Mönchengladbach: Streit um Nationales Hockey-Trainingszentrum

Vorwürfe in Mönchengladbach : Hockey-Zentrum: Grünen fehlt Transparenz

Die Partei kritisiert, dass die Stadt Pläne für ein Nationales Trainingszentrum für den deutsche Hockeysport im Nordpark in wichtigen Punkten an den politischen Gremien vorbei verfolgt habe. Stadt und CDU sehen das anders.

Seit mehr als zwei Jahren steht zur Debatte, dass der Deutsche Hockey Bund (DHB) ein nationales Trainingszentrum am Hockeypark bekommt. Auch Nationalteams sollen es nutzen, für Spieler und Betreuer soll es Übernachtungsmöglichkeiten geben.

Wer schmiedete Pläne?

Über das Nationale Zentrum haben DHB und Stadt-Tochtergesellschaft EWMG bereits 2017 gesprochen. Neben einem Gästehaus war ein neues Hockeyspielfeld im Gespräch, das die beiden Felder im Hockeypark ergänzen soll. Nötig seien dafür Zuschüsse von Bund und Land, sagte EWMG-Chef Ulrich Schückhaus damals. Vor etwa zweieinhalb Jahren begannen noch andere, sich Gedanken zu machen, wie das Zentrum aussehen könnte, sagt Bouke Stoffelsma, Vorstand des Rheydter Hockey-Clubs. Mit einem Architekten und einem Hotelier sei ein Konzept entwickelt worden. Das sah ein Spielfeld neben dem Hockey-Stadion vor, nebst einem mehrstöckigen Gebäude, das unter anderem Seminarräume, Besprechungsräume und Unterkünfte für Spieler vorsah. „Ziel war, das Zentrum von A bis Z zu einer Adresse für den Hockeysport zu machen“, sagt Stoffelsma. Diese Pläne habe das DHB-Präsidium im Juli 2017 einstimmig gebilligt.

Karl Sasserath (links), Bouke Stoffelsma Vorstand Rheydter Hockey-Club, Foto: Holger Hintzen. Foto: Holger Hintzen

Was sagen Stadt und EWMG zum Alternativ-Plan?

Der städtische Sportdezernent Gert Fischer hat Stoffelsmas Alternative nach eigenen Angaben im Sommer 2017 in Gesprächen mit dem DHB kennengelernt. Fischer spricht freilich nur von einer „Ideenskizze“. „Wir haben damals Probleme aufgezeigt und eine Vorplanung und eine Kostenberechnung angefordert.“ Das alles liege ihm bis heute nicht vor. EWMG-Chef Schückhaus bezweifelt unter anderem die Wirtschaftlichkeit des Stoffelsma-Vorschlags. In dem nur mit Hilfe von Landeszuschüssen zu stemmenden Rahmens von gut 13 Millionen Euro für das Projekt sei diese Idee nicht realisierbar. Zudem erfordere sie eine Änderung des Bebauungsplans, was das Projekt weiter verzögern würde. Die von der EWMG favorisierte Lösung brauche keine solche Änderung.

Welche Lösung schwebt der EWMG aktuell vor?

Anders als anfangs angedacht soll die Übernachtungsmöglichkeit für Mannschaften nun auf einem EWMG-eigenen Grundstück neben dem Finanzamt entstehen und auf der anderen Straßenseite eine Kaltlufthalle mit dem dritten Spielfeld. Übernachten würden die Spieler in einem Hotel, für das die EWMG einen Pächter suchen würde und für das der DHB eine bestimmte Anzahl von Übernachtungen garantieren müsste. Das lässt sich nach Ansicht des EWMG-Chefs im angepeilten Kostenrahmen verwirklichen. Die EWMG wäre mit drei Millionen dabei, das Land müsste sich beteiligen, eine Förderzusage gebe es aber von dort noch nicht. Über diese Konzeption habe die EWMG mit dem DHB „seit Ende letzten Jahres ausführlich gesprochen“, sagt Schückhaus, „das haben wir einvernehmlich gemeinsam entwickelt.“

Was passierte beim DHB?

Nach verbandsinternen Querelen wurde Ende Mai 2019 ein neues DHB-Präsidium gewählt. Das lud für den 5. Juni die sportpolitischen Sprecher der Mönchengladbacher Parteien und den Vorsitzenden des Sportausschuss des Rates, Frank Boss, zur Gesprächsrunde über das Trainingszentrum ein. Dafür, so Stoffelsma, sei auch ein Flyer gedacht gewesen, der sein Konzept vorstellte und auf dem Carola Meyer, die neue Präsidentin des Hockey-Bundes um Unterstützung dieses „wunderbaren“ Projektes warb. Der Flyer lag am Donnerstagmittag auch bei einer Pressekonferenz der Mönchengladbacher Grünen aus, bei der Stoffelsma seinen Vorschlag präsentierte. Den Flyer zu verteilen, sei nicht abgesprochen gewesen, sagt die DHB-Präsidentin. Sie ärgere sich, dass sie ihre Unterschrift dafür gegeben habe. Nach der Gesprächsrunde am 5. Juni kam der DHB laut Schreyer zu dem Ergebnis, dass der Verband nicht Stoffelsmas Vorschlag, sondern den EWMG-Vorstellungen folgen wolle. 

Was kritisieren die Grünen?

Mangelnde Transparenz. „Die Stadt hat mit der EWMG alles betrieben, ohne die Politik zu beteiligen“, sagt Ratsherr Karl Sasserath. Stoffelsmas Vorschlag sei nie in den politischen Gremien vorgestellt worden. Es sei aber eine Diskussion darüber nötig, in welche der beiden Ideen öffentliche Gelder besser investiert seien. Bernd Meisterling-Riecks, Sportpolitiker der Grünen, sagt: Sportdezernent Gert Fischer habe im Sportausschuss berichtet, dass es Gespräche mit DHB und Land gebe. Tenor: Das sei alles noch nicht spruchreif, zu gegebener Zeit werde er auf die Politik zukommen. Die Grünen finden: Die Probleme, die der Stoffelsma-Vorschlag angeblich enthalte, seien aufgebauscht worden, um den DHB unter Druck zu setzen.

Was sagt der
Sportausschuss-Vorsitzende?

Der Dezernent habe im Sportausschuss von Gesprächen mit DHB und anderen berichtet, so Vorsitzender Frank Boss (CDU). Da es aber noch keine Förderzusage des Landes gebe, hätten noch keine konkreten Baupläne präsentiert werden können. Komme eine Zusage des Landes, gehe er davon aus, dass konkrete Pläne in die politischen Gremien kämen. Mit dem Stoffelsma-Vorschlag rechnet er dort nicht. Da der DHB diesen nicht mehr verfolge, sehe er keine Notwendigkeit, ihn zu sichten. Auch Dezernent Fischer will mit dem Projekt „Nationales Trainingszentrum“ in den Rat, am liebsten vor der Sommerpause.

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