Ticket per Smartphone Digitaler Parkschein setzt sich kaum durch

Mönchengladbach. · Seit zehn Jahren gibt es Handyparken in der Stadt, seit 2015 auch Smartphone-Apps. Doch bisher werden in Mönchengladbach nur bis zu fünf Prozent der Parkscheine über diese Wege bezahlt.

Mönchengladbach: So funktioniert der digitale Parkschein
Foto: grafik

Es ist bald 20 Jahre her, dass in Mönchengladbach die letzten Parkuhren abgebaut und an Liebhaber verkauft wurden. Seitdem bezahlen Autofahrer ihr Parkticket an Automaten. Schon seit zehn Jahren können Autofahrer den Parkplatz auch via Handy und seit vier Jahren auch über Smartphone-Apps bezahlen. Doch diese Möglichkeit nutzt nur ein Bruchteil der Autofahrer. Rund vier bis fünf Prozent der Einnahmen aus der Parkgebühr stamme aus solchen Apps und aus dem Handyparken, das es schon seit 2009 gibt, sagt Ralf Klöpper, Abteilungsleiter Verkehrs- und Komunikationstechnik bei der Stadt. „Aber die Tendenz ist steigend, seitdem freie Dienste keine Registrierung mehr verlangen.“ Insgesamt veranschlagt die Stadt die Einnahmen aus Parkgebühren (neben anderer kleinerer Posten) bei insgesamt mehr als zehn Millionen Euro im Jahr.

Nach Angaben des zentralen Portals smartparking.de bieten derzeit sechs Dienstleister an, den Parkschein in Mönchengladbach auch über ihre App bezahlen zu können. Nach Angaben der Stadt werden in Kürze wohl zwei weitere Anbieter dazu kommen. Die T-Systems International AG und die Gesellschaft Stadtraum hätten gerade entsprechende Verträge mit der Stadt geschlossen und könnten demnach bald starten mit ihrem Angebot.

Die Bezahlung des Parkplatzes per Smartphone kostet allerdings auch etwas: Zusätzlich zur von der Stadt festgelegten Parkgebühr, die in voller Höhe auch ans Rathaus weitergegeben wird, verlangen die Betreiber der Apps unterschiedliche Gebühren. Die unterscheiden sich nicht nur unter den Anbietern erheblich voneinander, sondern auch je nach Abo-Modell und Tarifsystem innerhalb eines Anbieters. Im Grunde liegt der Aufschlag in den gängigen Basistarifen bei zwischen zehn und 15 Prozent der Parkgebühr, bei anderen Anbietern gibt es auch Festpreise.

Smartphone-Parkscheine lassen sich nicht mehr weitergeben

Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass das Parken dadurch teurer wird: Denn abgerechnet wird nahezu minutengenau. Wer also eigentlich nur 40 Minuten parkt, dafür aber einen Parkschein über eine Stunde ziehen und damit auch bezahlen müsste, kann unter Umständen mit elektronischem Parkschein trotz der Zusatzgebühr für den Anbieter günstiger davon kommen. Der beliebte aber eigentlich nicht legale Kniff, einen noch gültigen Parkschein an den nächsten Autofahrer weiter zu reichen, ist dann natürlich nicht mehr möglich. Theoretisch ist es mit dem Smartphone-Parkschein auch möglich, die Parkzeit zu verlängern, ohne überhaupt am Auto gewesen zu sein. Dadurch riskiert man allerdings, die zugelassene Höchstparkdauer zu überschreiten und dann dafür ein Knöllchen zu kassieren.

Für die Mitarbeiter des Ordnungsamtes ist die Kontrolle von elektronischen Parkscheinen kein großes Problem. „Der Zugriff funktioniert gut“, sagt Klöpper. Die Ordnungshüter haben demnach per iPhone, mit dem sie von der Stadt ausgestattet wurden und mit dem sie auch Parksünder notieren und fotografieren, Zugriff auf die Daten der App-Anbieter und können Kennzeichen überprüfen von Autos, die keinen herkömmlichen Parkschein oder Anwohnerparkausweis hinter der Windschutzscheibe liegen haben. Die Systeme zeigen dann an, ob für das Auto die Standzeit bezahlt worden ist. „Die Kontrolle ist sehr einfach möglich“, sagt Klöpper. Das ergab auch ein Test unserer Redaktion am Parkplatz am Geroplatz im vergangenen Dezember.

Die App-Anbieter arbeiten in vielen Städten Deutschlands und manchmal sogar in Europa. Wer viel mit dem Auto unterwegs ist, für den könnten sich deshalb auch Abo-Modelle lohnen. In manchen Städten verlangen die Verwaltungen von Autos mit elektronischem Parkscheinen einen Hinweis hinter der Windschutzscheibe. Etwa einen Zettel mit der Notiz und eine Vignette vom Anbieter. Manche App-Betreiber behaupten das auch für Mönchengladbach, dem widerspricht Klöpper allerdings: „Es ist keine Vignette oder Plakette mehr nötig.“

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