Mönchengladbach: Die letzten Waschbären und Nasenbären im Tiergarten

Tiergarten Odenkirchen : Tiergarten darf nicht alle Tiere züchten

Wasch- und Nasenbären sterben im Zoo aus.

Mit den dunklen Streifen rechts und links ihrer Augen sehen sie aus, als trügen sie die Maske des Zorro. Doch im Gegensatz zu dem unverwüstbaren Mantel- und Degenhelden unzähliger Filme sind die Tage der drei Waschbären im Odenkirchener Tierpark gezählt. Zumindest zwei von ihnen sind mit ihren elf Jahren schon ziemlich betagt für Waschbär-Verhältnisse. Das Methusalem-Duo kam 2008 aus einer Tierauffangstation nach Odenkirchen. Heute könnte dort niemand mehr Waschbären abgeben. „Dann müsste ich sagen: Ich darf sie nicht nehmen“, sagt Tiergarten-Leiterin Katrin Ernst. Denn: Waschbären stehen auf einer Liste von „invasiven Arten“, deren weitere Verbreitung die EU in Europa verhindern will.

Die Verordnung untersagt es selbst Zoos, in der Liste aufgeführte Tierarten zu züchten oder sich zu verschaffen. Sie sind zudem gehalten, bei solchen Tieren besonders darauf zu achten, dass sie nicht ausbüxen können. Davon betroffen sind auch die sieben Nasenbären des Odenkirchener Tiergartens. Folge: Wenn dessen Wasch- und Nasenbären tot sind, werden diese Arten dort nicht mehr zu sehen sein.

Tiergarten-Chefin hofft, dass die Verordnung überarbeitet wird

Die EU-Verordnung aus dem Jahr 2014 will Schaden für die Tier- und Pflanzenwelt des Kontinents abwenden, den Fauna und Flora anrichten kann, die in Europa nicht heimisch ist. Solche von Menschen eingeschleppten Tiere und Pflanzen können etwa heimische Arten verdrängen und Krankheiten verbreiten, so die EU. Dass invasive Arten eine Bedrohung fürs heimische Öksystem sind, sieht auch der Naturschutzbund (Nabu) so. Die Verordnung sei „mehr als überfällig“ kommentierte Nabu-Präsident, Olaf Tschimpke, als die Verordnung erlassen wurde. Und als die EU 2016 eine Liste mit 37 zu bekämpfenden Arten präsentierte, waren das dem Nabu sogar noch „deutlich zu wenig“.

Ob der Waschbär wirklich eine so große Gefahr bedeutet, ist umstritten. Er wurde in den 1920er und -30er Jahren aus Nordamerika als Pelzlieferant eingeführt und 1934 erstmals in Hessen bewusst ausgesetzt. Er kann sich mangels natürlicher Feinde kräftig vermehren. Da die Tiere wenig Scheu vor Menschen haben, werden ihnen geplünderte Mülltonnen oder hohe finanzielle Schäden beim Einnisten auf Dachböden angelastet. Selbst der Nabu sieht „lokal negative Auswirkungen des Waschbären auf die heimische Tierwelt“ als erwiesen an. So könne der Waschbär „örtlich ein Problem für den bodenbrütenden Kiebitz, Amphibien oder auch den Rotmilan darstellen“.

Was allerdings mit Wasch- oder Nasenbären passieren soll, wenn wieder jemand ein solches Tier in Odenkirchen abgeben will, ist nicht klar. „Ich kann es nicht sagen“, antwortet Katrin Ernst. Denn: Laut Verordnung darf die Tiere niemand aufnehmen, aber auch niemand wieder in der Natur aussetzen. Viel sinnvoller wäre es nach Ansicht der Tiergarten-Chefin, wenn man es Zoos erlaubte, Wasch- und Nasenbären zu halten. Dann könnten sie am Beispiel dieser Tiere Besucher über die Problematik invasiver Arten aufklären. Gut aufpassen, dass kein Tier ausbricht, würden Zoos ohnehin. Ernst hofft, dass sich Politiker für eine Überarbeitung der Verordnung einsetzen.

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