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Mönchengladbach: Verfahren zu neuem Rathausin Rheydt läuft an

Wettbewerb europaweit ausgeschrieben : Wettbewerb zu neuem Rathaus in Rheydt läuft

In sechs Jahren sollen 1900 städtische Mitarbeiter am Marktplatz arbeiten. Doch bis dahin sind noch vielen Hürden zu nehmen. Ein Überblick.

Es wird das seit langer Zeit größte Vorhaben, das die Stadt Mönchengladbach stemmt: Läuft alles nach Plan, sollen in sechs Jahren insgesamt 1900 städtische Mitarbeiter am Rheydter Marktplatz in einem komplett neuen Rathaus, teilweise hinter historischer Fassade, in völlig anderen Abläufen und topmodernen Räumen arbeiten. In einem zweistufigen Wettbewerb soll aus bis 20 Entwürfen von einer Jury der beste bestimmt werden. Das Auswahlverfahren wurde vor kurzem europaweit veröffentlicht. Bis zum 5. Februar können Interessenten ihre Bewerbungen einreichen.

Was ist vorgesehen?

Unter dem Titel „Rathaus der Zukunft mg +“ werden die Ziele beschrieben: Die Zahl der aktuell 26 Standorte der Stadtverwaltung soll reduziert werden. Drei innerstädtische Gebäudekomplexe zwischen Marktplatz, Limiten-, Stresemann- und Harmoniestraße stehen für den neuen zentralen Standort zur Verfügung. „Angestrebt wird ein innovativer Gebäudekomplex zeitgenössischer Architektur“, heißt es in dem Ausschreibungstext. Gesucht wird eine „nachhaltige Lösung, die gleichermaßen der Geschichte und dem Selbstverständnis und den Zukunftszielen der Stadt“ entspreche.

Dort sollen auf einer Nutzfläche von 30 000 Quadratmetern etwa 1600 Plätze für 1900 Mitarbeiter entstehen. Das Verhältnis ist deshalb nicht eins zu eins, weil einige Beschäftigte von zu Hause arbeiten, andere ihre Plätze teilen sollen. Modern soll es auch für die Bürger werden: Ein Servicezentrum soll die veralteten Schalter und Wartezonen ersetzen, einen Großteil ihrer Interaktion mit der Kommune sollen die Bürger digital von zu Hause aus abwickeln können. Vorbild ist das Rathaus in Venlo, das allerdings nicht im Bestand, sondern außerhalb des Stadtkerns errichtet wurde.

Was wird es kosten?

Als Budget ist in der Ausschreibung ein Rahmen von etwa 126 Millionen Euro vorgegeben. Insgesamt wurden die Kosten des Vorhabens in einer ersten Wirtschaftlichkeitsberechnung auf 161 Millionen Euro geschätzt. Das ist, so das Gutachten, weitaus wirtschaftlicher als der Ist-Zustand. Denn für Miete und dringend notwendige Sanierung der bisher über das Stadtgebiet verteilten Standorte (teils mit unhaltbaren Bedingungen für die Mitarbeiter) sei mit 240 Millionen Euro Kosten zu rechnen.

Wie läuft das Verfahren?

Vorgeschaltet ist ein offener Teilnahmewettbewerb. Das heißt, bis 5. Februar können sich alle Architekten oder Teams, die den geforderten Kriterien entsprechen, bewerben. Daraus werden maximal 20 Teilnehmer ausgewählt, die am eigentlichen Planungswettbewerb teilnehmen. Sie reichen Entwürfe ein und erhalten dafür Aufwandsentschädigungen, ebenso wie die Teilnehmer der nächsten Stufe: Das Preisgericht wählt sieben aus, aus deren Reihen am Ende (vermutlich im Herbst) der Sieger gekürt wird. Die ersten vier Ausgewählten erhalten zudem Preisgelder. Insgesamt stehen dafür und für die Entschädigungen 625 000 Euro zur Verfügung. Wenn der Siegerentwurf vorliegt, soll auch entschieden werden, ob das Großprojekt tatsächlich umgesetzt wird.

Was sind die Bewertungskriterien?

Genannt werden die Nachhaltigkeit des Gebäudeentwurfs, Städtebau und Gestaltung (u.a. Gliederung der Baumasse, Integration Denkmalschutz, Freiräume), Leitidee, innere und äußere Raumqualität (insbesondere der öffentlich zugänglichen Bereiche), Programmerfüllung (Raumprogramm, Nutzungsverteilung, Erschließung, Barrierefreiheit, Energie und Raumklima).

Wer entscheidet?

Ein 16-köpfiges Preisgericht. Sachpreisrichter sind OB Hans Wilhelm Reiners, Personaldezernent Matthias Engel sowie je ein Ratsmitglied der Fraktionen von CDU, SPD, Grünen, FDP und der Linken. Fachpreisrichter sind Architekten: Planungsdezernent Gregor Bonin, Prof. Benedikt Boucsein, Prof. Rebecca Chestnutt, Herwig Kleinhapl, Prof. Karl-Heinz Petznka (Rektor Düsseldorfer Akademie), Alexander Pier, Prof. Kirsten Schemel, Ingrid Spengler.

Was sind die Knackpunkte?

Spannend wird das Zusammenspiel zwischen Neubauten und Denkmälern (Rathaus, Alte Kommandatur) werden, aber auch mit Bestandsgebäuden wie dem von Karstadt. Der bisherige Innenhof des Rathauses und die Gasse zwischen Rathaus und Karstadt sollen, so eine erste Idee, zu überdachten Malls werden. Eine Herausforderung wird die geringe Zahl der Parkplätze: Laut Planungsdezernent Gregor Bonin sollen im Vergleich zu heute nur 40 zusätzliche Parkplätze entstehen – und das bei 1000 zusätzlichen Mitarbeitern. Die Stadt will über Jobtickets und Fahrradnutzung den Verzicht aufs Auto fördern.