Mönchengladbach: Das Ende der Trabrennbahn?

Vertragskündigung wird beraten : Wird Trabrennbahn zum Flughafen?

EWMG plant offenbar, den Pachtvertrag zu kündigen und den Flughafen zu erweitern.

Sie ist die älteste Trabrennbahn Deutschlands. Aber jetzt droht offenbar das endgültige Aus. Die städtische Entwicklungsgesellschaft EWMG will am heutigen Donnerstag in seiner Aufsichtsratssitzung darüber entscheiden, ob der Pachtvertrag Trabrennbahn gekündigt wird. Der Hintergrund: Ein Gutachten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DRL) kommt zu dem Ergebnis, dass der Nachbar der Trabrennbahn, Mönchengladbachs defizitärer Airport, weitaus größere wirtschaftliche Chancen hätte, wenn er räumlich expandieren würde. Gebe es mehr Platz, könnte auch mehr flug- und flughafenaffines Gewerbe angesiedelt werden. Und das bedeute mehr Einnahmen.

Der Pächter ist empört
und fühlt sich hintergangen

Pächter ist der „Verein zu Förderung des Rheinischen Trabrennsportes“. Und der ist empört über diese Pläne und fühlt sich hintergangen. In einem offenen Brief beklagt der Verein: „Es ist schon überraschend, dass das Thema Flughafenerweiterung unter Einbeziehung der Trabrennbahn (...) erst mit uns erörtert wurde, nachdem wir öffentlich gemacht haben, die längst fällige Sanierung in Auftrag gegeben zu haben. Unser Vorhaben hatten wir bereits anlässlich der 125-Jahr-Feier der Trabrennbahn im Mai 2018 angekündigt.“ 150 000 Euro seien in die Sanierung des Geläufs gesteckt worden, schreiben die Vorsitzenden Elmar Eßer und Rolf Fränken. Damit zähle die Mönchengladbacher Trabrennbahn zurzeit im sportlichen Bereich zur besten Bahn Deutschlands. Die ehrenamtlichen Vereinsvorsitzenden sind „irritiert“ und „sprachlos“. Schließlich sei doch in Einzelgesprächen unter anderem mit Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners verabredet worden, dass der Verein bei weiteren Planungen, die sich um die Trabrennbahn drehen, miteinbezogen werde, so Eßer und Fränken. Dies sei aber nicht geschehen.

„Oberbürgermeister Reiners hat dem Vorsitzenden des Vereins sehr frühzeitig in einem persönlichen Gespräch signalisiert, dass der Vertrag zwischen dem Verein und der EWMG Gegenstand der politischen Diskussion werden kann, weil im DLR-Gutachten das Areal der Trabrennbahn als potenzielle Entwicklungsfläche für den Flughafen identifiziert worden ist“, teilte Stadtsprecher Wolfgang Speen am Mittwoch mit. Das Gespräch habe bereits am 25. April dieses Jahres stattgefunden. Jetzt komme es auf Basis eines Vorschlags der EWMG zu dieser Diskussion und zu einer Entscheidung, „bei der die unterschiedlichen Argumente und Interessen abgewogen werden müssen.“ Auch EWMG-Geschäftsführer Ulrich Schückhaus sagt: „Es war immer klar, dass der Verein das Trabrennareal nur übergangsweise zur Verfügung gestellt
bekommt.“

Der Verein zur Förderung des Rheinischen Trabrennsportes hatte die Anlage vor mehr als zehn Jahren übernommen, nachdem der Rheinische Rennsportverein Insolvenz angemeldet hatte. Dieser hatte noch einen Erbpachtvertrag mit der Stadt. Dem ehrenamtlichen Nachfolger wurde das Areal für einen symbolischen Betrag von einem Euro pro Jahr überlassen. Lediglich die Betriebskosten müssen die Trabrennsportfreunde tragen. Sie hoffen, dass die Trabrennbahn auch bei einer Flughafenerweiterung noch bestehen kann. Schließlich ist das Gelände rund 140 000 Quadratmeter groß.

Auch die Grünen wollen die Trabrennbahn erhalten. „Das wäre ein heftiger Schlag gegen unseren Trabrennsport und zugleich gegen den Sportstandort Mönchengladbachs“, sagt Boris Wolkowski, stellvertretender Grünen-Fraktionssprecher. Er kritisiert die EWMG scharf, weil sie Mönchengladbachs Trabrennbahn „platt machen will“. „Wir wollen den Trabrennsport in unserer Stadt, der auf eine solch lange und hervorragende Tradition zurückblicken kann, nicht einfach aufgeben“, sagt er.

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