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Mönchengladbach: Zu viele illegale Bordelle in der Stadt?

Rotlicht-Szene : Sexarbeiterinnen oft illegal im Dienst

Ein Insider geht von 25 nicht gemeldeten Bordellen in Mönchengladbach aus. Die Betreiber bringen der legalen Branche Probleme.

Harry B. (Name geändert) vermietet Wohnungen an Frauen, die ihren Körper für Geld anbieten. „Bordell“ würde er seinen Betrieb nicht nennen: Die Zeiten, in denen Männer in der Dunkelheit in eine Bar mit leicht bekleideten Frauen schlichen und überteuerten Sekt angeboten bekamen, seien lange vorbei. „Die Freier kommen heute am Nachmittag. Die Frauen haben sie sich über das Internet ausgesucht. Und sie betreten ein ganz normales Haus“, sagt er.

Harry B.’s Gewerbetrieb ist angemeldet, er hat eine Genehmigung und zahlt Steuern. Außerdem habe er alles getan, um die Auflagen des 2017 in Kraft getretenen Prostituiertenschutzgesetzes zu erfüllen. Er investierte nach eigenen Worten in den Brandschutz, ließ Panikschlösser und Notrufsysteme installieren, und wenn die Frauen mit Kunden aufs Zimmer gehen, ist immer eine Aufsichtsperson da, die im Notfall zur Stelle ist. Außerdem haben Harry B.’s Frauen je einen Raum, in dem sie sich zurückziehen können, und einen, in dem sie arbeiten. „Verrichtungszimmer“ heißt dies im Behördendeutsch.

Einige der illegalen Häuser befänden sich in Sperrbezirken

Wäre also eigentlich alles in Ordnung für B. Ist es aber nicht. Denn illegale Konkurrenz ist schlecht für sein Geschäft. B. schätzt, dass es 25 nicht genehmigten Bordelle in der Stadt gibt, auch in Wohngebieten, also Sperrbezirken. In den illegalen Freudenhäusern hätten die Frauen nur ein Zimmer, die „Vermieter“ kämen einmal in der Woche vorbei, um abzukassieren und würden keine Sicherheitsvorschriften einhalten. „Die können natürlich viel billiger an die Frauen vermieten“, sagt B., „und den Vorteil geben die Frauen an ihre Kunden weiter. Manche bieten eine halbe Stunde tabulosen Sex schon für 25 Euro an.“ Dafür würden die Frauen zum Teil haltlose Zustände hinnehmen. In einem Haus hätten drei Mädchen ein halbes Jahr gearbeitet, obwohl es dort kein Wasser gab.

Oft kämen die Frauen aus Rumänien und Bulgarien, sagt B.. Selten blieben sie lange in der Stadt. „Die ziehen nach ein paar Wochen oder Monaten weiter, um am nächsten Ort wieder die ,Neue’ zu sein. Das zieht bei den Kunden.“

Im Internet seien die illegalen Prostituierten leicht zu finden

Im Gegensatz zu seinen Mieterinnen seien diese Frauen meist nicht gemeldet und gingen nicht regelmäßig zum Gesundheitsamt, wie es das Schutzgesetz vorschreibt. Eigentlich soll das vor Zwangsprostitution schützen, aber in Mönchengladbach werde von Behörden viel zu wenig darauf geachtet, dass es eingehalten werde, sagt B.. Auf einschlägigen Seiten könne jeder die Frauen finden, die in Mönchengladbach ihren Körper für Geld anbieten: „Das Ordnungsamt könnte schnell überprüfen, wer wo illegal arbeitet.“

Laut Auskunft der Verwaltung gibt es in der Stadt neun gemeldete und genehmigte Bordellbetriebe sowie 270 gemeldete sogenannte Sexarbeiterinnen. Laut Erik Vorberg, beim Ordnungsamt Abteilungsleiter für Gewerbeansiedlungen, könne es natürlich illegale Betriebe in der Stadt geben. Aber das Ordnungsamt gehe jeden Hinweis nach, und habe auch schon zwei illegale Häuser geschlossen. Doch die Gesetzeslage sei kompliziert. So finde die Gewerbeordnung beispielsweise keine Anwendung auf die Tätigkeit von Prostituierten, wohl aber auf die Tätigkeit derjenigen, die an Sexarbeiterinnen verdienen, so Vorberg.

Auch er glaubt, dass es viele Gelegenheitsprostituierte gibt, die sich nicht anmelden wollen, weil sie glauben, stigmatisiert zu werden. Auch aus einem Bericht der Landesregierung geht hervor, dass nur etwa jede sechste Prostituierte in NRW der Meldepflicht nachkommt. Das hänge auch mit dem neuen Schutzgesetz zusammen. Das besagt nämlich auch, dass die Frauen nach der Anmeldungen einen Lichtbildausweis bei sich tragen müssen. Das mache sie erpressbar, glauben einige, denn viele gehen dem Gewerbe ohne Wissen der Familie nach. Auch bestehe die Angst vor der Weitergabe der Daten an die Finanzverwaltung.

Harry B. findet aber: „Gesetze müssen für alle gelten.“