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Mönchengladbacher Jäger schlagen wegen wildernden Hunden Alarm - Gefahr für Rehe

Mönchengladbacher Jäger schlagen Alarm : Ärger über wildernde Hunde

Die Kreisjägerschaft schlägt Alarm und appelliert an Hundehalter, die Leinenpflicht zu beachten. In den vergangenen Wochen fanden die Jäger vermehrt gerissene Rehe. Einen Wolf schließt die Stadt als Täter aus.

Beim Gassi gehen müssen Hundehalter einige Vorschriften beachten. So müssen die Vierbeiner im Wald außerhalb von Wegen angeleint sein. Das regelt das Landesforstgesetz. Außerdem ist es Pflicht der Hundehalter, eine Gefahr für Menschen und Tiere auszuschließen, wie es das Landeshundegesetz vorschreibt. Mit diesen Vorschriften soll verhindert werden, dass Hunde ihrem Jagdtrieb nachgehen und Wildtiere angreifen.

Solche Fälle beobachtet die Kreisjägerschaft in den vergangenen Wochen häufig, wie Pressesprecher Dirk Brauner sagt: „Ich kann mich nicht erinnern, dass wir schon mal so viele Meldungen über wildernde Hunde aus den verschiedenen Revieren hatten.“ Immer wieder erreichten die Jäger in den vergangenen Monaten Meldungen von Rehen, die von Hunden gerissen wurden. Horst Henrichsen, Jagdaufseher der Stadt im Revier Haus Horst, war schon manches Mal vor Ort, um einem gerissenen Reh zu helfen – oder es zu erlösen. „Mitten im Wald lag dieses Reh“, erzählt der Jäger von einem erst kürzlich entdeckten Tier. „Es war komplett aufgerissen. Das war kein schöner Anblick.“

Zunächst befürchteten die Jäger, dass ein Wolf in die Wälder Mönchengladbachs gekommen sei. Vor Kurzem erst wurde einer in Schermbeck gesichtet. Die Entfernung sei für ein solches Tier nicht weit. „Für einen Wolf ist das eine Nachtwanderung“, erklärt Henrichsen. Die Untere Jagdbehörde der Stadt Mönchengladbach schließt diese Möglichkeit jedoch aus.

Die Jäger gehen daher davon aus, dass die Rehe von Hunden angegriffen wurden. Das Problem gebe es immer, sagt Jäger Henrichsen. „Voriges Jahr haben wir fünf Rehe durch Hunde verloren, nur im Revier Haus Horst.“ In diesem Jahr sei die Zahl der gerissenen Rehe jedoch in allen Revieren auffallend hoch, so Dirk Brauner.

Zwei Tiere seien in ­Broich-Peel gefunden worden, zwei im Revier Haus Horst und jeweils eins in Gerkerath und im Hardter Wald. Gerade momentan seien die Fallzahlen alarmierend. Denn in der Brut- und Setzzeit gebe es auch viele Jungtiere in den Mönchengladbacher Jagdrevieren, die sich kaum vor wildernden Hunden schützen können. „Und wenn ein Muttertier gerissen wird, kann das Rehkitz nicht mehr gefunden werden. Das stirbt dann einen qualvollen Hungertod“, so Henrichsen.

Den Jägern ist wichtig, Hundehalter auf das Thema aufmerksam zu machen. Es gehe ihnen nicht darum, anzuklagen, sondern Bewusstsein schaffen. „Ich hab nichts gegen Hunde, ich habe selber welche“, betont Henrichsen. „Ich habe auch nichts dagegen, wenn Hunde frei laufen dürfen.“ Wichtig sei jedoch, dass die Besitzer ihre Vierbeiner unter Kontrolle haben. Viele Hundehalter würden jedoch davon ausgehen, dass ihr Hund keine Gefahr für das Wild darstellt. Ein Irrglaube, so Henrichsen: „Jeder Hund hat einen ­Jagdtrieb.“

Den müssen die Besitzer kontrollieren lernen, wenn sie ihren Hund frei im Wald laufen lassen. „Der Jagdtrieb kann trainiert und abtrainiert werden“, sagt Jürgen Schöttler von der Hundelobby Mönchengladbach. „Es gibt auch Hundeschulen, die sich darauf spezialisieren.“ Ein Bewusstsein für den Jagdtrieb des eigenen Vierbeiners sei wichtig. „Wir hoffen, dass die Leute verantwortungsvoll mit Tieren umgehen“, sagt Schöttler. Dazu gehört, dass Hundehalter die Polizei informieren, sollte ihr Hund Wild reißen.

„Nicht jedes Tier, das gerissen wird, ist sofort tot. Es liegt womöglich stundenlang, tagelang herum und stirbt einen qualvollen Tod“, sagt Horst Henrichsen. Es sei Pflicht der Jäger, Tiere davon zu erlösen. „Wenn man als Jäger Tiere töten muss, dann schnell und ohne viel Leid.“