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Mönchengladbach: Was Krankenhäuser von Jens Spahns Plänen halten

Notaufnahmen sollen entlastet werden : Kliniken zweifeln an Jens Spahns Plänen

Der Bundesgesundheitsminister will Notaufnahmen in Krankenhäusern entlasten.

Hunderte Menschen kommen jeden Tag in die Notaufnahmen der Mönchengladbacher Krankenhäuser – doch längst nicht alle sind Notfälle. Etwa ein Drittel der Patienten in der Notaufnahme, schätzt das Krankenhaus Neuwerk, hätten auch beim ärztlichen Notdienst versorgt werden können. Die Kliniken Maria Hilf schätzen den Anteil der Patienten mit Lappalien auf fünf bis zehn Prozent – dadurch würden die Kapazitätsgrenzen „manchmal erreicht“. Das Krankenhaus Neuwerk spricht von einer „hohen Auslastung“.

Tobias Strapatsas, Leiter der Notaufnahme des Rheydter Elisabeth-Krankenhauses, schätzt den Anteil der Patienten, die eigentlich nicht in seine Notaufnahme gehören, auf 20 Prozent. „Diese Frage ist sehr schwierig zu beantworten. Hinter vielen Symptomen können sich sowohl banale als auch gefährliche Ursachen verbergen“, sagt er. Im Schnitt kommen täglich 97 Patienten in die Rheydter Notaufnahme. Dank eines Ende Mai eröffneten Neubaus ist das auch kein Problem. „Durch den Neubau sind wir so gut ausgestattet, dass wir auch höhere Zahlen adäquat behandeln können“, sagt Strapatsas.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will die zum Teil überlaufenen Notaufnahmen der deutschen Krankenhäuser bald entlasten. Dazu soll der Notruf 112 und die Telefonnummer der Kassenärztlichen Vereinigungen 116 117 zusammengelegt werden. Fachpersonal soll so vorab die Dringlichkeit der Behandlung von Patienten abklären und dann entweder an Notaufnahmen, den ärztlichen Notdienst oder an die normale Sprechstunde eines Arztes verweisen.

In den Krankenhäusern sollen zudem für die Patienten, die selbstständig in die Notaufnahme kommen, sogenannte Integrierte Notfallzentren eingerichtet werden. Dort sollen sie erfahren, ob sie wirklich eine stationäre Behandlung benötigen oder ob ein Besuch in der Arztpraxis ausreicht. Betrieben werden sollen die Zentren von Krankenhäusen und Kassenärtzlichen Vereinigungen zusammen. Die Vereinigungen sind derzeit für die Arztbereitschaft außerhalb der Krankenhäuser zuständig.

„Das vorgeschlagene Modell, Notfall-Leitstellen einzurichten, löst das Problem nur vordergründig“, meint der Geschäftsführer des Krankenhauses Neuwerk, Markus Richter. „Allenfalls die Integrierten Notfallzentren könnten wirksam werden.“ Dabei müsse jedoch das heute in vielen Notfallpraxen bestehende Besetzungsproblem mit ärztlichem Personal auch zu Abend-, Nacht- und Wochenendzeiten gelöst werden. „Eine solche Besetzung ist bislang ausschließlich in den Krankenhäusern gewährleistet und führt zu dem bekannten Problem.“

Die Kliniken Maria Hilf sprechen von einer „24-Stunden-Gesellschaft“ und sehen darin einen Ursprung des Problems: Wer 24 Stunden am Tag im Internet shoppen kann, warte nicht gerne auf einen Termin am Folgetag. Die Kliniken schließen sich einem Statement des Verbandes der Krankenhausdirektoren an. Demnach sei eine Reform des Notfallsystems „überfällig“. Integrierte Notfallzentren an Krankenhäusern könnten aber nur eine „Übergangslösung“ sein, zumal eine flächendeckende Einrichtung solcher Zentren weder finanzierbar sei noch es genug Kassenärzte gebe, die diese besetzen könnten.

Bereits heute werden die Patienten in Notaufnahmen nicht danach sortiert, wann sie eingetroffen sind, sondern nach Schwere der Verletzung. In Neuwerk und im Rheydter Elisabeth-Krankenhaus arbeitet man nach dem „Manchester Triage-System“, das die Wartezeit bis zur Behandlung in fünf Stufen unterteilt. Ähnlich läuft es in den Kliniken Maria Hilf im Norden der Gladbacher Innenstadt mit dem „Emergency Severity Index“.