Polizei: „Korso war zu heftig“

Polizei: „Korso war zu heftig“

Polizei Bisher hat die Polizei beim Feiern ein Auge zugedrückt. Doch das Chaos nach dem Ghana-Spiel ging ihr zu weit.

Mönchengladbach. Der Sieg der Nationalmannschaft über Ghana und der damit verbundene Einzug ins Achtelfinale der WM in Südafrika hat in ganz Gladbach einen Freudentaumel ausgelöst. Mit dem Abpfiff ging es für die Fans der Nationalmannschaft auf die Straße: Für die Polizei war das der Beginn einer unruhigen Nacht. Gleich mehrere Autokorsos starteten mit weit über tausend Fahrzeugen.

Die Theodor-Heuss-Straße von Rheydt in die Gladbacher Innenstadt war ab 22.30 Uhr komplett dicht, der Berliner Platz kaum noch zu befahren. Ziel der Feierfreudigen waren vor allem der Alte Markt und die Aachener Straße.

Wie schon bei großen Siegen der Borussia setzten sich mehrere 100 Fans auf die Straße an der Einmündung zum Alten Markt und besetzten so die Kreuzung. Die Polizei räumte schließlich die Straße, da der Verkehr in der Innenstadt stillstand. Auch an der Einfahrt zum Hockeypark, gegenüber der Feuerwehrwache besetzten Fans die Straße, bis die Polizei eingriff. "Das war zu heftig", sagt Polizeisprecher Willy Theveßen.

In Rheydt war in dem Freudentaumel eine Frau verletzt worden, als eine riesige Deutschlandfahne gegen einen Linienbus schwenkte und die Frau daraufhin von der eigenen Fahnenstange im Bauch getroffen wurde. Erst gegen ein Uhr sei es ruhiger geworden. Insgesamt hat die Polizei rund 5000 Feiernde gezählt.

"Wir haben nichts gegen ausgelassene Freude. Auch Autokorsos nach einem Sieg wollen wir nicht verbieten. Aber was am Mittwochabend in der Stadt los war, ging zu weit", sagt Uli Fomferra, Gladbachs ranghöchster Polizist. So habe es unter den Korsoteilnehmern sichtlich betrunkene Fans gegeben, die sich weit aus den Autofenstern gelehnt hätten, auf Autodächern sitzend mitgefahren oder in Cabrios stehend durch die Stadt gerast seien.

"Dass ein solch mühsam gewonnenes Spiel derartig viele Menschen mobilisiert, hat uns überrascht. Auch die Vehemenz, mit der gefeiert wurde, war ungewöhnlich und ist so noch nicht da gewesen", sagt Fomferra.

Damit die Feiern nach einem Sieg im Achtelfinale gegen England am Sonntag (Anpfiff: 16 Uhr) nicht aus dem Ruder laufen, hat die Polizei ein Konzept erarbeitet. "Wir wollen keine Feier verbieten, werden aber konsequent einschreiten, wenn die Toleranzschwelle überschritten wird", sagt Fomferra.

Daher werden nach dem Spiel am Sonntag rund 100 Polizisten die Feiernden und die Autokorsos beobachten.

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