Norbert Jachtmann - Süßer die Glocken nie klingen . . .

Norbert Jachtmann - Süßer die Glocken nie klingen . . .

Damit nicht nur an Weihnachten das Läuten ein Ohrenschmaus ist, gibt es Experten wie Norbert Jachtmann.

Mönchengladbach. Bimbam — das ist das, was die meisten hören, wenn heute am Heiligen Abend die Kirchenglocken in der Stadt läuten. Bei Norbert Jachtmann ist das anders. In den Ohren des 43-Jährigen klingen sie wie „der eherne Herzschlag einer Gemeinde“. Was seinen geschärften Sinn für diese riesigen Schönheiten angeht, hat der Glockensachverständige für das Bistum Aachen gewissermaßen nie Urlaub. Denn auch in seiner Freizeit kann er nicht anders, als auf „die Qualität“ der Glocken zu achten, wie er es formuliert. „Dann überlege ich beispielsweise, ob ein Turm nicht vielleicht zu offen ist“, sagt der gebürtige Krefelder. „Aber ich kann auch entspannen. Andere sind verrückter, die holen sofort das Mikro raus.“

Wenn etwas mit dem Bimbam der Kirchenglocken in der Region vom Niederrhein bis Aachen nicht stimmt, dann wird der hauptberufliche Kirchenmusiker zur Hilfe gerufen. Sein Werkzeug: neun verstellbare Stimmgabeln, ein Hämmerchen und ein gutes Gehör. „Und das hat man ja als Musiker.“

Um zu erkennen, ob eine Glocke das richtige Bimbam von sich gibt beziehungsweise mit ihrem Ton in einem Geläut mehrerer Glocken das gewünschte Zusammenspiel entstehen lassen kann, lässt Jachtmann seine Stimmgabel mit der Glocke sprechen. „Und sie antwortet“, sagt der 43-Jährige. Dazu bringt Jachtmann mit dem Hämmerchen seine Stimmgabel zum Vibrieren, setzt sie auf die ruhende Glocke, und wenn er den richtigen Ton mit der Stimmgabel erzeugt, gibt es eine Resonanz in der Glocke. Genau genommen: Bei einer Glocke mittlerer Größe sind es sogar um die 20 Teiltöne, die sich zu einem großen Ganzen zusammenfügen.

Bimbam — das ist trotzdem das, was die Glocke am Ende bis weithin hörbar an Geräusch produziert. Und dass es dabei ein Bim und ein Bam gibt, ist ein akustisches Phänomen, das es auch noch in anderen Lebensbereichen gibt, wie Jachtmann verdeutlicht: „Beispielsweise bei einem Krankenwagen. Dessen Sirene hört sich auch beim Heranfahren höher an als beim Wegfahren. So ist es auch bei Glocken, wenn man vor ihrem Turm steht. Wenn sie sich zu einem hinbewegt, ist sie geringfügig höher, als wenn sie sich wegbewegt.“

Wenn es nach Jachtmann ginge, dann würde es beim Läuten der Glocken in Mönchengladbach weniger Monotonie geben. Dann würden, wenn es mehrere Glocken in einer Kirche — also ein Geläut — gibt, „beispielsweise mal die zwei kleinen bei einer Taufe läuten und die großen bei anderer Gelegenheit und alle, wenn ein Hochfest gefeiert wird“. Läuteordnung nennt sich das. „Aber die meisten Küster läuten immer gleich. Und keiner weiß mehr, ah, jetzt gibt es gerade eine Taufe in meiner Kirche.“ An Ostern oder Weihnachten sollte feierlicher geläutet werden als an Aschermittwoch, wünscht sich Jachtmann.

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