Mönchengladbach: Naturspielplatz im Stadtwald Rheydt eröffnet

Hightech-Anlage in Mönchengladbach : High-Tech-Spielplatz in Pongs eröffnet

Erst- und Zweitklässler dürften gestern den neuen Naturspielplatz im Rheydter Stadtwald testen.

Lion zerrte an einem Ast. Der Achtjährige wollte ein Indianer-Tipi aus Zweigen bauen. Doch die Natur kann widerspenstig sein. Jedenfalls hatte Lion alle Mühe, den Zweig aus dem Holzwall herauszuziehen, der den neuen Naturspielplatz im Rheydter Stadtwald an einem Ende zum Forst hin abgrenzt. Aber Leon musste sich auch nicht alleine abmühen beim Tipi-Bau. Er gehörte zu den 45 Erst- und Zweitklässlern der Grundschule Günhoven/Holt, die am gestrigen Dienstag den Spielplatz bei der Eröffnung als Erste testen durften. Einige von ihnen haben bereits beim Planen geholfen. Denn das Konzept für diesen ungewöhnlichen Spielplatz hat die Stadttochter Mags gemeinsam mit Kindern, Eltern, Jugendamt und Wissenschaftlern der Hochschule Niederrhein entwickelt. Auch wenn der mit so gut wie keinem gängigen Spielgerät ausgestattete Platz die Phantasie der Kinder herausfordert – zumindest Testerin Alisa gefällt er. „Das ist der beste Spielplatz, den ich je gesehen habe“, findet die Achtjährige.

Gut 150 000 Euro hat es gekostet, die Fläche zu schaffen  – und dabei uraltes Matsch-Vergnügen mit High-Tech unter einen Hut zu bekommen. Grundidee ist, das Areal möglichst naturnah zu gestalten. Folglich ist das Labyrinth aus 300 Sträuchern in seiner Frühphase noch ein übersichtliches Terrain mit kniehohen Pflanzenbüscheln. Aber Anike Zilske, bei der Mags fürs Anlegen des Platzes verantwortlich, ist zuversichtlich, dass das Labyrinth schon sprießen wird.

Die Matsch-Fläche ist mangels Regens noch eine Trockenzone

Und die Matsch-Fläche ist mangels ordentlichen Regens noch eine Trockenzone. Aber auch das soll sich bei passender Witterung ändern. Und ohnehin: „Das soll hier keine Konkurrenz zum Wasserspielplatz sein“, sagt Zilske mit Blick auf das Spielgelände am Rheydter Müllberg. Was das Areal aber sein soll: ein Platz, auf dem mit Hilfe von Steinen, Kiespfaden, Sand und Baumstämmen eigene Spielideen entwickelt werden sollen – und auf dem es etwas zu entdecken gibt. Zum Beispiel steinerne Dinosaurierknochen im Sand. Für Nicolas Beucker und Hans-Günther Hirsch ist das etwa 4000 Quadratmeter große Gelände auch ein Experimentierfeld. Die beiden Professoren der Hochschule Niederrhein aus den Fachbereichen Design und Elektrotechnik-Informatik sind seit etwa einem Jahr mit im Boot. Designer Beucker arbeitet an der Gestaltung öffentlicher Räume, Hirsch an einem Sensor-System, das in den nächsten Wochen auf drei Masten am Spielplatzrand installiert werden soll. Die Sensoren liefern Bilder und sollen zeigen, in welchen Bereichen des Platzes sich Personen aufhalten, wie sie sich bewegen, wie lange sie sich dort aufhalten. Alles das soll Aufschluss geben, wie der Spielplatz genutzt wird.  „Wir können dann anhand dieser Erkenntnisse den Platz umgestalten, wenn wir sehen sollten, dass bestimmte Bereiche nicht so gut angenommen werden“, sagt Zilske.

Für Professor Hirsch ist das mit Landesmitteln und Zuschüssen der Europäischen Union geförderte Projekt ein Feld, die recht neue Technologie des „Dynamic Vision Sensors“ auszuprobieren. „Die wird vielleicht einmal in Autos beim autonomen Fahren zum Erkennen von Objekten genutzt werden“, sagt Hirsch. Die Bilder, welche die Sensoren liefern, zeigen freilich nur die Umrisse einer Person. Bewegte Sequenzen muten an wie die Produkte einer Wärmebildkamera vor dem Hintergrund eines schwarz-rot-grünen Schneesturms. In einem weiteren Schritt würden die Wissenschaftler auch gerne die akustische Atmosphäre einfangen. Um so beispielsweise herauszufinden, ob und wo die Nutzer des Platzes beim Spiel lachen, weinen oder kreischen.

Ganz unwissenschaftlicher Eindruck am gestrigen Testtag: Tipi-Bauen und auf den etwa zwei Meter hohen Felsen herumklettern kommen besonders gut an. Ebenfalls ein bewegender Hit: eine Landschaft aus Bodenwellen. Von den Hügeln kann man  nicht nur prima herunterspringen. Lion und einige andere Jungs hatten gleich den Bogen raus: hinlegen und runterkullern. Macht das Spaß? „Jaaa!“ Dumme Frage.

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