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Mönchengladbach: Flaschenpost liefert bald Lebensmittel aus

Konkurrenz für Picnic? : Lebensmittel bald per Flaschenpost

Seit zwei Jahren liefert Flaschenpost in der Stadt Getränke aus, bald sollen auch Lebensmittel dazukommen. Gerrit Heinemann, BWL-Professor an der Hochschule Niederrhein, hält das für keine gute Idee.

Schon seit zwei Jahren beliefert Flaschenpost Mönchengladbach mit Wasser, Cola, Bier und anderen Getränken. Das ist dem Unternehmen anscheinend nicht genug: Bald kann auch der Wocheneinkauf über den Lieferanten erfolgen. Das wurde in der Stadt bisher vom Online-Supermarkt Picnic übernommen. Der Service wurde damals sehr gut angenommen, die Nachfrage hat sich während der Pandemie verstärkt. Neukunden landen meistens erst auf einer Warteliste. Was bedeutet die Expansion des Lieferanten für Picnic?

„Zunächst ist es ein weiterer Konkurrent. Und Konkurrenz belebt das Geschäft“, sagt Gerrit Heinemann, Professor für für BWL, Management und Handel an der Hochschule Niederrhein. Und das komme Picnic nur zugute. Denn dadurch strenge sich der Online-Supermarkt noch mehr an, weiterhin Spitzenreiter zu bleiben. „Ich sehe keinen Nachteil für Picnic“, sagt er.

Die Entscheidung des Getränkelieferanten, jetzt auch Lebensmittel auszuliefern, hält er für keine gute. Der Name gebe das schon nicht her – das Wort „Flaschenpost“ impliziere, dass es sich dabei um Getränke handele und nicht um Lebensmittel. Außerdem habe das Unternehmen, anders als Picnic, keine Lebensmittelbasis und somit keine Erfahrung in dem Bereich. „Ich frage mich, ob es sich dabei im eine Verzweiflungstat von Flaschenpost handelt“, sagt der Professor. Bei einem so jungen Unternehmen halte er es für keine gute Idee, vom Urspungskonzet abzuweichen.

Wenn das Unternehmen versuche, auf den Hype der Online-Lieferdienste wie Gorillas oder Flink aufzuspringen, habe es in Mönchengladbach keine guten Karten. So etwas funktioniere nur in Metropolstädten, Mönchengladbach gehöre aber nicht dazu. Dafür fehle die Zielgruppe. Entscheidend für den Erfolg von Flaschenposts Lebensmittel-Lieferdienst sei letztendlich die Leistung im Vergleich zu Picnic: Wie unterscheiden sich Sortimentgröße, Liefergeschwindigkeit und Kaufpreise? „Letztere kann Picnic nur durch sein Tourenkonzept so niedrig halten und dürften auf dem Niveau in der Einzelzustellung von Flaschenpost betriebswirtschaftlich kaum darstellbar sein“, sagt Heinemann.

Auch das Sortiment mit mindestens 10 000 Lebensmitteln ist bei Picnic um einiges größer als bei Flaschenpost mit geplanten 3500.  Nur die Lieferzeit von 120 Minuten scheint auf den ersten Blick ein Vorteil zu sein. Aber auch hier sagt Heinemann: „Bei Picnic kann ein genauerer Zeitraum angegeben werden, was für viele Kunden weitaus praktischer ist.“