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Nach dem Feuer ist nichts wie zuvor

Nach dem Feuer ist nichts wie zuvor

Johanna und Stefan Reiling überlebten einen Brand. Doch ihre Wohnung ist verrußt und stinkt.

In ihrer Wohnung ist alles verrußt. Es riecht stechend nach Brandrauch. Aber Johanna und Stefan Reiling müssen damit klar kommen. Eine Alternative haben sie nicht. Am vergangenen Donnerstag hat es in ihrem Haus gebrannt. Die Reilings schliefen, als in der Wohnung unter ihnen die Flammen aus den Fenstern schlugen und plötzlich jemand heftig an der Wohnungstür des Ehepaares klopfte. „Als ich aufwachte, habe ich kaum etwas gesehen, alles war voller Qualm. Auch der Flur war völlig verraucht. Ich konnte gar nicht erkennen, wer geklopft hatte. Irgendjemand rief: ,Raus, raus, raus!’“, sagt Stefan Reiling.

Nach dem Feuer ist nichts wie zuvor
Foto: Sascha Rixkens

Aber der 51-Jährige und seine Frau konnten nicht raus. Der Fluchtweg war durch den dichten Rauch versperrt. Außerdem sind beide sehr krank. Stefan Reiling hat eine Pumpe im Kopf, die dafür sorgt, dass sein Hirnwasser abfließt. Zwei Kopf-Operationen hatte er schon. Seine Frau leidet an der Lungenkrankheit COPD.

Stefan Reiling weckte seine Frau, lief in die Küche, die ebenfalls schon völlig verqualmt war, fiel hin, konnte aber noch das Telefon greifen und die „112“ wählen. „Der Feuerwehrmann fragte mich am Telefon, ob wir aus dem Haus könnten“, berichtet der 51-Jährige. Als er dies verneinte, bekamen sie die Anweisung auf den Balkon zu gehen. Das tat das Ehepaar. Auf dem Balkon warteten die beiden auf Hilfe: Er in Unterwäsche, sie im Nachthemd. So wurden sie von der Feuerwehr über die Drehleiter gerettet und ins Krankenhaus gebracht. Mitgenommen hatten beide nichts.

Bereits am nächsten Tag wurde die Wohnung der Reilings wieder freigegeben. Doch als das Ehepaar in sein Zuhause zurückkehrte war nichts mehr wie zuvor. Alles war komplett schwarz. Die Kleidung, die ganze Wäsche roch nach Rauch. Tapeten und Teppichböden sind nicht mehr zu retten. Die Räume unter ihnen, in denen das Feuer ausbrach, brannten völlig aus, sind unbewohnbar.

Das Ehepaar Reiling hat nicht viel Geld. Er bekommt eine Arbeitsunfähigkeitsrente, seine Frau (64) Geld vom Jobcenter. Wegen seiner Krankheit wurde Stefan Reiling in Pflegegrad 3 eingestuft. Seine Frau kümmert sich um ihn. Trotz der knappen finanziellen Mittel war es dem Paar gelungen, vor einem Jahr die komplette Wohnung zu renovieren. 2000 Euro hatte es dafür gespart und ausgegeben. Jetzt ist alles zerstört. „Auch die schöne Rosentapete, die meine Mutter für das Schlafzimmer ausgesucht hat“, sagt Tochter Bianca Geilen. An den Wänden hat sich der Ruß festgefressen. Abbürsten half nicht. Auf Geld von der Versicherung dürfen Johanna und Stefan Reilings auch nicht hoffen. Eine Hausratsversicherung hat das Paar nicht abgeschlossen. „Heute wünschte ich, wir hätte es getan“, sagt Stefan Reiling. Jetzt putzt das Paar, so gut es kann, alle Zimmer, wäscht nach und nach Geschirr und Wäsche. Doch auch das gestaltet sich schwierig. Wegen der Krankheiten und der regelmäßigen Arzttermine geht es nur langsam voran. Und tatsächlich muss jedes Teil aus der Wohnung in die Hand genommen und gesäubert werden. Jedes Möbelstück, alle Türen und Kanten abgewischt werden.

Außerdem: „Wir hatten zuerst kein heißes Wasser, weil der Boiler kaputt war. Und die Reinigung, das Waschen in der Waschmaschine kostet ja auch Geld“, sagt der 51-Jährige, der auf den Rollator angewiesen ist und sich nicht bücken kann. Geld, das das Ehepaar nicht hat.