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Mönchengladbach-Rheydt: City Hotel soll verkauft werden, am Bahnhof wird geplant

Pläne für Mönchengladbach-Rheydt : Marodes Hotel sucht Investor

Die Stadt will eine Immobilie in Rheydt verkaufen. Die Crux: Das City-Hotel muss abgerissen werden.

Die ersten Sätze klingen nach einem Schnäppchen: „Das Verkaufsobjekt befindet sich in einer zentralen Lage von Mönchengladbach-Rheydt. Das Zentrum von Rheydt mit allen Schulformen, umfangreichen Einkaufsmöglichkeiten, Verwaltungsstelle und vielfältige Sozialeinrichtungen (Altenheim, Kindergärten, Kirche und Ärzte) liegt in etwa 800 Meter Luftlinie Entfernung.“ So beschreibt die städtische Entwicklungsgesellschaft EWMG eine Immobilie im Herzen von Rheydt, die sie gerne an den Mann bringen würde. Der Pferdefuß folgt in der Objektbeschreibung unter der Überschrift „Sonstiges“: „Es besteht eine Abbruchpflicht des Gebäudes. Die Kosten des Abbruchs trägt der Käufer.“

Das wundert kaum einen, der weiß, dass mit Objekt Nummer 24236 das ehemalige City Hotel in der Langensgasse gemeint ist. Seit 15 Jahren steht das Gebäude leer – und rottet inzwischen immer stärker vor sich hin. Türen und manche Fenster sind mit Spanplatten verrammelt, die Eingänge mit Graffiti besprüht, Schilder über den Eingängen und Fensterrahmen sind verwildert. An einigen Stellen erobert sich die Natur in Form Gesträuch ihren Raum zurück. Mag im Immobilien-Exposé der EWMG auch zu lesen sein „reserviert“ – mit einer raschen Änderung der Lage dürfte nicht zu rechnen sein.

„Reserviert heißt nicht verkauft“, sagt denn auch gleich EWMG-Chef Ulrich Schückhaus. Es gebe zwar Interessenten und mit denen würden auch Gespräche geführt. „Aber das hat es in der Vergangenheit auch schon gegeben, und dann sind die Interessenten abgesprungen. Daher bin ich ein gebranntes Kind und vorsichtig mit Prognosen“, sagt Schückhaus.

Auch ohne Besichtigung des Objekts erschließt sich aus dem Exposé, warum das Interesse an dem Objekt bislang mehr als verhalten war. Der Komplex Langensgasse 2–8 entstand in den Jahren 1911 und 1927. Im Zweiten Weltkrieg wurde er schwer beschädigt. 1949 und von 1952 bis 1962 wurde er teils wiederaufgebaut teils instandgesetzt. „Die Immobilie ist in einem derart schlechten baulichen Zustand, dass die Instandsetzung und Sanierung des Objektes nicht sinnvoll und vor allem betriebswirtschaftlich nicht zu vertreten ist“, heißt es im Exposé. Grund, alle Hoffnung fahren zu lassen, sieht Schückhaus dennoch nicht. „Im Moment gibt es einen Druck, Geld anzulegen. Da haben dann auch solche Objekte eine Chance. Und die Immobilienpreise in Mönchengladbach sind noch relativ moderat“, meint der EWMG-Chef. „Irgendwann wird auch das Objekt an der Reihe sein.“

Was die künftige Nutzung des Areals angeht, gibt sich Schückhaus offen. Klar sei: „Rotlicht geht nicht.“ Aber von allgemein als problematisch angesehenen Nutzungen abgesehen: Auch das Exposé setzt keine engen Grenzen und sagt lediglich: „Für die Neubebauung und deren zukünftige Nutzungen sollte vom Käufer ein mit der Stadt Mönchengladbach abgestimmtes, tragfähiges und ansprechendes Planungskonzept erarbeitet werden.“

Konkreter sind da schon die Pläne der städtischen Entwicklungsgesellschaft, für ein weiteres Problem-Objekt in unmittelbarer Nähe: das Rheydter Bahnhofsgebäude. Auch dieses seit Jahren vor sich hin rottende Gebäude gehört inzwischen der EWMG. Doch in diesem Fall ist schon mal etwas klarer, was an dieser Stelle einmal entstehen soll. Ein Baustein der der künftigen Nutzung: Die derzeit gegenüber dem Bahnhof beheimatete Polizei soll noch gleisnäher stationiert werden. Darüber laufen Gespräche zwischen EWMG und Polizei, die ihrer speziellen Bedürfnisse wegen besondere Anforderungen an eine neue Bleibe stellt, etwa hinsichtlich der Lage von Waffenkammer oder Räumen für Festgenommene. „Ich hoffe, dass wir das in den nächsten zwei bis drei Monaten klar bekommen“, sagt Schückhaus. Wenn die Konzeption stehe, solle es einen Architektenwettbewerb geben.

Die Rheydter CDU und ihre Koalitionspartner von der SPD pochen weiter darauf, dass auch das Umfeld des Bahnhofs neu gestaltet wird. Dazu gehören eine behinderten- und fahrradgerechte Unterführung der Gleise im Südtunnel, ein Umbau der Mittelstraße zwischen Tippweg und Dahlener Straße und eine „angstraumfreie“ Umgestaltung der Grünverbindung Goetersstraße – Schmölderpark. Die Bezirksvertretung Süd erteilte der Stadtverwaltung jetzt den Auftrag, dafür ein Konzept vorzulegen.

Die rund 400 000 Euro, die für solche Maßnahmen im Projekt „Soziale Stadt Rheydt“ vorgesehen sind, werden dafür jedoch wohl nicht nutzbar sein. Die Maßnahmen im Umfeld müssen zu einem neuen Bahnhof passen. Da es für den aber noch keine Baupläne gibt, will die Stadt keine „Soziale-Stadt“-Fördermittel fürs Umfeld nutzen – damit sie nicht womöglich einmal Zuschüsse zurückzahlen müsste, wenn sich realisierte Maßnahmen fürs Umfeld als nicht kompatibel mit den Bahnhofsplänen und veränderungsbedürftig erweisen würden. Die Stadt müsse daher nach anderen Finanzierungsmöglichkeiten für das geforderte Konzept suchen, sagt Joachim Roeske, Vorsitzender des CDU-Stadtbezirksverbands Süd.