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NEW reinigt Straßen nun selbst

NEW reinigt Straßen nun selbst

Der Versorger steigt auch in die Entsorgung ein. In Viersen wurde dafür die NEW Umwelt gegründet. Bei einem Kongress informierten sich Kommunen über das Thema.

Mönchengladbach/Viersen. So viel Expertenwissen zum Thema Entsorgung konnte man in der Region noch nie an einem Tag abgraben: der Ministerialdirigent, der im Bundesumweltministerium das neue Wertstoffgesetz vorbereitet und dafür sorgt, dass alle Deutschen demnächst statt einer Gelben Tonne eine Wertstofftonne haben werden; der Mitgründer jener Berliner Kanzlei, die bundesweit Kommunen berät, wie man Entsorgung rekommunalisieren kann; der Geschäftsführer des Instituts, das um die Perspektiven des Themas Müll als Rohstoffquelle weiß; und der Bürgermeister, der flugs seine eigene Müllabfuhr gründete.

Sie alle versorgten die Teilnehmer des „Ersten niederrheinischen Entsorgungskongresses“ mit Detailwissen. Entsprechend hochkarätig waren auch die Teilnehmer. Landräte, Bürgermeister, Kämmerer und Beigeordnete aus vielen Kommunen der Region hörten im Schloss Dyck zu. Und diejenigen, deren Entsorgungsverträge demnächst ablaufen, machten sich ganz besonders viele Notizen.

Dass sich der Versorger NEW das Thema zu eigen gemacht hat, überrascht zwar wenig, sorgt aber trotzdem für Vorsicht bei mancher Kommune. Die NEW wird perspektivisch wohl der einzige verbleibende Versorger am gesamten linken Niederrhein sein. Wenn das Unternehmen nun auch ins Thema Entsorgung einsteigt, behagt das nicht jedem.

In Viersen hat die dafür eigens gegründete NEW Umwelt Viersen GmbH den neuen Sammelvertrag im Auftrag der Stadt ausgeschrieben und übernimmt dort nun selbst die Straßenreinigung und das Einsammeln der Altkleider. Geschäftsführer Frank Kindervatter und Prokuristin Julia Krüger erklärten bei ihrem Entsorgungskongress, was die NEW den Kommunen anbietet — nämlich so ziemlich alles, was diese wollen: Sie können die NEW nur die Ausschreibung machen lassen, um den günstigsten privaten Anbieter zu ermitteln; sie können aber auch die Entsorgung und Straßenreinigung von der NEW übernehmen lassen und damit in rein kommunale Hand legen. Denn die NEW Umwelt ist zu 100 Prozent in öffentlicher Hand.

Doch viele Kommunen managen — trotz dieses sehr variablen Dienstleistungsangebots — ihre Entsorgung von Hause aus am liebsten komplett allein. Ob dieses Streben nach Unabhängigkeit am Ende wichtiger ist als das zu erzielende Resultat, wird sich auf Dauer zeigen.

Klar wurde bei dem Kongress, wie komplex das Thema Entsorgung ist. Erst ein paar Wochen alt ist die jüngste Gesetzgebung der EU zum Thema Inhouse-Fähigkeit, die die Kommunalisierung erst so richtig lukrativ für die Gemeinde macht. Nach den neuen Gesetzen ist eher mehr möglich als bisher — wenn man es denn geschickt angeht.

Derweil ändert sich die Geschäftsgrundlage gerade mal wieder völlig. Die Wertstofftonne kommt neu und bietet den Kommunen auch neuen Spielraum. Die Biotonne wird Pflicht, verbunden mit den Auflagen des Landes, den eingesammelten Bio-Müll wo immer möglich zu vergären. Denn auf diese Weise gewinnt man mehr Energie aus dem Abfall.

Privat oder Staat? Diese alte Gretchenfrage wird in den Kommunen längst nüchterner betrachtet als einst. Auch Roland Schäfer, der als Bürgermeister in Bergkamen 2006 den Vertrag mit einem privaten Entsorger kündigte und selbst Müllwagen anschaffte und Personal anstellte, mochte nicht zu offensiv für sein Modell kämpfen. Es sei eine Alternative, sagte er — nicht mehr und nicht weniger.