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Mönchengladbach: Impfstoff gegen das RS-Virus kommt

Krankheitswelle in Mönchengladbach : Impfstoff gegen das RS-Virus kommt

Täglich müssen 150 bis 200 junge Menschen die Kinderpraxen in der Stadt aufsuchen – doppelt so viele als üblich. Viele leiden an Infekten durch das RS-Virus. Kritisch ist dies für ganz kleine Kinder.

Eine Infektion mit dem RS-Virus (RSV, Respiratorisches Synzytial-Virus) ist eine aggressive und hochansteckende Atemwegserkrankung, die bei Kleinkindern zu schweren Verläufen führen kann. Zurzeit grassiert das Virus derart, dass die Praxen und die einzige Kinderklinik in der Stadt, das Elisabeth-Krankenhaus, an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. 30 bis 35 sehr kranke kleine Patienten werden täglich ins „Eli“ eingewiesen, ein Drittel von ihnen mit RS-Virus oder Grippe. Mehrere Kinder müssten beatmet werden, alle 108 Betten der Kinderklinik seien belegt, so Sabine Keiser, Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im „Eli“. Die Situation sei auch deswegen so dramatisch, weil Grippewellen bei Kindern und Jugendlichen durch die coronabedingten Lockdowns und das Maskentragen ausgefallen seien, sagt Oliver Schneider, Leiter des städtischen Gesundheitsamts: „Wir befürchten bei Grippe und RSV große Nachhol-Effekte.“ Doch jetzt macht der neue Impfstoff Beyfortus Hoffnung. Entwickelt wurde er von den Pharmakonzernen Astrazeneka und Sanofi, produziert wird er in der EU. Eine Runde von Mönchengladbacher Gesundheitsexperten hat das Mittel vorgestellt.

Für wen ist Beyfortus geeignet?

„Für alle Kleinkinder unter einem Jahr und Kinder, die nicht berechtigt sind, den vorhandenen Impfstoff Nirsevimab verabreicht zu bekommen“, sagt Ralph Köllges, niedergelassener Kinder- und Jugendarzt sowie Impf-Experte. Nebenwirkungen bestünden nicht.

Das ist der Impfstoff Nirsevimab

Ingo Kern, Kinderpneumologie am „Eli“, erklärt: „Das Mittel wird nur in Ausnahmefällen wie bei Frühgeborenen oder etwa Kindern mit Herzfehlern verabreicht. Es wird einmal im Monat gespritzt, bis zu fünf Dosen sind im Winter möglich.“ 100 Milligramm Nirsevimab schlagen mit 1400 Euro zu Buche, die Kosten übernehmen die Kassen.

15 Milligramm des Mittels werden pro Kilogramm Körpergewicht verabreicht. Zum Vergleich: Für eine Corona-Schutzimpfung werden 0,3 Milligramm benötigt. Diese oftmals großen Mengen in die Beinmuskeln zu spritzen, seien mit starken Schmerzen verbunden, erklärt Kern.

Wann kommt Beyfortus
auf den Markt?

In der EU zugelassen ist Beyfortus seit dem 4. November. In Deutschland wartet man auf die Empfehlung der Stiko. Der gemeinsame Bundesausschuss aus Krankenkassen und Ärztevertretern beschließen danach die Kostenübernahme durch die Kassen. Der gesamte Prozess könne einige Jahre dauern, so Köllges.

Zwei Mönchengladbacher
Praxen sind Studienpraxen

Wer sein gesundes Kind nicht so lange ungeimpft lassen möchte, kann an der Beobachtungsstudie der Europäischen Arzneimittelbehörde teilnehmen. Die Studie sei federführend in Europa, angestrebt werde die Teilnahme von mehreren Tausend Kindern, so Köllges. Seine Praxis und die von Kinderarzt Martin Lüchtrath haben sich an die Studie angeschlossen und verimpfen Beyfortus. „Die Impflinge werden dabei per Zufallsgenerator ausgewählt, 50 Prozent werden geimpft“, erklärt Köllges. Ein bis zwei Dosen reichten aus, der Impfstoff böte dann sechs Monate lang einen guten Schutz. Köllges hat bereits 20 junge Patienten geimpft, Lüchtrath fünf. „Wir haben alle Kindermediziner in der Stadt informiert und appellieren an Eltern, ihre Kinderärzte möglichst schnell auf diese Impfmöglichkeit anzusprechen“, sagt Köllges.

Die Teilnahme an der Studie sei eine Chance für alle: „Um einen stationären Aufenthalt zu verhindern, müssen wir 50 bis 60 Kinder impfen. Wir können also mit der Impfung die RSV-Wellen aufhalten.“ Nach seinen Angaben ist RSV, das sich vor allem in den Wintermonaten verbreitet, die Ursache für zwei Drittel aller Atemwegserkrankungen bei Babys und Kleinkindern weltweit. Köllges schätzt, dass die Studie noch bis ins Frühjahr 2023 ausgelegt ist.

Was kostet eine
Impfung mit Beyfortus?

Zurzeit nichts. Was der Impfstoff kostet, wenn er auf den Markt kommt, wisse man noch nicht, so Köllges, auch nicht, ob die Kassen die Kosten übernehmen, vieles sei im Moment noch offen.