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Mönchengladbach: Gregor Bonin und Michael Heck werben für Rathaus-Neubau in Rheydt

Rathaus-Pläne in Mönchengladbach : Verwaltung wirbt für Rathaus-Neubau

Planungsdezernent Bonin und Kämmerer Heck reagierte im Rat auf Kritik der Bezirksregierung.

Der mögliche Bau eines neuen Rathauses in Rheydt bekommt eine eigene Organisationseinheit. Der Rat stimmte am Mittwoch zu, dass die Stadt eine eigenbetriebsähnliche Einrichtung gründet, die alles rund um den Prozess organisiert – ähnlich einem Tochter-Unternehmen, nur dass es sich nicht um ein eigenes Unternehmen handelt. Sechs Mitarbeiter sollen mit einem externen Projektsteuerer den Neubau des Rathauses oder die Sanierung der bestehenden Gebäude planen, organisieren und überwachen. So sollen die Kosten eindeutig diesem Projekt zugeordnet werden können und nicht in Wirtschaftsplänen etwa des Gebäudemanagements verschwinden.

Der Rat diskutierte auch die Haushaltsverfügung der Bezirksregierung, die die Wirtschaftlichkeit eines Neubaus in Zweifel zog und kritisierte, zu spät einbezogen worden zu sein. Planungsdezernent Gregor Bonin betonte: „Wir haben frühzeitig das Gespräch mit der Bezirksregierung aufgenommen.“ Die kommunale Aufsicht sei mit „großer Mannschaft“ in Mönchengladbach gewesen und habe sich mit dem Gutachten zur Wirtschaftlichkeit der Gemeindeprüfungsanstalt beschäftigt. Regierungspräsidentin Birgitta Radermacher hatte kritisiert, dass die Stadt im Planungswettbewerb Kosten nur zu 30 Prozent berücksichtigt und städtebauliche Aspekte zu 70 Prozent. „Ich erwarte, dass vor einer endgültigen Wirtschaftlichkeitsberechnung das Gespräch mit der Aufsicht insbesondere mit Blick auf die zu Grunde zu legenden Vergleichsannahmen gesucht wird“, schrieb Radermacher. Das habe man durchaus vor, so Bonin. Nur gebe es noch keine endgültigen Berechnungen, weil der Wettbewerb noch liefe und es noch keine Entscheidung des Rates gebe. Kämmerer Michael Heck räumte aber ein: „Wir lernen daraus, so etwas darf in diesem Verfahren nicht mehr entstehen.“ Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners bekräftigte: „Es wird nur dann einen Neubau geben, wenn es einen wirtschaftlichen Effekt hat, sonst sanieren wir. Aber gar nichts zu tun, ist keine Option.“

Begeisterung für den Neubau war bei den Zuhörern kaum zu spüren

Ohne das neue Rathaus, davon ist Bonin überzeugt, wird es Rheydt viel schlechter gehen. Er präsentierte am Dienstagabend beim gut besuchten Bürgerforum der evangelischen Kirchengemeinde Rheydt im Ernst-Christoffel-Haus den Stand der Planungen. Der Zeitplan ist ambitioniert, die Aufgabe für die Architekten schwierig – das neue Rathaus, in dem die gesamte Stadtverwaltung konzentriert werden soll, ist für Bonin ein wesentlicher Baustein zur Stärkung der Rheydter City. Die aktuelle Gebäudesituation der Verwaltung sei desolat, sagte er. Und er rechnete vor, dass die Verwaltung derzeit auf 26 Standorte verteilt, der Sanierungbedarf immens ist. In Kürze könnten einige Gebäude gar nicht mehr genutzt werden.

Das geplante neue Rathaus soll den Komplex zwischen Kommandantur und Stadtsparkasse umfassen, wobei das Karstadtgebäude, das alte Rathaus und die Kommandantur erhalten bleiben, das Gebäude der Stadtsparkasse aber abgerissenwird. 1900 Mitarbeiter sollen ab 2025 in Rheydt arbeiten, aber nur 1500 Arbeitsplätze nutzen. Desk-Sharing nennt sich die Methode, die berücksichtigt, dass nie alle Mitarbeiter vor Ort sind, weil sie Urlaub oder Außentermine haben, krank sind oder von zu Hause aus arbeiten.

Die Stadtsparkasse wird in den neuen Komplex einziehen, Karstadt und die Stadtbibliothek bleiben. Kämmerer Heck erläuterte den finanziellen Hintergrund. Die Berechnungen ergeben, dass das neue Rathaus wirtschaftlicher ist als der Erhalt der alten Standorte, wenn die Kosten 142 Millionen Euro nicht überschreiten. Von Begeisterung für den Neubau war an diesem Abend bei den Zuhörern nicht viel zu spüren, aber er wurde auch kaum grundsätzlich in Frage gestellt. Warum das Sparkassenhaus nicht erhalten werde, wurde gefragt. Das sei wirtschaftlich nicht darstellbar, so Bonin. Zumal auch hier der Sanierungsbedarf hoch sei. Die Parkplatzsituation treibt viele Rheydter um. In der Tat sei es „schier unmöglich, 1500 Stellplätze zu schaffen“, sagte Bonin. Das sei unbezahlbar und würde das Projekt kippen. Die Stadtverwaltung setzt daher auf verändertes Mobilitätsverhalten: Privatautos sollen nicht mehr für Dienstfahrten verwendet werden, stattdessen gibt es einen Pool von E-Autos und E-Fahrrädern. Ein Jobticket soll die Mitarbeiter motivieren, auf den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen, der entsprechend ausgebaut werden soll.