Morgen, Kinder...

Morgen, Kinder...

...wird’swasgeben Seit fast 30 Jahren verkörpert Hubert Schüler den heiligen Nikolaus. Am Sonntag hat er viel zu tun.

Mönchengladbach. Dass "der älteste Heilige der Gesamtkirche" zurzeit eine Renaissance in den Herzen der Menschen feiert, wundert Hubert Schüler nicht. Die Botschaft des St. Nikolaus’ sei eben hochaktuell. Der "heilige Mann" habe seinen Reichtum an die Ärmsten abgegeben, und "aus der Finanzkrise können wir lernen, dass es wichtiger ist zu teilen, als immer nur an sich zu raffen", findet Schüler.

Wenn sich der 74-Jährige das Schultertuch umlegt, in das traditionelle bischöfliche Untergewand schlüpft und sich den kunstvoll bestickten Chormantel anzieht, wenn er die Mitra aufsetzt, den goldenen Ring überstreift und schließlich zum Hirtenstab greift, "dann werde ich selbst zum Heiligen Nikolaus". Die Gestalt des Bischofs von Myra fasziniere ihn, "weil er seinen Glauben durch Liebe sichtbar gemacht hat", erklärt Schüler.

Um diese Botschaft weiterzugeben, schlüpfte der gebürtige Mainzer schon als 15-jähriger Ministrant in die Rolle des legendenumwobenen Heiligen.

In Mönchengladbach besucht er als St. Nikolaus seit fast 30Jahren Kirchengemeinden, Vereine und öffentliche Großveranstaltungen. "Das Nikolaus-Brauchtum stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist damit das älteste der Christenheit", sagt Schüler. Die Erinnerung an St. Nikolaus verbinde dadurch nicht nur katholische und evangelische Gläubige: "Er ist ein Vorbild für alle Menschen". Deshalb gibt es für Schülers Engagement auch keine Konfessions- und Religionsschranken.

Schon viele Jahre besucht er das evangelische Alten- und Pflegeheim in Bettrath. In diesem Jahr steht erstmals die evangelische Gemeinde Rheydt-West in seinem gutgefüllten, vorweihnachtlichen Terminkalender.

Am liebsten kommt der vielfache Groß- und Urgroßvater in seinem historischen Bischofsgewand zu den Kindern, zu Kranken und zu denjenigen, "die in der Gesellschaft keinen Namen haben". Immer bringt er viele Legenden über St. Nikolaus, reichlich Gaben und die Botschaft vom Abgeben und Teilen mit.

Wenn Schüler theatralisch erklärt, die "Tradition wiederbeleben" und ihr "ein modernes Gewand geben" zu wollen, dann spricht er auch von seinen anderen großen Leidenschaften. In der Kunst des Paramentenstickens hat es der ehemalige Sakristan und Kirchenangestellte zum Ruf eines "Lagerfelds für sakrale Textilkunst" gebracht.

Und natürlich sind es seine eigenen, in einzigartiger Technik selbstverzierten Bischofsgewänder, in denen Hubert Schüler das alte Nikolausbrauchtum am Leben erhalten und "diese lächerliche, verweltlichte Gestalt des Weihnachtsmanns" vergessen machen will.

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