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Mönchengladbach: Bau der Seestadt am Hauptbahnhof soll im Sommer 2020 beginnen

Neubau-Projekt in Mönchengladbach : Aus einem kargen Stück Land entsteht eine Seelandschaft

Investor Catella stellte seine Pläne im Planungsausschuss vor. Schon in diesem Jahr sollen die ersten Bagger anrollen.

Es war erst einmal nur ein Zirkuszelt, das auf der Brache stand, die einmal City-Ost genannt wurde. Der Zirkus Busch gastierte dort, wo in den kommenden Jahren die Seestadt aus dem kargen Stück Land erwachsen soll. Investor Catella hatte gemeinnützige Vereine und Institutionen zu Vorstellungen eingeladen, auch „um zu zeigen, dass sich hier etwas tut“, wie Catella-Chef Klaus Franken sagte. Das Zelt wird jetzt schon wieder abgebaut, aber die Bagger sollen noch in diesem Jahr anrücken.

Die Wohnungen

„Wir wollen in diesem Jahr mit dem Bau der ersten 248 Wohnungen und des ersten Gewerbekomplexes beginnen“, sagte Franken. Am Mittwoch stellte er die Pläne dazu erneut in einer Sondersitzung des Planungs- und Bauausschusses und der Bezirksvertretung Ost vor. Die Politiker stimmten dem geänderten Flächennutzungsplan und dem Bebauuungsplan zu, sodass im Sommer der Satzungsbeschluss gefasst werden könnte – dann steht dem Bau nichts mehr im Weg. „Wir wollen die Bauanträge im zweiten Quartal einreichen“, sagt Franken. Baubeginn soll dann noch im Sommer sein. „Dann könnten wir 2021 mit den ersten Wohnungen fertig sein.“

Die sollen an der Lürriper Straße entstehen. Der Neubau (mit 134 Auto-Stellplätzen in der Tiefgarage) soll dort an die vorhandene Wohnbebauung anschließen. Der Gewerbekomplex, ein Hotel mit 180 Betten, ist an der Breitenbachstraße vorgesehen. Im ersten Bauabschnitt sollen anders als bisher vorgesehen auch eine Reihe Wohnungen mit öffentlichen Mitteln entstehen, die dann mietpreisgebunden und damit Mietern mit geringem Einkommen vorbehalten sind. „Wir wollen 90 geförderte Wohnungen im ersten Abschnitt bauen“, sagt Franken. Das würde nach Berechnungen des Investors ein Fördervolumen von zwölf Millionen Euro bedeuten – eine Summe, die Mönchengladbach normalerweise nicht einmal in einem Jahr vom Land als Fördermittel für sozialen Wohnungsbau erhält. Derzeit seien die Stadt, das zuständige Bau-Ministerium des Landes und die NRW-Bank als Fördermittelgeber mit der Prüfung beschäftigt. Ob das so schnell klappt, ist unklar. „Wir wollen aber das klare Signal setzen: Die Seestadt ist ein durchmischtes Gebiet“, sagte Franken. Erik Jansen von den Linken lobte: „Wir sehen die Forderungen der Durchmischung erfüllt.“

Der See

Die Wasserfläche wird knapp zwei Hektar groß, der See bis zu drei Meter tief. Gebaut wird abschnittsweise, so soll der See mit den Wohngebäuden wachsen. Das legt der städtebauliche Vertrag fest. Der See soll als Temperaturspeicher dienen und damit im Sommer kühlend wirken. Bei Starkregen dient der See als Zwischenspeicher für mehrere Tausend Kubikmeter Regenwasser, wie Landschaftsplaner Professor Thomas Fennen erklärte. Das Wasser wird umgewälzt mit Pumpen, es soll Schwimmpflanzen und Fischbesatz geben. Catella baut den See und überträgt ihn dann an die Stadt. Die Betriebskosten (insgesamt gut 360 000 Euro im Jahr) tragen zu einem Drittel die direkten Anlieger und zu zwei Dritteln die Stadt. Ein Park kostet nach Angaben der Stadt im Unterhalt je nach Ausführung zwischen 180 000 Euro und 370 000 Euro. „Ich bin überzeugt, dass der See eine Strahlkraft weit über die Stadt hinaus haben wird“, sagte Planer Thomas Fennen im Ausschuss.

Infrastruktur

Das gesamte Quartier wird oberirdisch autofrei, Fahrzeuge sollen in die Tiefgarage einfahren. Bewohner sollen deutlich weniger Autos halten, dazu wird es drei Mobilitäts-Hubs geben. Dort sind Carsharing-Fahrzeuge, E-Roller, Leih-Fahrräder und Paketstationen vorgesehen. Lieferverkehr im Quartier soll es nicht geben. „Wir sind in Gesprächen mit mehreren Anbietern“, sagte Franken. Alles soll über eine Smartphone-Plattform buchbar sein – nicht nur für Anwohner. Vor allem die NEW soll Partner werden. Es wird zwei Kitas geben, Uferpromenade, Joggingstrecken, Spielplätze und einen Radschnellweg.

Bevor der der Bebauungsplan im Sommer beschlossen werden soll, wird noch der städtebauliche Vertrag zwischen Catella und der Stadt geschlossen. Darin fehlen nach Angaben von Stadtplaner Sebastian Lieser noch juristische Details. Der Vertrag legt vor allem Pflichten und Vertragsstrafen bei Verstößen für Bauherr Catella fest.