Mönchengladbach: Familien kämpfen für ihren Spielplatz

Proteste in Mönchengladbach : Familien wollen Spielplatz erhalten

Die Anlage am Kreulskamp gehört zu denen, die abgerissen werden sollen. Doch als die Bagger anrollten, stellten sich Eltern in den Weg. Nun wird eine Lösung gesucht.

In Mönchengladbach sollen 47 von 248 Spielplätzen abgebaut werden. Dafür sollen die verbliebenen attraktiver werden. So wurde es im Dezember vergangenen Jahres vom Rat der Stadt beschlossen. Seit einigen Wochen sind nun Abrissteams unterwegs. Doch nicht überall läuft alles nach Plan: In Hardt sind Eltern auf die Barrikaden gegangen.

Als eines Tages plötzlich die Bagger anrückten, stellten sich ihnen Am Kreulskamp empörte Familien entgegen. „Die haben das Klettergerüst abgeschraubt, obwohl gerade die Kinder daran spielten“, sagt Dieter Hamann, Vater einer sechsjährigen Tochter. Die Mädchen und Jungen hätten geweint, da hätten sich die Eltern zwischen Spielgeräte und Bagger gestellt. Laut Mags, die im Auftrag der Stadt seit einigen Wochen die Spielplätze abbaut, sei die Situation am Kreulskamp ganz schön „haarig“ gewesen. „Zur eigenen Sicherheit“ hätten die Mitarbeiter die Arbeiten schließlich eingestellt.

Tatsächlich hängen die Anwohner an „ihrem“ Spielplatz, auch wenn er in die Jahre gekommen ist und das Unkraut vielerorts sprießt. „Das ist das Herz unseres Viertels“, sagt Dieter Harmann. Er selbst ist am Kreulskamp aufgewachsen, hat als Kind auch schon dort gespielt. „Hier hast du keinen Durchgangsverkehr, weil das Gelände an einer Sackgasse liegt. Hier kannst du auch die Kleinen alleine laufen lassen“, sagt er. Außerdem seien die Anwohner eine eingeschworene Gemeinschaft. „An unserem Spielplatz treffen sich die Mütter bei schönem Wetter noch draußen zum Kaffee, hier passen die größeren Nachbarskinder auf die kleineren auf“, berichtet Hamann. Auch aus diesem Grund sei er wieder aus Eicken zurück zum „Kreulskamp“ gezogen. „Wenn der Spielplatz abgerissen wird, stirbt das Viertel“, prophezeit er. Der nächste öffentliche Spielplatz sei zehn bis 15 Gehminuten entfernt: „Da können die Kleinen nicht alleine hinlaufen.“

Hamann und seine Nachbarn wollen für ihren Spielplatz kämpfen. Einige Mütter haben schon Unterschriften gesammelt. Eine Online-Petition ist gestartet. Und es sollen weitere Aktionen folgen. „In der nächsten Zeit wollen wir die Kinder Bettlaken bemalen lassen zum Protest“, sagt der Vater, der nach eigenen Angaben schon viel mit der Mags und dem Jugendamt telefoniert hat.

Aus der Stadtverwaltung heißt es in einer Stellungnahme: „Bei der Auswahl der aufzugebenden Plätze waren Mitglieder der Fraktionen und Bezirksverwaltungsstellen im Rahmen einer Dialogveranstaltung maßgeblich beteiligt. Die Bezirksvertretungen hatten den Aufgaben noch einmal explizit zugestimmt, als der Entwicklungsplan vorgestellt wurde.“

Die letzte Auskunft aus dem Jugendamt, die Hamann hörte, sei, dass der Fall noch einmal geprüft werde. Auch die Stadt bestätigt, dass man in Gesprächen sei und versuche, eine einvernehmliche Lösung zu finden.

Die übrigen Abbauarbeiten gehen indes weiter, wie die Mags bestätigt. Ungefähr ein Dutzend der abzuarbeitenden Aufträge in Sachen Spielplatzabbau seien bereits erledigt. Aber es werden auch Spielflächen neu gemacht. So öffnet zum Beispiel der Spielplatz an der Thüringer Straße/Buschallee in Eicken am Donnerstag nach einer Umgestaltung wieder.

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