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Mönchengladbach: Schülerlotse Horst Höhnke geht mit 89 Jahren in Ruhestand

Will-Sommer-Grundschule Mönchengladbach : Schülerlotse (89) geht in Ruhestand

25 Jahre stand Horst Höhnke als Lotse regelmäßig an der Will-Sommer-Schule – immer mit einem Lächeln im Gesicht.

Tulpen, herzliche Umarmungen und eine goldene Kelle gab es für Horst Höhnke bei seiner letzten Schicht als Schülerlotse an der Will-Sommer-Grundschule. Zum Abschied zeigten Schüler, Kollegen und Schulleitung ihre Dankbarkeit und begleiteten ihn an seinem letzten Tag. Stolze 25 Jahre lang war er Schülerlotse und ist somit bei Schülern, Lehrern und Eltern bekannt. Ein paar Tage vor seinem 90. Geburtstag beendete er nun seinen Dienst.

Seine fast 90 Jahre merkt man Horst Höhnke kaum an. Mit einem lebhaften Lächeln beginnt er seine letzte Schicht und wirkt topfit. Auch die Wetterbedingungen mit Schnee und Glatteis an diesem Tag können ihm nichts anhaben. Während einige Kinder auf dem glatten Boden unsicher rutschen oder sogar hinfallen, zeigt er sich unbeeindruckt von der Glätte und hält sich wacker auf den Beinen.

Auf seine alte Signalweste
lässt der Lotse nichts kommen

Mit einer beigen Kappe und dicken Handschuhen hat sich Höhnke gegen die Kälte gewappnet. Dazu trägt er eine etwas abgenutzte, orangefarbene Schülerlotsen-Weste. Auffällig, denn seine Kollegen tragen alle neue, neongelbe Westen. Doch Horst Höhnke kann mit den neuen Westen nicht viel anfangen und trägt viel lieber seine altbewährte Weste, die er schon seit den 1990er Jahren besitzt.

Heute hält er außerdem keine gewöhnliche Verkehrskelle in der Hand. Zur Feier des Tages überreichen ihm die Polizisten eine glänzend goldene Kelle, die ihn perfekt ausrüstet, um die vielen Autos zu stoppen und die zahlreichen Schulkinder über die Straße zu leiten. Brav warten sie alle auf dem Bürgersteig, bis der 89-Jährige mit seiner goldenen Kelle auf die Straße tritt und sämtliche Autos, Fahrräder und Busse für sie zum Stehen bringt.

Als Schülerlotse angefangen hat Höhnke, als sein Enkel in die Schule kam. Dieser ist mittlerweile 30 Jahre alt und somit erwachsen – so wie viele, denen Horst Höhnke einst als Kinder über die Straße half. „Das ist auch das Tolle daran. Nicht nur die Aufgabe an sich, sondern die vielen Kontakte und Freundschaften, die sich über mehrere Generationen ziehen“, erzählt er begeistert.

Auch viele Schüler des Gymnasiums neben der Grundschule kennen ihn noch aus ihrer Grundschulzeit. Einmal habe ihn ein 18-Jähriger begrüßt, der ihn von früher kannte. „,Heute ist ein guter Tag’, hat er damals gesagt, weil er es so toll fand, dass wir uns getroffen haben“, erinnert sich Horst Höhnke glücklich.

Die enge Bindung zu den Kindern und Mitarbeitern wird auch an diesem Tag schnell deutlich. Selbst die Schulleiterin ist zu seiner letzten Schicht gekommen. Im Gepäck hat sie einen Karton voller gelber und lilafarbener Tulpen. Diese verteilt sie an alle Kinder, die eintrudeln, damit sie sich bei Höhnke bedanken können. Dankbar überreichen sie ihrem ältesten Schülerlotsen dann die Blumen: „Danke, dass du unser Schülerlotse warst“, sagt ein kleiner Junge gerührt.

Auch von der Schulleiterin gibt es eine Packung Schokolade zum Abschied. Seine Schülerlotsen-Kollegen umarmen ihn sogar herzlich, als die Schicht sich dem Ende zuneigt. Eines ist sonnenklar: Höhnke ist bei allen hier sehr beliebt und wird vermisst werden.

Das Lächeln weicht nicht
vom Gesicht des Schülerlotsen

Er selbst scheint mit dem Abschied gut umgehen zu können. Während der gesamten Schicht trägt er ein fröhliches Lachen auf den Lippen. Ob nicht doch ein bisschen Wehmut mitschwingt nach so vielen Jahren? „Das Vermissen wird erst mit der Zeit kommen, wenn ich nicht mehr morgens hier herkomme. Am meisten werde ich das nette Lächeln der Kinder vermissen“, erzählt er. Er habe die Kleinen oft aufgemuntert, wenn sie schlechte Laune hatten: „Du darfst erst rübergehen, wenn du lachst, habe ich dann zu ihnen gesagt“, berichtet er, und lacht selbst dabei.

Insgesamt zieht Horst Höhnke ein sehr positives Fazit seiner Zeit als Schülerlotse. Heutzutage gebe es viel zu wenige Leute, die diesen Job machen würden. Dafür habe er kein Verständnis: „Ich kann das wirklich sehr empfehlen. Bei Berufstätigen kann ich verstehen, dass sie keine Zeit haben. Aber es sollten viel mehr Menschen, die in Pension sind, Schülerlotsen werden“, appelliert er.