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Schauspielerin Andrea Sawatzki: Schreiben zwischen Tür und Angel

Schauspielerin Andrea Sawatzki: Schreiben zwischen Tür und Angel

Schauspielerin Andrea Sawatzki präsentierte im Rheydter Schloss Auszüge aus ihrem Roman.

Mönchengladbach. Wenn Schauspieler aus ihren eigenen Büchern vorlesen, dann ist das für die Zuhörer meist ein besonderes Vergnügen. Denn von Berufs wegen lesen sie ja nicht einfach vor, sie inszenieren, dramatisieren, setzen komische Akzente. So jedenfalls war es, als Andrea Sawatzki, der Fernsehnation als Frankfurter Tatortkommissarin Charlotte Sänger bekannt, im Rittersaal von Schloss Rheydt aus ihrem neuesten Roman „Von Erholung war nicht die Rede“ las.

Es ist ihr dritter Roman nach dem ernsten Erstling „Ein allzu braves Mädchen“ und der Weihnachtskomödie „Tief durchatmen, die Familie kommt“. Die Protagonisten der chaotischen Weihnachtsgeschichte reisen diesmal nach Norderney. Schwiegermutter Susanne hat in einem Preisausschreiben den Urlaub gewonnen, doch das Ganze hat seine Tücken, denn die Familie muss für die Öffentlichkeitsarbeit des Sponsors, eines Marmeladenherstellers, herhalten.

Wenn Andrea Sawatzki die Reaktionen der pubertierenden Kinder, der harmoniebedürftigen Mutter, des heimlich von Schlagerruhm träumenden Vaters, der sich morgendlichen Meditationsübungen am Strand hingebenden Schwiegermutter und der beiden Hunde Othello und Gulliver schildert, dann ist das tragisch, menschlich und vor allem komisch. Die rund 120 Zuhörer im Rittersaal haben nicht nur ihr Vergnügen, sie erkennen auch viele Züge des eigenen Familienlebens wieder.

Sawatzki verleiht den Figuren eigene Stimmen vom Brummeln der missvergnügten Kinder bis zum falschen Flöten der Schwiegermutter. Selbst Gesangseinlagen aus dem Schlagerrepertoire des Vaters werden zur Freude der Zuhörer stimmlich umgesetzt. Die Schauspielerin sucht bei der Lesung die Nähe zum Publikum und setzt sich lieber auf den Tisch, als sich dahinter zu verbarrikadieren.

Sie habe immer Sehnsucht nach dem Schreiben verspürt, erzählt sie, sich aber dann erst einmal für die Schauspielerei entschieden. Mit 50 hat sie zu schreiben begonnen. „In diesem Alter denken viele Frauen darüber nach, etwas Neues zu beginnen“, sagt Sawatzki. Und wie viele andere Frauen geht sie damit sehr pragmatisch um. „Ich habe mich neulich mit Ferdinand von Schirach unterhalten, der morgens kein Wort spricht, bevor er nicht im Büro ist und zu schreiben beginnt“, erzählt sie.

„Bei mir ist das anders, ich schreibe auch zwischen Tür und Angel.“ Wenn sie die Kinder in die Schule gebracht und mit der Dogge Gustav spazieren war, beginnt sie zu schreiben. „Morgens zwischen viertel nach acht und elf, dann fängt Gustav wieder an zu heulen, weil er eine schwache Blase hat“, sagt sie lachend.

Und weil sie auch Schauspielerin ist und bleibt, freut sie sich schon auf die Verfilmung der Weihnachtskomödie, die für November geplant ist und Weihnachten 2015 ausgestrahlt werden soll. Neben Sawatzki werden Axel Milberg, Hannelore Elsner und Günther Maria Halmer mit von der Partie sein. Und natürlich Dogge Gustav, welche die Dogge Gulliver spielen darf. „Naja, in der Geschichte frisst die Dogge immer“, sagt Sawatzki. „Und fressen kann Gustav.“