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Mönchengladbach: Mönchengladbachs Abteiberg ist Bodendenkmal

Mönchengladbachs Keimzelle : Der Abteiberg ist jetzt ein Denkmal

Wie die Gladbacher im Mittelalter lebten, können Relikte im Boden rund um den Abteiberg zeigen.

Auf der Suche nach einem verliebten Spanier könnte man im Boden nahe der Citykirche fündig werden. Denn dort befand sich im Mittelalter und in der frühen Neuzeit ein Friedhof, und auf dem dürften Archäologen auch die Gebeine von Spaniern finden, die im frühen 17. Jahrhundert während des Dreißigjährigen Kriegs nach Gladbach kamen und für einige Jahre blieben. „Nicht wenige heirateten Gladbacher Frauen“, so Wolfgang Löhr. Der ehemalige Leiter des Mönchengladbacher Stadtarchivs hält es daher auch für gut möglich, auf Überreste von Spanier-Gräbern zu stoßen, würde im Umfeld der heutigen Citykirche gegraben.

Damit Archäologen auch künftiger Generationen zu solchen Erkundungen noch Gelegenheit haben, hat die Stadt per Verfügung den Bereich zwischen Geroweiher, Aachener Straße und Viersener Straße zum Bodendenkmal erklärt. Und das bedeutet: Erdarbeiten sind dort nur mit Genehmigung der Unteren Denkmalbehörde erlaubt.

Ein überfälliger Schritt angesichts der Bedeutung dieses Gebiets, das immerhin Münster, Abtei, den Alten Markt und den Kapuzinerplatz beherbergt? Löhr nickt. „Der Abteiberg ist die Urzelle Mönchengladbachs. Dort haben sich 974 Mönche angesiedelt und ein Kloster errichtet.“ Doch es sind nicht allein verliebte Spanier, die einen professionellen Historiker interessieren und den Untergrund des Gebiets so bedeutsam machen. Das Bodendenkmal Abteiberg umfasst die mittelalterliche Stadt inklusive ihrer Befestigungsmauern. Was dort im Boden schlummert, kann Zeugnis von den Lebensgewohnheiten früherer Gladbacher und der Arbeits- und Produktionsverhältnisse anno dazumal ablegen.

Siedlung erstreckte sich im Mittelalter unterhalb des Hügels

Überreste einer Römersiedlung wurden in Mülfort nahe der Niers gefunden. Hinweise auf Ähnliches gibt es am Abteiberg nicht. Auch bis in die Zeit der Karolinger war dort offenbar nicht viel los. Eine erste Siedlung gab es wohl erst um das Jahr 900. Darauf deuten nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte Grabungen hin und der Fund einer Silbermünze aus dieser Zeit.

Die Mönche ließen sich 974 also nicht in einer menschenleeren Gegend nieder, sondern neben einigen Ur-Gladbachern. Schließlich sind zumindest in späteren Zeiten Handwerker, Bäcker und Brauer nützliche Nachbarn gewesen. Die Siedlung erstreckte sich im Mittelalter unterhalb des Hügels in einem trockengelegten Sumpfgelände bis zu einer Linie nahe des heutigen Geroweihers. Davon könnten bei Grabungen noch Überreste zu finden sein.

Auch auf dem Hügel haben Befunde bei Bauarbeiten im Bereich der Hindenburgstraße ergeben, dass etwa ein bis drei Meter unter der Erdoberfläche Überreste früherer Gebäude erhalten sind. Einzelne Gewölbekeller und Brunnen reichten noch tiefer, schreiben die Experten in ihrer Begründung für die Einstufung als Denkmal. Und: „Im Boden sind neben Resten der Wohn- und Klosterbebauung und der handwerklichen Betriebe Befunde zur Wasserver- und entsorgung, Abfallgruben, Gräber, Straßenzüge und weiteres erhalten.“

Die bisherigen Entdeckungen lassen erwarten, dass noch wesentlich mehr im Verborgenen liegen könnte: Zeugnisse, die bei Grabungen auch in fernerer Zukunft und dann vielleicht mit neuen archäologischen Methoden erforschbar bleiben sollen.