Präsidium soll zum Campus werden

Präsidium soll zum Campus werden

CDU und SPD wollen das Gelände des Polizeipräsidiums der Hochschule zuschlagen.

Die Oecotrophologen und Sozialexperten lernten in Baracken. Die Mensa bestand aus einem schmalen Schlauch, der mittags Hunderte von Studenten aufnehmen musste. Das Studenten-Sekretariat war in einer alten Villa. So lernten Studenten der Hochschule Niederrhein, damals noch Fachhochschule, an der Webschulstraße in den 70er Jahren. Heute steht auf dem Gelände der Baracken ein Hochschulbau für 20 Millionen Euro. Und längst gibt es eine richtige Mensa. Wenn jemand früher dieses Gelände als „Campus“ bezeichnet hätte, wäre er zum Gespött geworden.

Heute ist der Begriff gang und gäbe und soll nach dem Willen von CDU und SPD noch mehr betont werden. Sie bringen einen gemeinsamen Antrag in die nächste Sitzung des Bau- und Planungsausschusse, der vor allem eines will: Der Hochschule Niederrhein mit ihren mehr als 7000 Studierenden weitere Entwicklungsmöglichkeiten geben.

Das Umfeld soll Platz für Erweiterungen vorhalten und noch mehr als heute zu einem Campus werden. Das hat auch der Masterplan-Architekt Sir Nicholas Grimshaw empfohlen. In seinem Sinne treibt der Masterplan-Verein MG 3\.0 die Entwicklung voran: Seine Vorsitzenden Fritz Otten und Ernst Kreuder haben erst jüngst betont, für wie wichtig sie die Campus-Idee halten. In ihrem und im Blickfeld der politischen Ratsmehrheit steht dabei ein Areal, das sich für eine Expansion geradezu anbietet: das Gelände des Polizeipräsidiums, das die Polizei voraussichtlich 2017 räumt.

Der Haken: Das Gelände gehört nicht der Stadt, sondern dem Land, das es auf den Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) übertragen hat. Und der BLB könnte es an einen Investor verkaufen, der hier zum Beispiel Reihenhäuser bauen will. Damit dies nicht geschieht und der Standort für ein Hochschul-Quartier genutzt werden kann, bringen CDU und SPD ihren Antrag auf den Weg, der den Rahmenplan „Grenzlandstadion/Polizeipräsidium“ ergänzt. So wollen sie die Webschulstraße über das Montforts-Quartier zur Schwalmstraße führen. Sie regen einen Campusring über Rheydter Straße, Breite Straße, Theodor-Heuss-Straße oder Südstraße und Hofstraße an. Und die Richard-Wagner-Straße soll zwischen Bromberger Straße und Breite Straße zu einer Art Campusallee werden.

Und es gibt jede Menge Ideen, wie das Gelände weiter zu entwickeln ist. „Hier können sich Unternehmen ansiedeln“, sagt CDU-Fraktionschef Hans Peter Schlegelmilch. „Das können Forschungsinstitute und Start-up-Firmen sein“, ergänzt sein SPD-Pendant Felix Heinrichs. Bei der Hochschule rennen sie offene Türen ein. „Man könnte die Polizeisporthalle für Hochschulsport nutzen, außerdem gibt es die Idee, ein campusnahes Wohnheim dort einzurichten. Das würde Gastronomie nach sich ziehen, die das Areal auch nach 18 Uhr noch beleben würde“, sagt Prof. Dr. Rudolf Voller, Dekan des Fachbereichs Textil- und Bekleidungstechnik. Zudem liefen „gute Gespräche“, im noch dahinterliegenden Monforts-Quartier etwas für den Fachbereich Design zu etablieren, so dass der Campuscharakter des gesamten Bereichs gestärkt wurde.

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