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Mönchengladbacher: Streifendienst für den Platz der Republik

Platz der Republik : Kräfte bündeln für die Sicherheit

Gemeinsame Streifen von Ordnungsamt, Landes- und Bundespolizei sollen das Umfeld des Bahnhofes sicherer machen.

Hauptbahnhof, Hinterausgang, kurz vor 15 Uhr: Ein Mann hockt vor einem leeren Pappbecher. Auf dem Boden sind mehrere Zigarettenkippen verteilt. Der Mann nimmt eine Kippe, zerfriemelt sie und streut die Tabakkrümel in ein Zigarettenblättchen. Für Tabak oder eine Schachtel Zigaretten reicht das Geld offenbar nicht. Eine harmlose Szene, die jedoch andeutet, welche gravierenderen Probleme die gut hundert Meter weiter versammelte kleine Schar von Vertretern des Ordnungsamtes, der Landes- und der Bundespolizei am Platz der Republik beschäftigen. Sie sind gekommen, um eine Premiere vorzustellen: einen gemeinsamen Streifendienst aller drei Behörden.

Nachts ist der Platz für
etliche Menschen ein Angstraum

Denn Obdachlose, Trinker und Drogenhändler machen den Platz für viele Passanten mindestens zu einem unangenehmen Ort. Für etliche ist er, vor allem nachts, gar ein Angstraum. Mehr als 140 Kontrollen haben alleine Ordnungsamtsmitarbeiter zwischen März und Dezember 2018 auf dem Platz durchgeführt. Dauerhaft geändert hat das die Situation nicht.

Zusammenarbeit von Mitarbeitern des städtischen Ordnungsamtes und der Landespolizei hat es in der Vergangenheit auch schon gegeben. Die Kompetenzverteilung ist klar. „Wir sind für Ordnungswidrigkeiten zuständig, die Polizei für Straftaten“, sagt Ordnungsamtsleiterin Annegret Ketzer. Dass auch Bundespolizisten in einen Streifendienst im Umfeld des Bahnhofes einsteigen, ist im Bereich der für den Mönchengladbacher Hauptbahnhof zuständigen Bundespolizei-Inspektion Düsseldorf jedoch ein Novum. „In letzter Zeit ist der Drogenhandel am Bahnhof auch für die Bundespolizei in den Fokus gerückt“, sagt Armin Roggon, Sprecher der Düsseldorfer Inspektion.Ordnungsamts-Mitarbeiter Timo W. hat schon Streifenerfahrung gesammelt – und auch damit, angepöbelt zu werden und daher Platzverweise aussprechen zu müssen. Aber wie Stephan Henkes, sein Streifenkollege von der Polizei, hat er auch Zuspruch erlebt. „Man wird angesprochen von Bürgern, die das positiv wahrnehmen“, sagt Henkes. Die Streifen sollen viel häufiger als bisher und bald auch in den Stunden bis Mitternacht Präsenz zeigen. Allerdings zu unregelmäßigen Zeiten, damit sich Drogendealer nicht darauf einstellen können.

 Dass die Streifen sämtliche Probleme ein für allemal vertreiben können, glauben die Ordnungshüter allerdings nicht. Zumal Bahnhöfe in vielen Städten Problemgruppen anziehen. Überdies gilt: „Obdachlos zu sein und Alkohol in der Öffentlichkeit zu trinken, ist nicht verboten“, sagt Annegret Ketzer. Geprüft werde allerdings, ob es rechtlich möglich sei, in unmittelbarer Nähe des Berufskollegs in einer Art „Schutzzone“ ein Alkoholverbot zu verhängen.

Fünf Arbeitsgruppen zu
speziellen Themenfeldern

Da repressive Maßnahmen alleine bisher nicht zum Erfolg geführt haben, sind die gemeinsamen Streifen nur ein Baustein einer breiter angelegten Strategie, die den Platz sicherer, sauberer und attraktiver machen soll. Mehr als 30 Institutionen vom Diakonischen Werk über die Drogenberatung bis zu Anliegern wie Arbeitsagentur und Berufskolleg arbeiten daran. Es gibt fünf Arbeitsgruppen zu speziellen Themenfeldern, unter anderem eine „Soziales“, die den Problemgruppen auf dem Platz Hilfen anbieten soll. Spannend ist auch, wie das Projekt „Soziale Stadt Gladbach und Westend“ den Platz verändert, wenn dieser demnächst durch einen Umbau für andere Personenkreise einladender gestaltet wird. Ob die gemeinsamen Streifen dann seltener erforderlich werden, wird sich zeigen.