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Paketboten im Weihnachtsstress

Paketboten im Weihnachtsstress

Jeder Zusteller verteilt pro Tag bis zu 260 Päckchen — das ist harte, körperliche Arbeit.

Mönchengladbach. Um 7.15 Uhr beginnt der Arbeitstag von Paketzusteller Stephan Kessel, und zwar in der DHL-Zustellbasis am Maria-Bernays Ring. Dort herrscht schon geschäftiges Treiben. Die Zusteller laden die Pakete in ihre kleinen, gelben Transporter. Vor der Weihnachtszeit sind das viel mehr als sonst: Jeder Paketzusteller liefert pro Tag 240 bis 260 Pakete aus.

Insgesamt müssen die Paketzusteller zur Zeit an einem Tag 17 000 Sendungen in der Stadt ausliefern — als „Offizieller Partner des Weihnachtsmannes“, so der Slogan der DHL. An einem normalen Arbeitstag im Sommer sind es nur 6000.

Etwa anderthalb Stunden braucht Stephan Kessel, um seinen Lkw zu beladen. Dann beginnt der Paketzusteller seine Runde: In der Stadt angekommen, fängt Kessel bei der Lürriper Straße an, fährt über die Pescher Straße, und die Volksgartenstraße bis Hardterbroich. Seine Tour endet abends bei In der Bungt.

Die erste Adresse ist immer das Arbeitsamt, „die haben eine Poststelle und wollen ihre Pakete immer vor zehn Uhr haben“, meint Kessel. Dann beginnt eine stressige Tour, die Hochleistungssport gleichkommt: Alle paar Meter stoppt der Wagen, der Paketzusteller schleppt die Pakete und Päckchen zur Haustür und in den vierten Stock ohne Aufzug. „Das kommt oft vor“, meint Kessel locker. Er fährt weiter.

„Die Baustelle an der Korschenbroicher Straße nervt“, schimpft er. Wenn er gar nicht durchkommt, lädt er die Pakete auf eine Karre und schiebt sie durch den Baustellenbereich. Ungestreute Bürgersteige bei Schnee und Eis sind beim Boten auch nicht gerade beliebt.

Und weiter geht’s: ein paar Meter fahren, Pakete zu den Häusern schleppen. Viele Leute auf seiner Strecke kennt der Paketzusteller und grüßt sie mit Namen. „Das ist so, wenn man schon seit Jahren die gleiche Strecke fährt“, erzählt der 44-Jährige.

„Weihnachten sind allerdings einige dabei, die sonst keine Pakete bekommen“, ergänzt er. Insgesamt seien klassische — selbst verzierte und geschmückte — Weihnachtspakete selten geworden. Die meisten bestellen übers Internet. Braune Wellpappe dominiert.

Wieder ein Meter weiter, schnappt Kessel sich die nächsten Pakete. Häufig passiert es, dass die Empfänger nicht da sind und er das Paket bei Nachbarn abgibt. Per Scanner und Drucker druckt er Benachrichtigung, Name und Adresse für den Empfänger aus. „So können sich die Kunden nicht über die schlechte Handschrift beschweren“, grinst der Paketzusteller.

Noch mal wenige Meter weiter, die nächsten Pakete und ab zu den Häusern. „Die Weihnachtszeit ist besonders stressig, der Druck ist immens“, meint Kessel. Die Boten arbeiten mehr als zehn Stunden am Tag. Viele verzichten auf freie Tage, am letzten Sonntag vor Weihnachten wird auch voll gearbeitet.

Somit braucht DHL auch mehr Mitarbeiter: In entspannten Zeiten arbeiten bei der Zustellbasis 84 Kräfte, jetzt sind es 95. Die Arbeitskräfte haben zunächst befristete Vollzeitverträge. „Aber wenn sie sich in der stressigen Weihnachtszeit bewährt haben, werden sie übernommen“, so der Qualitätsmanager Olaf Seiler.

Stephan Kessel kann die Vorweihnachtszeit nicht planen und feierlich gestalten: Früher hat er sein Haus mit 40 000 Kerzen aufwendig geschmückt. Das fällt seit einigen Jahren wegen des Jobs weg. Auch die Geschenke hat er noch nicht alle besorgt.

Heiligabend arbeitet er bis 13 Uhr. Schließlich sollen auch die Päckchen noch ankommen, die auf den letzten Drücker am 22. Dezember bis mittags abgegeben wurden. Dann möchte er aber das wohlverdiente Fest mit Frau und Kind unter dem Weihnachtsbaum genießen.