Mönchengladbach: Kostenloser Fahr- und Begleitdienst für Blinde

Ab Montag in Mönchengladbach : Kostenloser Fahrdienst für Blinde

Bei Besuchen bei Behörden oder Ärzten bekommen blinde Menschen ab Montag Hilfe.

Ab Montag steht Ralf Helbing für seine Jungfernfahrt parat. Dann soll der neue Begleitservice für Blinde in Mönchengladbach, Krefeld, Erkelenz, Wegberg, den Kreisen Viersen und Neuss starten. Wenn Menschen ohne Augenlicht unter der Rufnummer 0160/92308792 zwei bis drei Tage vorher einen Termin vereinbaren, holt Helbing sie mit einem weiß-grünen Auto ab und begleitet sie zu wichtigen Besorgungen wie Ämter- oder Facharztbesuche, Vorstellungsgespräche, Anwaltstermine. Wenn gewünscht, hilft er auch beim Ausfüllen von Formularen.

Möglich macht das Angebot die Gemeinschaft Deutscher Blindenfreunde, ein seit 1860 bestehender Verein, der bereits zwölf solcher Fahrzeuge und Services in Deutschland betreibt. Eine Dienstleistung, die Peter Gabor, beratendes Mitglied im Sozialausschuss des Stadtrates, für sehr hilfreich hält. „Die Stadtverwaltung allein hat 25 Außenstellen, da ist es schon schwierig, von A nach B zu kommen. Wichtig ist auch die Begleitung, denn viele Amtsstuben sind noch nicht barrierefrei“, sagt Gabor, der selbst nicht sehen kann.

Das findet auch Rudolf Hansen vom Blinden und Sehbehindertenverein für Mönchengladbach und Viersen. „Vor allem die Begleitung ist gut.“ Der Dienst ist aber nur für wichtige Angelegenheiten gedacht. Als Taxibetrieb versteht er sich ausdrücklich nicht. Für Einkaufstouren, Ausflüge, Besuche bei Bekannten steht Fahrer Ralf Helbing nicht zur Verfügung. Auch Fahrten zu Veranstaltungen und Hausärzten sind ausgeschlossen.

Finanziert wird der Fahr- und Begleitdienst aus Spenden

Erfahrung für diese Aufgabe bringt Helbing mit: „Als Chauffeur habe ich gut drei Millionen Kilometer zurückgelegt. Mein Vater war die letzten zehn Jahre seines Lebens sehbehindert, damit kenne ich mich auch aus.“

Finanziert werde der Fahr- und Begleitdienst aus Spenden, sagt Thorsten Bräuer, Geschäftsführender Vorstand der Gemeinschaft Deutscher Blindenfreunde. Allein Unterhalt und Betrieb eines Fahrzeugs koste zwischen 12 000 und 15 000 Euro pro Jahr. „Da müssen wir immer eine Weile sparen, bis wir wieder in einer Region den Dienst anbieten können.“ Den ersten Service dieser Art setzte der Verein 2007 in Berlin in Marsch nachdem Bräuer bei einem Besuch im Rathaus Schöneberg auf der Suche nach der richtigen Amtsstube durchs Gebäude geirrt war. „Ich habe mich da gefragt, wie viel anstrengender das wohl noch für einen Blinden gewesen wäre“, erzählt er.

Zwischen 800 000 und einer Million Menschen, so Bräuer, müssen in einem Gebiet wohnen, damit der Verein einen Fahr- und Begleitdienst auf die Beine stellen kann. Dann aber wird der Wagen erfahrungsgemäß täglich genutzt. Unterwegs ist er montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr. Bisher ist das Blindenmobil in Berlin, Köln, Hannover, Hamburg, Stuttgart, Rhein-Main, Nürnberg/Fürth, Düsseldorf/Wuppertal und drei Mal im Ruhrgebiet unterwegs.

Andreas Ullmann, ehrenamtlicher Behindertenbeauftragter der Stadt Erkelenz, hätte es gerne gesehen, dass ein Dienst den gesamten Kreis Heinsberg abdecken würde. 2018 hat er nach eigenen Angaben die Gemeinschaft der Blindenfreunde darauf angesprochen. Doch er hat auch Verständnis dafür, dass der komplette Heinsberger Kreis zwar groß, aber auch in manchen Gegenden sehr dünn besiedelt ist. „Ich bin sehr froh, dass nun Erkelenz und Wegberg den Dienst bekommen.“

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