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Schöne Stunden mit Bezirkspolizist „Manni“

Schöne Stunden mit Bezirkspolizist „Manni“

Polizeibeamte servieren für viele Obdachlose.

Mönchengladbach. Vor Ramona steht ein dampfender Teller: Schinkenbraten und Möhren-Rahm-Gemüse verbreiten einen verlockenden Duft. Bezirkspolizist Josef Vitz, den alle hier nur „Manni“ nennen, bringt noch einen Teller für Dennis, Ramonas Sohn. „Er hat immer Hunger, es macht Spaß, ihm beim Essen zuzusehen“, sagt Vitz.

Der Polizeibeamte teilt mit einem Kollegen und dem Koch Reiner Pietschmann das von der Borussia gesponserte Weihnachtsessen im Café Pflaster am Kapuzinerplatz aus. Zeitgleich lädt auch das Café Pflaster an der Brucknerallee in Rheydt zum Weihnachtsschmaus ein.

Die Klienten der diakonischen Einrichtungen — Obdachlose, von Wohnungslosigkeit Bedrohte, Suchtkranke oder einfach arme Menschen — nehmen das Angebot freudig an. An beiden Standorten ist es brechend voll, fast 200 Menüs werden ausgegeben.

Ramona und Dennis kommen mindestens zwei Mal pro Woche ins Café. „Man trifft Leute, kann für kleines Geld einen Kaffee trinken, kann Wäsche waschen, und einmal in der Woche gibt es ein Mittagessen“, zählt die 47-Jährige auf. Auch am Heiligabend wird sie da sein. „Dann sitzt man nicht alleine zu Hause und heult“, sagt sie.

Auch „Manni“ schaut regelmäßig im Tagestreff vorbei. Er kennt die Besucher des Cafés — und sie kennen ihn. „Wir respektieren uns gegenseitig“, sagt der Beamte. „Wir müssen unsere Arbeit machen, aber wir sehen auch, dass hier viele Menschen mit einem schweren Schicksal sind, arme Leute, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens wohnen.“

Das Verhältnis zwischen Besuchern und dem Polizisten sei entspannt. Als sich Vitz im Gespräch als „Bulle“ bezeichnet, protestiert ein Besucher. „In erster Linie sind Sie Mensch“, sagt der Mann. Vitz kennt fast alle, die zum Weihnachtsessen gekommen sind.

„Schön, dass du da bist“, sagt er zu einem jungen Mann, der sich nur mit Schwierigkeiten bewegen kann. Neo-Nazis hatten den Obdachlosen vergangene Woche zusammengeschlagen und ihm Rippen gebrochen. Jetzt steht er mit dem Teller an einem der Stehtische. Die warme Mahlzeit ist genau das Richtige an diesem nasskalten Tag.