Schützen: 200 Gäste in Uniform

Schützen: 200 Gäste in Uniform

Abschluss einer interessanten Ausstellung.

Mönchengladbach. Einen würdigen Schlusspunkt setzten die Schützen der Ausstellung im Schloss Rheydt, die sich seit dem 13. März dem Phänomen des Bürgerschützenfestes widmete. Vor 175 Jahren, 1836, in einer politisch unruhigen Zeit, wurde in Mönchengladbach „wegweisend“ zum ersten Mal das Stadtschützenfest organisiert.

Bis dahin waren die Schützenfeste einzelner Bruderschaften konfessionell gebunden organisiert worden. Das Stadtschützenfest 1836 hingegen war Ausdruck eines sich von traditionellen Bindungen lösenden und emanzipierenden Bürgertums. Daran erinnerten sowohl Schützenchef Horst Thoren als auch der Hausherr, Museumsdirektor Karlheinz Wiegmann.

„In dieser Zeit stieg Mönchengladbach zur ersten Liga der Industriestädte auf“, sagt Wiegmann an dem Tag, an dem (fast) alle mit dem Herzen bei der Borussia und ihrem Klassenerhalt sind.

Rund 200 Gäste sind geladen, zeigen selbstbewusst die bunten Uniformen. Heinz-Josef Katz ist als Bruderrat und Stadtoffizier in leuchtend roter Jacke mit goldenen Knöpfen und Kordeln erschienen. „Die Uniform der Leibgarde, einem Husarenregiment“, sagt der Mann mit dem gezwirbelten Bart. Polizeipräsident Hans Hermann Tirre ist diesmal ohne Uniform vor Ort.

Etwa 30 Schützenkönige mit dem aufwändig-prächtigen Silber um den Hals sind ebenfalls unter den Gästen. Unter ihnen und den Ehrengästen wird — stilgerecht auf einen Holzvogel — eine Jubiläumsplakette ausgeschossen. José Silva, Schützenkönig der St. Paulus Bruderschaft Rheydt-Mülfort, holt ihn mit dem 17. Schuss herunter.

Silva stammt aus Spanien und steht somit exemplarisch für den immer wieder genannten Integrationswillen, der im Stadtschützenfest seinen Ausdruck finde. Die Bruderschaften für Muslime zu öffnen, scheint Thoren hingegen nicht möglich. „Die können doch nicht hinter christlichen Symbolen herlaufen“, sagt er. Aufgefordert mitzufeiern seien sie allemal. „Dazu sind Schützenfeste ja da, dass man zusammen feiert.“

39 Bruderschaften und -vereine in Gladbach und Korschenbroich gehören zum Bezirk.

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