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Mönchengladbach: Hollywood in der "Corona School"

Hilfe für Schüler : Die „Corona School“ wird zur Erfolgsgeschichte

Der Mönchengladbacher Christopher Reiners hat mit Bekannten eine erfolgreiche Lernplattform im Internet aufgezogen. Die hilft nicht nur bei Hausaufgaben, sie bietet auch ein Sommerferienprogramm.

12 500 Schüler und mehr als 9000 Studierende treffen sich regelmäßig auf der Lernplattform „Corona School“ – die Schüler, um Unterstützung beim Lernen zu finden, die Studierenden, um ihnen zu helfen. Was als spontane Idee bei einem nächtlichen Telefonat zwischen Freunden begann, wurde in Windeseile zu einem Hit: Die „Corona School“ bietet inzwischen nicht nur Hilfe bei Hausaufgaben, Vorbereitung von Klausuren oder dem Schließen von Lücken an. In den Sommerferien kommen auch noch rund 80 AGs dazu – vom richtigen Anfertigen einer Blumenkrone bis zu Philosophie für Einsteiger.

Der Mönchengladbacher Christopher Reiners gehört nicht nur zu den Gründern der „Corona School“, er leitet auch eine der Arbeitsgemeinschaften: „Hollywood zum Selbermachen.“ Gerade haben sich die Teilnehmer zum zweiten Mal getroffen – selbstverständlich virtuell. „Wir planen zurzeit das Drehbuch“, sagt Reiners. Die Teilnehmerinnen sind zwischen 13 und 16 Jahre alt und Loriot-begeistert. Deshalb dient der Großmeister des feinen Humors als Vorbild für einen Sketch über Kommunikation in Corona-Zeiten. Andere Arbeitsgemeinschaften beschäftigen sich mit Literatur, Bildverarbeitung, Improvisationstheater, 3-D-Druck oder Studienberatung. Ein eindrucksvolles und kostenloses Angebot.

Gleichzeitig läuft das weiter, womit alles begann – die Unterstützung beim Lernen und zwar von der ersten bis zur 13. Klasse. Die Idee ist einfach und überzeugend: Schüler, die Hilfe brauchen, melden sich an. Studierende leisten diese Hilfe freiwillig, ehrenamtlich und kostenlos. Die „Corona School“ ist dabei nicht nur für PC, Laptop und Tablet ausgelegt, sondern auch für die Handynutzung optimiert. Hier zeigt sich, dass die Schulgründer jung sind und wissen, dass viele Schüler ausschließlich auf das Smartphone zurückgreifen wollen oder müssen.

Von Mathe, Englisch bis
Alt-Griechisch reicht das Angebot

Die Schüler geben bei der Anmeldung an, in welchen Fächern sie Unterstützung brauchen. Deutsch, Englisch und Mathe sind die Renner, aber es war auch schon Alt-Griechisch dabei. Das Matching, die Auswahl der Lernpartner, übernimmt ein Algorithmus. „Zu 85 Prozent finden wir einen Studierenden, der über alle gewünschten Kompetenzen verfügt“, erklärt Reiners. Nur selten hat ein Schüler zwei verschiedene Helfer. Im Schnitt treffen sich die Lernpartner zwei bis drei Mal pro Woche für 45 Minuten am Bildschirm. Die Schüler können ihre Fragen loswerden, ihre Hausaufgaben besprechen oder Übungsaufgaben lösen. Natürlich muss auch im virtuellen Raum das Persönliche passen. „Wir bieten auch die Option, die Zuordnung wieder aufzulösen.“

Die größte Schwierigkeit, auf die Gründer stießen: genügend Studierende zu finden. „Das Gleichgewicht zwischen den Schülern und denjenigen, die helfen, herzustellen, ist die eigentliche Herausforderung“, sagt Reiners, 22 Jahre alt und gerade mit seinem Mathe-Bachelor fertig. Deswegen gibt es in mehr als 60 deutschen Unis inzwischen Netzwerke, über die Studierende angesprochen werden. Für die ist es nicht nur ein sinnvolles Ehrenamt, es kann auch gut für Studium und Beruf sein. „Viele, die mitmachen, studieren Lehramt.“

Sie trainieren nicht nur für den künftigen Beruf, sie können unter Umständen auch die Pflichtpraktika, die durch die Corona-Krise an den Schulen schwer umzusetzen waren, in der „Corona School“ absolvieren. „Mit den Unis wurde ein entsprechendes Konzept entwickelt“, sagt Reiners. Sechs Praktikanten planen gerade Repetitorien, begleitet werden sie dabei von pensionierten oder aktiven Lehrern. Das Helfen hilft also auch den Studierenden.

Um die Qualität der Unterstützung sicher zu stellen, werden mit allen Studierenden Kennenlern-Gespräche geführt. „Das ist ein hoher Aufwand, aber es lohnt sich“, sagt Reiners. Die ganze Arbeit schafft nicht einer, die schafft auch nicht achtköpfige Kernteam der „Corona School“. Inzwischen arbeiten rund 50 Leute mit. Aus einer spontanen Idee ist ein gemeinnütziger Verein geworden.