Mönchengladbach: Neuer Anlauf für die gelbe Tonne

Entscheidung Ende des Jahres : Chaos beim Müll: Kommt jetzt doch noch die gelbe Tonne?

Die Groko bringt jetzt die Einführung der Tonne ins Spiel – und die hat in Gladbach Fans.

Seit 17 Jahren kämpft der Verein „Clean up“ für die gelbe Tonne in Mönchengladbach. Etliche Versuche, die transparenten Säcke für Leichtverpackungen aus dem Stadtgebiet zu verdammen und dafür Tonnen anzuschaffen, sind bisher gescheitert. Jetzt könnte es klappen. Die Groko plant einen neuen Vorstoß. Und es gibt es Gesetzesänderung, die eine Ablösung der Säcke durch Tonnen erleichtert.

Eugen Viehof, Vorsitzender von „Clean up MG“ ist hocherfreut über den neuen Vorstoß: „Seit wir uns gegründet haben, machen wir uns für die gelbe Tonne stark. Das ist ein lang gehegter Wunsch von uns“, sagt er. Wie Viehof hat sich auch Fred Hendricks, stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender, schon häufig über aufgerissene gelbe Säcke im Stadtgebiet und herum fliegenden Müll geärgert. „Da, wo 20 bis 40 gelbe Säcke auf einen Haufen gelagert werden, tummeln sich auch mal Ratten, weil ja nicht jeder alle Leichtverpackungen für Lebensmittel gründlich ausspült“, sagt er.

Seit der Nivellierung des Verpackungsgesetzes haben Kommunen eine andere rechtliche Grundlage. „Sie dürfen dem Entsorger jetzt vorschreiben, welches System sie haben möchten“, sagt SPD-Chef Felix Heinrichs. Früher habe es nur ein Vorschlagsrecht gegeben, „aber das war nicht verbindlich“. Noch sei nichts entschieden, betont Heinrichs. Bis zum Ende des Jahres soll ausgelotet werden, welches System das beste ist. Eine Möglichkeit kommt nach Informationen der Groko aber wohl nicht infrage: Eine Kombination aus Säcken und Tonnen. Denn auch dies war überlegt worden: Wer eine Tonne möchte, bekommt eine, wer aus Platzmangel gelbe Säcke präferiert, kann auch diese nutzen. „Aber das wäre technisch nicht möglich, wurde uns gesagt“, erklärt Heinrichs.

Gerade die Wahlmöglichkeit fordern aber die Grünen, auch wenn Fraktionschef Karl Sasserath die Variante „gelber Sack“ ganz schlecht findet. Auch er hat die Vermüllung der Straßen durch zerrissene Säcke bei Sturm schon häufig gesehen. „Der Tonnenwald will aber untergebracht sein. Schon jetzt haben viele nach der Einführung der Großtonnen einen Teil ihres Gartens abgetrennt oder zu plattierten Abstellflächen umfunktioniert.“

Hendricks und Heinrichs kennen das Platzproblem, das auch schon bei der Einführung der großen Restmülltonne von vielen Bürgern als Kritikpunkt angeführt wurde. Doch sie glauben, dass es Lösungen gibt. Außerdem sollen Vor- und Nachteile abgewogen werden. „Mit einer gelben Tonne würde die Neubeschaffung der gelben Säcke wegfallen“, sagt Heinrichs.

Die Rohstoffmanagement GmbH (RMG), die derzeit gelben Säcke in Mönchengladbach abholt, schließt nicht aus, sich im Falle einer Entscheidung hin zur gelben Tonne weiterhin um die Entsorgung in der Stadt kümmern zu wollen. „Eine Umstellung auf ein alternatives Erfassungssystem kann theoretisch im Rahmen einer neuen Ausschreibung erfolgen“, sagte eine Sprecherin unserer Redaktion. Welche Unterschiede eine Umstellung hinsichtlich der Kosten für den externen Dienstleister mit Sitz im hessischen Eltville am Rhein bedeuten würde, wollte das Unternehmen aber nicht verraten. Ob es nun für die RMG preisgünstiger ist, die gelben Tonnen einmal im Monat oder eher alle gelben Säcke alle 14 Tage zu entsorgen, könne zwar ermittelt werden. Doch solche Informationen würden laut der Sprecherin „aus betrieblichen und wettbewerbstechnischen Gründen unter unser Betriebs-/ Geschäftsgeheimnis fallen“.

Entschieden werden in der Frage „Tonne oder Sack?“ soll in der letzten Ratssitzung des Jahres, wie Hendricks sagt. Auf jeden Fall soll auch die gelbe Tonne für die Bürger kostenlos sein – wie die gelben Säcke. Eine Umstellung auf Tonnen würde laut Hendricks frühestens zum 1. Januar 2021 geschehen.

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