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Mönchengladbach: Vandalismus am Gedichtweg im Schmölderpark

Mönchengladbach : Wieder Vandalismus im Schmölderpark

In der Vitrine kommt es immer wieder zu Vandalismus. Regelmäßig trifft es dabei den Gedichtsweg. Horst Hübsch hofft auf den Effekt einer neuen Gaststätte im Park.

Wenn ein älterer Herr anruft, dann weiß Horst Hübsch: Es ist wieder passiert. Der Anrufer ist Rentner und wohnt gegenüber vom Schmölderpark in Rheydt. Abends geht er oft im Park spazieren. Ihm fällt meistens zuerst auf, wenn erneut etwas am Gedichtweg beschädigt wurde. Dann ruft er Hübsch an. Das letzte Mal meldete er sich vor drei Wochen bei ihm.

Der Gedichtweg besteht seit 1993. Im vorherigen Jahr tauschte der Förderverein Schmölderpark die alten Stelen mit den Gedichten durch neue aus. Modern und bunt gestaltete man sie und stockte von zwölf auf 16 auf. Die Gedichte der deutschen Lyriker stehen auf Acrylglas-Tafeln, die mit rund einem Zentimeter Abstand zu den Stelen montiert wurden. „Eyecatcher“ seien das gewesen, bemerkt Hübsch als Vorsitzender des Fördervereins, „das rächt sich nun vielleicht ein bisschen.“ Keine vier Monate später war die erste Tafel aus der Halterung gerissen.

Mittlerweile mussten sechs Gedichttafeln ausgetauscht werden, fünf weitere sind augenblicklich noch kaputt. „Sie sind abgerissen worden – und zwar mutwillig. Das ist ganz eindeutig Vandalismus“, sagt Hübsch. Gleich am Eingang zum Schmölderpark am Pavillon sind drei Stelen angebracht, zwei inzwischen ohne Gedicht. Nur „Die Schaukel“ von Richard Demel ist noch unberührt.

Über die Täter könne man nur spekulieren, sagt Hübsch. „Es ist einfach ärgerlich.“ Jede neue Tafel kostet den Verein 100 Euro, dazu kommt noch die Montage. „Irgendwann ist das auch nicht mehr zu finanzieren“, sagt Hübsch. Anzeige habe man aber nie gestellt. „Wir haben ein paar Mal überlegt und auch mit der Polizei und dem Ordnungsamt gesprochen. Die haben uns aber nur damit vertröstet, dass sie Streifen schicken. Aber das bringt ja nichts, wenn die hier gelegentlich vorbeikommen“, sagt Hübsch.

„Vitrine“ hat „eine gewisse
soziale Kontrolle ausgeübt“

Nach seiner Aussage habe es schon immer Vandalismus im Park gegeben. Auch die alten Stelen seien beschmiert oder mit dem Feuerzeug angekokelt worden. Aber nie in dem jetzigen Ausmaß oder in unmittelbarer Nähe zur Gaststätte am Schmölderpark. Das habe sich geändert, seitdem die „Vitrine“ vor zwei Jahren zumachte. „Die Gaststätte hat eine gewisse soziale Kontrolle ausgeübt. Seit der Schließung hat der Vandalismus zugenommen. Viele Leute sagen auch, sie trauen sich hier nicht mehr hin. Deshalb sind wir auch so interessiert, dass wieder Leben in die Gaststätte reinkommt“, sagt Hübsch.

Ein Investor und ein zukünftiger Geschäftsführer sind zumindest gefunden für die Immobilie, die Übertragung des Erbpachtvertrags aber noch nicht abgeschlossen. Der Plan: Aus der Gaststätte im Schmölderpark und dem „Kellerkind“ sollen „Carl’s“ und „Herr Schmölder“ werden, inklusive Sanierung und Renovierung. Horst Hübsch ist bezüglich der Eröffnung aber noch vorsichtig. „Wir hoffen natürlich möglichst bald. Aber das dürfte noch bis zum nächsten Jahr dauern. Der Zustand innen und außen lässt keinen anderen Schluss zu“, sagt er. Aktuell ist die Gaststätte noch von viel Wildwuchs eingepackt, der Renovierungsbedarf unübersehbar. „Hier tut sich aktuell nicht viel“, sagt Hübsch.

Im Herbst sollen die aktuellen Gedichtstafeln komplett ersetzt werden, mit neuer Bauweise: Dieses Mal sollen die Tafeln direkt an die Stele angebracht werden. Außerdem mit einer Verschraubung, die nicht so schnell angreifbar ist, so Hübsch. Damit es künftig weniger Anrufe des älteren Mannes gibt. Bis dahin möchte der Förderverein für Hinweise auf mögliche Täter eine Prämie von 300 Euro ausloben.