittagessen in den Schulen mit Nachmittagsunterricht von der städtischen Sozial-Holding geliefert. Die Stadt-Tochter, die an der Rheinstraße eine Zentralküche betreibt, wird dann die täglich etwa 700 Mahlzeiten zubereiten und an die Schulen liefern. Das teilte Schuldezernent Gert Fischer im Schulausschuss mit. Aufs Jahr gerechnet sind das mehr als 130.000 Mahlzeiten. Bisher waren damit private Caterer beauftragt, der mit weitem Abstand größte Lieferant ist Borger Catering mit Sitz in Gladbach und Waldniel. Weil im Sommer aber nach fünf Jahren die Verträge auslaufen und die Stadt eine europaweite Ausschreibung vermeiden will, erteilt sie den Auftrag per Direktvergabe ihrer eigenen Tochter.

Damit stellen die betroffenen Schulen mit knapp 11 000 Schülern auf eine komplett andere Philosophie der Essensversorgung um. Derzeit bereiten die Caterer das Essen zu, halten es warm und liefern es an. Die Sozial-Holding arbeitet in ihrer im Jahr 2006 eröffneten Zentralküche aber nach dem sogenannten „Cook-and-Chill“-Verfahren. Dabei wird das Essen nach der Zubereitung schnell auf drei Grad rückgekühlt und in gekühlten Behältern transportiert. Erst in den Küchen vor Ort werden die Speisen vor dem Verzehr fertig gekocht, Fachleute sprechen von „regenerieren“. Schuldezernent Fischer sagte dazu: „Wir wollen durch die Umstellung auch eine Qualitätsverbesserung beim Essen erreichen.“

Dafür müssen die Schulküchen mit entsprechenden Geräten ausgerüstet werden. Die Stadt rechnet nach eigenen Angaben mit einem „nicht sehr hohen sechsstelligen Betrag“. Die Investitionen sollen, so Fischer im Schulausschuss, aus dem Programm „Gute Schule 2020“ getätigt werden. Dabei nimmt die Stadt entsprechende Kredite bei der NRW-Bank auf, die anschließend von der Landesregierung getilgt werden.

Die Sozial-Holding bereitet in der Küche bisher etwa 1100 Mahlzeiten am Tag vor allem für Seniorenheime und „Essen auf Rädern“ zu. Die Küche hat eine Kapazität von bis zu 2500 Mahlzeiten täglich. Helmut Wallrafen, Chef der Sozial-Holding, verspricht Eltern, Lehrern und Schülern einen separaten Schul-Speiseplan. „Kinder wollen anders essen als Senioren“, sagt Wallrafen. „Wir wollen bewusst machen, was gesund ist, aber nicht belehren. Es soll abwechslungsreiches, gesundes Essen geben — und ganz selten auch mal Currywurst und Pommes.“ Bis zum Sommer soll mit den Schulen, auch im Unterricht, über die Bedürfnisse der Schüler und gesunde Ernährung gesprochen werden. Die Zutaten sollen vollständig aus der Region stammen und zu 85 Prozent frisch sein.

Den Eltern steht durch den Wechsel eine Preiserhöhung ins Haus. Das von der Sozial-Holding gelieferte Essen wird 3,50 Euro kosten. Bisher kostete das Mittagessen 2,85 Euro — immerhin ein Preisanstieg von knapp 23 Prozent. Ausgenommen sind Schüler, die ein subventioniertes Essen erhalten, weil sie Bildungs- und Teilhabe-Leistungen beziehen. Für sie kostet die warme Mahlzeit weiter einen Euro. Die Verteuerung für die übrigen Schüler hält die Stadt für vertretbar: „Dass bei einer neuerlichen Ausschreibung der alte Preis zu halten wäre, ist mehr als zweifelhaft“, heißt es in einer Stellungnahme.