Mönchengladbach: Säugling störte - Vater soll Baby gequält und ermordet haben

Mönchengladbach: Säugling störte - Vater soll Baby gequält und ermordet haben

Das Neugeborene störte die Tagesroutine des Vaters. Darum soll der Mann sein nur Wochen altes Kind gequält haben - ohne dass die Mutter einschritt. Um das zu vertuschen, soll er den Jungen ermordet haben.

Mönchengladbach. Die Qualen des kleinen Ben sollen vier Wochen nach seiner Geburt begonnen haben. Zwei Wochen später war er tot - ermordet, mutmaßlich von seinem leiblichen Vater. Der fühlte sich durch sein Baby gestört, konnte nicht mehr bis mittags im Bett liegen, wie der Ermittler von der Polizei Mönchengladbach, Ingo Thiel, am Dienstag sagte. Polizei und Staatsanwaltschaft teilten Einzelheiten zu dem Mordfall an dem kleinen Ben mit, in dem Polizei und Staatsanwaltschaft seit Donnerstag ermitteln.

„Der Vater fühlte sich in seiner alten Routine gestört“, sagte Thiel. Er habe angefangen das Kind zu quälen. „Das wurde dann immer schlimmer, bis der kleine Ben keine Chance mehr hatte“, sagte Thiel. Der Zustand des Jungen verschlechterte sich demnach rapide durch die Verletzungen. Die Mutter drängte, sie wollte mit dem Jungen zum Arzt gehen.

Thiel machte deutlich, wie schwierig die Vernehmung war. Anfangs habe sich der Mann noch als treu sorgender Vater dargestellt. Doch im Laufe der Vernehmung über zwei Tage folgte das Geständnis: „Er hat letztlich eingestanden, dass er Angst hatte, seine Misshandlungen würden an die Öffentlichkeit gelangen. „In der Nacht hat er beschlossen, den Jungen zu ersticken“, wie Thiel sagte: „Der kleine Wurm hatte keine Chance.“ Gegen den leiblichen Vater wurde Haftbefehl wegen Mordes und Misshandlung von Schutzbefohlenen erlassen.

Staatsanwalt Benjamin Kluck beantwortet auf der Pressekonferenz Fragen von Journalisten. Foto: Marcel Kusch

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Mutter von den Übergriffen des Vaters etwas mitbekommen hatte, trotzdem aber nicht eingriff. Sie sitzt wegen Totschlags und Misshandlung von Schutzbefohlenen durch Unterlassen in Untersuchungshaft.

Am Morgen nach der Tat rief der Vater nach Angaben der Ermittler den Notarzt - vielleicht würde dem ja nichts auffallen, vermutete Thiel zur Motivation. Der nahm aber Auffälligkeiten wahr und rief die Polizei. Bei der Obduktion des Kindes wurden schwerste innere Verletzungen festgestellt, alte und neue Rippenbrüche und Anzeichen für einen Erstickungstod.

Das deutsche Elternpaar kannte sich den Angaben nach seit sieben Jahren, es war sieben Monate vorher zusammengezogen. Es ging keiner Arbeit nach und führte ein Leben „ohne große Highlights“, wie Thiel sagte.

Für die Ermittler in Mönchengladbach ist es bereits der zweite ähnliche traurige Fall innerhalb von drei Jahren. 2015 hatte ein mittlerweile zu lebenslanger Haft verurteilter Vater sein Neugeborenes über Stunden misshandelt, gequält und missbraucht. Die Mutter war zu über drei Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil sie nach Überzeugung des Gerichts nicht einschritt. dpa