Mönchengladbach: Das schwule Prinzen-Paar schlägt Wellen

Im Rampenlicht : Große Resonanz auf das neue Prinzen-Paar

Bei Axel Ladleif und Thorsten Neumann steht das Telefon nicht mehr still.

Die Nacht war kurz, der Gastronomie-Betrieb musste von selbst laufen. Denn am Tag nach der Bekanntgabe, dass in Mönchengladbach erstmals zwei Prinzen die Narren regieren sollen und mit dem homosexuellen Prinzen-Paar der rheinische Karneval eine Premierefeiert, rücken die Hauptakteure ins Rampenlicht: Axel Ladleif und Thorsten Neumann, die am 15. November zu Prinz Axel I. und Prinz Niersius Thorsten proklamiert werden, können sich an diesem Freitag vor Anrufen kaum retten.

Gratulationen, Anfragen von Fernsehsendern, Agenturen, Zeitungen, hunderte Kommentare auf verschiedenen Kanälen der sozialen Medien. „Es ist unglaublich“, sagt Neumann. Was ihn und Ladleif besonders freut: Die Reaktionen sind fast ausschließlich positiv. Selbst bei Facebook, wo gerne und leicht harte Worte hingeschrieben werden, bleiben kritische Kommentare in der Minderheit. „Toll“, „fantastisch“, „endlich“ sind die häufigsten Aussagen, gerne garniert mit Regenbogensymbolen, dem globalen Kennzeichen der Homosexuellen.

Der Zeitpunkt ist gut gewählt. Denn der 17. Mai ist der Internationale Tag gegen Homophobie, wie der WDR seinen Bericht über das Prinzen-Paar anmoderiert. Auch die Nachrichtenagentur dpa berichtet, in der Folge greifen überregionale Medien wie Focus, Spiegel und Welt die Nachricht aus Mönchengladbach auf.

Es gibt auch einige
kritische Stimmen

Im Gay-Netzwerk Queer ist es das „Bild des Tages“. Der General-Anzeiger betont, dass Prinz Niersius Thorsten in Bonn geboren ist.

Karnevalisten aus dem gesamten Rheinland gratulieren: die Prinzengarde Köln, die Ehrengarde Köln, die KG „De 11 Pille“ und die KG Regenbogen aus Düsseldorf, selbstverständlich aus sämtlichen närrischen Gesellschaften und Vereinen in Mönchengladbach. Gert Kartheuser, den Chef des Karnevalsverbands MKV, freut besonders, dass die Karten für die Proklamation des Prinzen-Paars heiß begehrt sind.

Einige kritische Stimmen mischen sich doch darunter, sogar aus der Prinzengarde der Stadt Mönchengladbach, bei der Neumann und Ladleif aktive Gardisten sind. „Dass Schwule in unserer Gesellschaft bis in die höchsten politischen Ämter vertreten sind, ist nicht sensationell neu. Warum nicht auch als Prinzenpaar“, schreibt Karl Brose in einer Stellungnahme. „Beim Ornat allerdings fehlt mir die humorvolle und traditionelle Interpretation.“ Ladleif will im klassischen Prinzen-Ornat auftreten, Neumann in einem eigens kreierten, das aber noch geheim gehalten wird. Brose hätte sich gewünscht, dass einer der beiden als Prinzessin Niersia verkleidet auftritt.

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