Mönchengladbach: Neubau einer Stadtbibliothek für 18 Millionen Euro

Mönchengladbach : Mönchengladbachs Bibliothek der Zukunft

Der Siegerentwurf des Architekten-Wettbewerbs erhält die denkmalgeschützte Substanz.

Er hat die Bibliothek in seiner Heimatstadt Augsburg geplant. Das Kulturforum in Hanau hat er entworfen. Und für die Zentralbibliothek in Düsseldorf hat sein Büro den Zuschlag erhalten. Wenn es um Bücherei-Bauten und -Umbauten geht, macht Stefan Schrammel so leicht niemand was vor. Der promovierte Architekt hat in seiner Vita Projekte stehen, die Fachleute mit der Zunge schnalzen lassen. Jetzt ist er in Mönchengladbach angekommen: Der Augsburger plant den Umbau des Carl-Brandts-Hauses an der Blücherstraße, und wer ihn auf das Großprojekt anspricht, blickt in leuchtende Augen. „Das hier“, sagt er, „ist ein wunderbares Gebäude, aus dem man so viel machen kann.“

Die große Platane vor der Bücherei soll erhalten bleiben

Das sind keine mal eben so dahingesagte Worte, die Engagement heucheln. Wer Schrammel zuhört, wie er seine Pläne erläutert, mit denen er sich gegen 58 Bewerber durchgesetzt hat, spürt sofort: Da brennt jemand für ein Projekt, das nicht nur die Zentralbibliothek enorm aufwerten wird, sondern auch stilbildend wirken kann. In diesem Ratszug werden die Pläne vorgestellt, Baubeginn soll Juni 2020 sein. Spätestens Juli 2022 müssen die Handwerker wieder abziehen – weil dann das Projekt abgerechnet werden muss, da die Stadt viel Fördergeld bekommt. Und das ist nötig. Alleine für Umbau und Sanierung der Zentralbibliothek Blücherstraße fallen rund zwölf Millionen Euro an. Das Gesamtprojekt – mit Außenarbeiten, Brandschutz und der temporären Verlagerung der Bücherei während des Umbaus – ist mit 18 Millionen Euro kalkuliert. Bis zu 90 Prozent Zuschüsse von EU, Bund und Land sind möglich. Den Rest muss die Stadt beisteuern. „Das haben wir im Doppelhaushalt berücksichtigt“, betont Planungsdezernent Gregor Bonin.

Für Architekt Schrammel stand bei seiner Entwurfsplanung von Anfang fest: Das denkmalgeschützte Gebäude darf in seiner Substanz keinesfalls angegriffen werden. Ganz im Gegenteil: Sein Siegerentwurf sieht vor, dass die Aluminium-Verkleidung des Magazinturms entfernt wird. Ältere Gladbacher werden sich vermutlich noch erinnern: Dahinter sind Fliesen.

Und die sollen wieder weithin sichtbar den Bücherturm betonen, in dem sich die Bibliotheken der Franziskaner und des Volksvereins für das Katholische Deutschland befinden. Sogar die große Platane vor der Bücherei muss nach Schrammels Willen unbedingt erhalten bleiben: Er hat sich extra einen finnischen Freiraumplaner mit ins Boot geholt, damit das Denkmal und die Natur drumherum miteinander in Einklang bleiben. Auch ein Lichtplaner ist im Team des Augsburgers.

Und was ist nun völlig neu an seinen Plänen? Immerhin wird die für Besucher zugängliche Fläche von jetzt rund 1500 Quadratmeter nahezu verdoppelt. Ein Erweiterungsteil entsteht, weil die Verwaltung der Zentralbibliothek in ein anderes Gebäude zieht. Schrammel sieht jedoch auch bauliche Erweiterungen vor. Das zur Blücherstraße liegende Untergeschoss wird zum einen weiter nach vorne gezogen – das erfolgt unterirdisch. Oberirdisch hat der Planer Ausbaupotenzial im Bereich des Innenhofs entdeckt, der seltenst benutzt wird. Dieses Atrium wird überbaut. Und zwar zweistöckig mit Galerie.

Hier wird nach der Fertigstellung das Herz der Zentralbibliothek pulsieren, weil sternförmig alle Bereiche zugänglich sind: die Kinderabteilung, die in der jetzigen Sachbuchabteilung untergebracht wird. Das Café, das sich zur Blücherstraße hin öffnet. Die jetzige Romanabteilung mit einer Terrasse, auf der man im Freien sitzen kann.

Noch etwas ändert sich grundlegend. Kulturdezernent Gert Fischer spricht in diesem Zusammenhang gerne von der „Zentralbibliothek der Zukunft“. Und die Bücherei hat dann Zukunft, wenn sie zum Treffpunkt wird – für Veranstaltungen, für Lernende, für Nachbarn. Das macht eine Bücherei nachhaltig modern.