Mönchengladbach: Mit der Fahrradstaffel der Polizei unterwegs

Mönchengladbach : Was Fahrrad-Polizisten erleben

Regelmäßig sind Jörg Funken und Andreas Münnich auf Rad- und Gehwegen im Einsatz.

Diese beiden Radfahrer erregen Aufmerksamkeit. Sie tragen gut sichtbare gelbe Westen mit der Aufschrift Polizei, gelbe Helme, sind mit Funkgeräten ausgerüstet und auf Pedelecs in der Mönchengladbacher Innenstadt unterwegs. Ihr Auftrag: Regelverstöße von Radfahrern und Fußgängern zu ahnden. Aber auch bei auf dem Radweg parkenden Autos greifen sie ein. Seit 2013 schwingen sich in Mönchengladbach Polizisten aufs Rad. Mehrmals in der Woche sind sie in den beiden Innenstädten von Mönchengladbach und Rheydt unterwegs, aber auch Wickrath, Rheindahlen und Giesenkirchen werden auf zwei Rädern angefahren. An diesem Freitagvormittag begleiten wir Jörg Funken und Andreas Münnich bei ihrem Einsatz.

In der Gladbacher Innenstadt werden die beiden Fahrradpolizisten häufig an der Bismarckstraße aktiv. „Hier fahren viele Radfahrer auf dem Gehweg“, sagt Andreas Münnich. „Oft sind es ältere Leute, denen das Fahren auf der Straße zu gefährlich ist.“ Leider ist das Fahren auf dem Gehweg aber nicht nur verboten, es gefährdet eben auch die Fußgänger. „Geschäftsinhaber bedanken sich bei uns für den Einsatz, weil ihre Kunden tatsächlich Angst haben, beim Verlassen des Geschäfts umgefahren zu werden“, erzählt der Polizeibeamte. Weniger begeistert sind die Radfahrer meist von der Verwarnung und dem damit verbundenen Verwarngeld: 10 Euro werden fällig für das Fahren auf dem Gehweg, stolze 20 Euro, wenn der Radweg in die falsche Richtung benutzt wird.

Das passiert immer wieder an der Rathenaustraße. „Geh- und Radweg sind hier ohnehin schmal“, erklärt Jörg Funken. „Wenn dann noch ein Radfahrer entgegenkommt, weicht der andere nach rechts auf den Gehweg aus, gefährdet die Fußgänger und auch sich selbst, denn es gibt hier viele Ausfahrten.“ An diesem Morgen sind auf der Rathenaustraße aber wenig Radfahrer unterwegs, dafür umso mehr am Berliner Platz. Und hier lassen sich jetzt alle Reaktionen erleben, die Radfahrer zeigen, wenn sie auf Regelverstöße hingewiesen werden.

Ein älterer Radfahrer benutzt den Radweg in die falsche Richtung. Auf der Höhe des Star-Wars-Museums halten ihn die Beamten an. Er habe gerade die Straßenseite wechseln wollen, erklärt er, äußert aber Verständnis für die Verwarnung. „Ich bin ja wirklich auf der falschen Seite gefahren“, sagt der begeisterte Radler. Auch der nächste Radfahrer ist einsichtig, wünscht sich aber holländische Verhältnisse auf deutschen Straßen inklusive gegenseitiger Rücksichtnahme.

Eine ältere Radfahrerin dagegen ist eher wütend. Mönchengladbach sei sowieso eine fahrradunfreundliche Stadt und außerdem: habe die Polizei nichts Besseres zu tun? Es gebe doch größere Probleme. Das ist eine Reaktion, auf die die Fahrradstreife häufig trifft. „Wir haben Regeln, und sie machen nur Sinn, wenn wir sie überprüfen“, sagt Funken. Die Bürger wünschen oft mehr Polizeipräsenz und das Durchsetzen von Regeln – aber nicht, wenn sie selbst davon betroffen sind. Jedenfalls nicht alle.

Die Fahrradstreife wird
zum Teil übel beschimpft

Als letzter wird an diesem Vormittag ein Mann angehalten, auf den am ehesten die Kategorie Kampfradler passt. Er fühlt sich als Radfahrer von der Polizei „gejagt“. „Aber die Autofahrer dürfen alles“, meint er erbost. Dennoch bleiben die Reaktionen im Bereich eines akzeptablen Umgangs miteinander. Das ist nicht immer so. Die Fahrradstreife wird zum Teil auch übel beschimpft. Die Fahrradpolizisten sind trotzdem gern auf dem Rad unterwegs. „Wir haben uns ja freiwillig dafür gemeldet“, sagt Münnich. Wenn möglich, wählen sie auch die freundlichere und für den Radfahrer günstigere Alternative und verwarnen wegen Fahrens auf dem Gehweg und nicht wegen des Benutzens eines Radwegs entgegen der Fahrtrichtung. Und sie versuchen auch, eine Verhaltensänderung durch Erklärungen zu bewirken. „Wer gegen die Regeln verstößt und dabei unverschuldet in einen Unfall verwickelt wird, kann von der Versicherung in Regress genommen werden“, erklärt Jörg
Funken.

Das heißt zum Beispiel, er muss einen Teil der Krankenhauskosten selbst tragen. Kein schöner Gedanke. Also das nächste Mal doch lieber auf die richtige Seite der Straße wechseln. Ansonsten wünschen sich die Polizisten vor allem eins: Weniger Egoismus und mehr gegenseitiges Verständnis auf Gladbachs Straßen.