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Salafisten: „Die haben gelogen“

Salafisten: „Die haben gelogen“

Ein „Aufklärungstag“ in einer Fußballschule löst Verwirrung aus: Termin abgesagt.

Mönchengladbach. Günter Appelt ist außer sich. Sagt er. Der Geschäftsführer des LaOla-Fußballcenters Lürriper Straße sagt zur WZ: „Die haben mich belogen.“ Und er meint die umstrittenen Salafisten im Verein „Einladung zum Paradies“ (EZP). Deren künftiger Vorsitzender Sven Lau habe ihm erklärt, im LaOla nur ein Turnier zu spielen.

Diesem Termin (26. Dezember) habe er „natürlich zugestimmt, wir haben nichts gegen Ausländer und sind ein kommerzielles Unternehmen.“ Jetzt stelle sich heraus, dass die Leute um Lau an dem Tag angesichts der Kritik an Zielen der Islamisten im LaOla einen „Aufklärungstag“ für Bürger veranstalten wollen. „Diese Art von Propaganda dulde ich nicht, daher habe ich den Termin am Donnerstagabend abgesagt“, sagt Appelt weiter. Appelt betont, dass er nicht auf Druck Dritter gehandelt habe, Sparkasse, NVV und Borussia sind Kooperationspartner des LaOla.

Sven Lau, Gladbacher und konvertierter Islamist, ist über Appelts Darstellung „entsetzt“. Bei der Terminabsprache habe er vom Turnier für Kinder und Jugendliche, aber auch vom „Infotag“ gesprochen. Damals habe Appelt keine Bedenken geäußert. Offenbar werde der Mann von der Polizei und vom Stadtordnungsamt bedrängt, den Salafisten abzusagen. Lau: „Ich habe nicht gelogen.“

Polizei und Staatsanwaltschaft hatten jüngst bei einer bundesweiten Aktion auch acht Gladbacher Wohnungen und Läden des EZP bzw. EZP-Getreuer durchsucht, auch bei Lau. Die Fahnder sahen sich zudem im versiegelten Haus um, das der salafistische Verein an der Eickener Straße mietet und das zur Moschee, Treffpunkt, Islam-Schule umgebaut werden soll.

Der Bundesinnenminister, der die Durchsuchung veranlasst hatte, geht davon aus, dass die EZP Teil eines bundesweit agierenden salafistischen Netzwerks ist. Salafisten verstünden den Islam als Ideologie, Ordnungs- und Herrschaftssystem und damit als „unvereinbaren Gegensatz zur parlamentarischen Demokratie“, begründete das Innenministerium sein Vorgehen. Der Verfassungsschutz beobachtet den EZP.

Dessen ungeachtet, stellte die EZP bei der Stadt drei Bauanträge für die Immobilie Eickener Straße — für Moschee, Schule und den Abriss einer früheren Tankstelle. Weil die Antragsteller keine Nutzungsangaben machten, forderte die Stadt sie auf, diese bis zum 21. Dezember nachzureichen. Parallel läuft vor dem Verwaltungsgericht ein Verfahren EZP/Stadt, die hatte frühere Bauanträge mit den gleichen Objektzielen u.a. wegen Formfehlern abgelehnt.

Wegen fehlender Räume stellten die Islamisten ein Zelt auf. „Das muss Ende 2010 weg sein“, sagt Stadtsprecher Wolfgang Speen. Es läge nur eine dreimonatige Nutzungserlaubnis vor.