Mönchengladbach: Baut Moscheeverein „Masjid Arrahman“ Moschee für Salafisten?

Durchsuchung bei Moscheeverein : Bauen Salafisten die neue Moschee?

Die Polizei hat die alten Räume des Vereins „Massjid Arrahman“ in Rheydt durchsucht.

Die Gerüchte gibt es schon seit Jahren: Die Moschee an der Mittelstraße, in der freitags regelmäßig 800 Muslime beten, soll ein Treffpunkt für Salafisten sein. Bislang hat der Verein „Massjid Arrahman“ das immer dementiert. Der islamische Verein, der 1987 in Mönchengladbach von Marokkanern gegründet wurde, gab sich offen, kooperierte mit dem Integrationsrat und nahm auch regelmäßig an der interreligösen Konferenz teil, bei der sich katholische, evangelische und muslimische Gemeindevertreter der Stadt an einen Tisch setzen.

Doch jetzt scheint es doch deutliche Anzeichen zu geben, dass der Verein zumindest salafistisch unterwandert ist. Das NRW-Innenministerium ließ gestern die alten Moscheeräume sowie 15 Privatwohnungen von Mitgliedern und Funktionsträgern des Vereins durchsuchen. Dabei wurden Datenträger, Laptops und Handys sichergestellt. „Wenn wir Hinweise darauf haben, dass sich ein Moscheeverein zum Treffpunkt von gefährlichen Extremisten entwickelt hat, handeln wir“, sagte Minister Herbert Reul am Dienstag. Will heißen: Wenn sich die Verdachtsmomente erhärten, dass sich an der Mittelstraße Salafisten und Islamisten treffen, dann droht ein Vereinsverbot.

Günter Krings, CDU-Bundestagsabgeordneter und Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium, begrüßt, „dass der NRW-Innenminister konsequent mit den Mitteln des Rechtsstaates gegen islamistische Vereine vorgeht. Sollten sich die bestehenden Verdachtsmomente nach Abschluss der Ermittlungen erhärten, muss der Verein verboten werden“, sagt er. Für islamistische Hassprediger und Extremisten jedweder Couleur sei kein Platz in unserer Gesellschaft.

In den alten Moscheeräumen des marokkanischen Vereins soll sich früher schon der Mönchengladbacher Sven Lau, der zurzeit wegen Unterstützung einer islamistischen Kampftruppe im Gefängnis sitzt, nach seiner Konvertierung mit anderen Männern zum Unterricht getroffen haben. In seinem Buch schreibt der Salafistenprediger, dass er und seine Mitstreiter später ihre eigene Moschee in Eicken gründeten, weil man bei Massjid Arrahman fürchtete, dass man mit wachsender Bekanntheit von Lau Probleme bekommen würde.

Was passiert mit dem Neubau, wenn der Verein verboten wird?

2014 gab es noch einmal Hinweise auf eine mögliche Verbindung zwischen der Moschee an der Mittelstraße und den Salafisten. Da tauchte im Internet eine Seite auf, die mit „Einladung zum Paradies“ überschrieben war, also dem Namen des salafistischen Vereins aus Eicken mit Sven Lau als Vorstandsmitglied. Auf der Seite wurde eingeladen, zu Gebeten und zum Koran-Studium in die Masjid-Arrahman-Moschee zu kommen.

Doch wie der Vorstand des Islamischen Kulturvereins damals versicherte, habe es keine Verbindung mehr zu Sven Lau gegeben. Dieser sowie der bekannte salafistische Prediger Pierre Vogel hätten sogar Hausverbot.

Zurzeit baut der Verein Massjid Arrahman an der Mittelstraße eine neue, 1600 Quadratmeter große Moschee mit einer 17 Meter hohen Kuppel, weil die Gemeinde dort wächst. Finanziert wird das Bauvorhaben aus Spenden. Im Jahr 2013 hatte die Stadt dem eingetragenen Verein die Baugenehmigung erteilt. Was mit dem noch nicht fertigen Neubau geschieht, wenn der Verein verboten werden sollte, darüber hat sich bis jetzt noch niemand Gedanken gemacht – nur zu der Durchsuchungsaktion am Dienstag, deren Ergebnis abgewartet wird. „Es ist gut, dass das Innenministerium die Problematik im Fokus hat und Verdachtsfällen vor Ort konsequent nachgeht. Wir wollen in Mönchengladbach friedlich zusammenleben, und wer etwas anderes will, ist hier nicht willkommen“, sagte Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners am Dienstag. Die Stadt setze beim Thema Islamismus und Salafismus auf Prävention. Mit der Polizei rief sie das Projekt „Kopfsache“ ins Leben. Außerdem beteiligt sie sich am Landesprojekt „Wegweiser“. Ziel sei es, frühzeitig auf Jugendliche zuzugehen, um einer Radikalisierung vorzubeugen. Reiners: „Wir wollen jungen Menschen Perspektiven bieten, damit sie ihren Platz in der Gesellschaft finden. Das ist Aufgabe der gesamten Gesellschaft.“