Mönchengladbach: Was macht der frühere NEW-Vorstand Friedhelm Kirchhartz?

Serie Was macht eigentlich? : Ex-NEW-Chef hat noch immer Energie

Friedhelm Kirchhartz war nicht nur erfolgreicher Manager, auch auf dem Fahrrad macht ihm kaum jemand etwas vor. Ein Besuch im Ruhestand.

Er ist nicht nur ein erfolgreicher Manager. In Büttgen, wo er aufgewachsen ist und bis heute lebt, wie auch in Mönchengladbach, wo er mehr als zwei Jahrzehnte gearbeitet und immer noch enge Bindungen hat, schätzt man Friedhelm Kirchhartz als waschechten Niederrheiner, Freund und überzeugten Familienmenschen: „Ich habe gleich zwei Familien, eine kleine und eine große“, sagt der 67-Jährige. Die „große Familie“ mit seinen fünf Geschwistern samt Anhang trifft sich alle Jahre, komplett und nicht nur zu Weihnachten. Der Heiligabend bei Friedhelm und Lilo im von den Eltern geerbten, aus- und umgebauten Haus in Büttgens ruhiger Mitte ist geliebte Tradition für rund 50 Personen – von den kleinsten Enkelkindern mit zwei Jahren bis zu deren Großeltern. Die „kleine Familie“ Kirchhhartz, acht Köpfe, trifft sich fast jeden Sonntag zum gemeinsamen Essen. Dann hat Friedhelm schon seine unvermeidliche Radtour hinter sich: 60 Kilometer in zwei Stunden mit vier bis zehn Freunden – ehemalige Radrennfahrer und heute im Rentenalter. „Hinterher fühle ich mich dann richtig wohl“, sagt Kirchhartz. „Der Radsport ist immer noch meine Leidenschaft.“

Mit 13 Jahren begann die Leidenschaft für den Radsport

Mit 13 Jahren ist er aufs Rennrad gestiegen beim VfR Büttgen – und machte Karriere: Er wurde 1969 und 1970 Deutscher Jugendmeister im Einzel-Sprint und mit dem Büttgener Bahnvierer, fuhr als Erwachsener im Nationaltrikot bei drei Weltmeisterschaften (1973, 74 und 75) als Einzel-Sprinter und auf dem Tandem mit Hans Michalsky. Die ganz großen Titel hat er zwar nicht geholt, ist aber stets vorne mitgefahren. „Es war eine Superzeit“, sagt er. Und: „Der Sport hat mich geprägt.“

Beharrlichkeit, nicht aufgeben, Durchsetzungsvermögen und auch Fairness – das hat er auf dem Rennrad gelernt und im „normalen“ Leben genutzt: beim Jura-Studium in Köln und dann im Beruf, zunächst als Berater und Referatsleiter mit Gesamtprokura bei der renommierten Düsseldorfer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Wibera Wirtschaftsberatung AG (PricewaterhouseCoopers). Und dann ab Januar 1995 als Vorsitzender der Geschäftsführung des Mönchengladbacher Versorgungsunternehmens Stadtwerke Mönchengladbach GmbH. 22 Jahre, bis Ende 2016, war er dort Chef. Das Unternehmen wuchs unter seiner Führung unter den Namen NVV und schließlich NEW (Niederrhein – Energie - Wasser) AG zum größten Versorger der Region nach den Stadtwerken Düsseldorf, lief Krefeld den Rang ab. Die Geschäftsfelder: Strom, Gas, Wasser, Abwasser, Öffentlicher Personen-Nahverkehr (ÖPNV), Wärme und Bäder. Jahresumsatz des Konzerns: 950 Millionen Euro. „Die NEW gehört auch zu den größten in Deutschland“, sagt der „Macher“ eines Unternehmens, das stark am Niederrhein verwurzelt ist mit Tochtergesellschaften in Mönchengladbach, Erkelenz, Geilenkirchen, Grevenbroich, Viersen, Schwalmtal und Tönisvorst.

In seinem „Heimatdorf“ Büttgen gründete er den Schützenzug „Les Pedaleurs“. Das Schützenwesen ist schließlich Familientradition.

Sein Vater Peter war schon Schützenkönig, und sein Bruder Dieter auch. Da konnte er es seinem ältesten Bruder Willi schließlich nicht verwehren, in dessen Königsjahr 1998 als Minister zu fungieren. 2013 erhielt er die höchste Auszeichnung der Europäischen Gemeinschaft historischer Schützen (EGS): Bei der Herbsttagung in Neuss mit 300 Schützen aus zwölf Ländern wurde er von Großmeister Karl von Habsburg zum Ritter der EGS geschlagen.

In Mönchengladbach hätte man Friedhelm und Lilo Kirchhartz gerne auch als Prinzenpaar im Karneval gesehen. Denn das närrische Brauchtum der Stadt, die fast so etwas wie seine zweite Heimat wurde, ist eine weitere „Leidenschaft“ des Ex-Managers. Friedhelm ist sehr aktives Mitglied der Pulvermeister, einer Truppe „jecker“ lokaler Prominenter aus der Mönchengladbacher Politik und Wirtschaft, die mit ihren Auftritten in immer neuen und fantasievollen Kostümen und nach intensiver Vorbereitung Jahr für Jahr die Säle in Schwung bringen: zur eigenen Gaudi und zur Unterstützung der Prinzengarde. Aber selbst auch noch Prinz sein, so sehr im Mittelpunkt stehen, das mochte Friedhelm Kirchhartz dann doch nicht. 2010 erhielt er für seine Verdienste im Winterbrauchtum vom Mönchengladbacher Karnevals-Verband die Goldene Narrenpritsche.

Auch als „Rentner“, ist das Prinzen-Thema für Friedhelm Kirchhartz keins mehr. „Ich habe mich wirklich in den Ruhestand verabschiedet“, sagt er, selbst überrascht, wie leicht der Umstieg fiel. Er fährt nicht nur Rad, sondern läuft auch regelmäßig, 90 bis 100 Einheiten à sechseinhalb Kilometer im Jahr auf seiner „Hausstrecke“ rund um Büttgen. Und da ist der Urlaub, den er und seine Frau Lilo gerne auch mit Freunden und der Familie verbringen, im Sommer und im Winter, am Mittelmeer, am Tegernsee, in den Bergen beim Skifahren.

Und es gibt ja schließlich auch was zu tun daheim, vor allem bei der Radsportabteilung des VfR Büttgen. Sein Vater Peter Kirchhartz hat sie einst gegründet, seine Schwester Marianne hat einen ganz prominenten Radsportler geheiratet: Hans Lutz, 1976 Olympiasieger, 1973, 1974 und 1975 Weltmeister. Friedhelm Kirchhartz will aber kein offizielles Amt beim VfR mehr. Aber er mischt hinter den Kulissen noch tatkräftig mit, kümmert sich im Förderverein um Sponsorengelder und darum, dass der Büttgener Radsport seinen Stellenwert behält. Das „Sportforum Kaarst-Büttgen“ mit seiner über Deutschland hinaus bekannten Radsporthalle und der Radrenn-Außenbahn bietet hervorragende Voraussetzungen. Dort sind bekannte Sportler, bis zu Udo Hempel, Günter Schumacher, Andreas Beikirch und Markus Fothen groß geworden. „Und unsere Jugend mischt heute in Deutschland immer noch vorne mit“, sagt Kirchhartz stolz.

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