Mönchengladbach: Asbest in Ruinen nach dem Großbrand in Eicken

Wasserkanonen beregnen weiter Trümmerfeld : Brandtrümmer in Eicken asbestbelastet

Die Luft sei unbelastet, der Schutt in dem Gewerbeareal allerdings mit dem krebserregenden Stoff durchsetzt, erklärt die Mags.

Verkohlte Metallgerippe, Berge aus Schutt, ein einsamer, gelber Bulldozer – mancher Kunde des Baumarkts an der Alsstraße betrachtet das traurige Panorama einen Moment lang, bevor er in den Laden geht. Gleich neben dem Parkplatz, hinter einem Zaun, erstreckt sich ein fast 9000 Quadratmeter großes Trümmerfeld – Überreste des Gewerbekomplexes, den der Großbrand vor gut einem Monat verwüstet hat.

Die Ursache des Feuers, das mitten in der Nacht vermutlich in einem holzverarbeitenden Betrieb ausgebrochen ist, konnten Sachverständige nicht mehr ermitteln; die Flammen hatten zu lange gewütet. Inzwischen hat sich bestätigt, was schon vermutet worden war, als auf dem Gelände noch kleinere Brandherde zu löschen waren: Teile der Trümmer sind asbestbelastet und müssen nach Angaben der Stadttochter Mags via Deponie entsorgt werden.

Das Asbest stammt wohl aus Eternitplatten, die laut Feuerwehr im Dach einer der Hallen verbaut waren. Eine fachgerechte Entsorgung ist auch bei Resten von Dachpappe und imprägnierten Holzes erforderlich. Sie müssen laut Mags verbrannt werden. „Der Großteil des Brandschutts“, so die Mags, weise allerdings „bislang keine Überschreitung von Grenzwerten auf.“

Wasser soll den schädlichen Asbeststaub binden

Noch immer stehen Wasserkanonen auf dem Gelände: Sie können das Trümmerfeld beregnen. Das soll verhindern, das Staub aufgewirbelt und durch die Luft weitergetragen wird. Sie werden wohl so schnell nicht verschwinden. „Die bleiben vorerst stehen und werden während der Entsorgungsvorgänge bei Bedarf in Betrieb genommen“, sagt die Mags, „die Untere Abfallwirtschaftsbehörde, das Umweltamt der Stadt Mönchengladbach und die Bezirksregierung Düsseldorf stimmen sich hierzu ab.“

Bereits wenige Tage nach dem Brand haben nach Angaben der Mags Ergebnisse von 25 Luftproben vorgelegen, die ein Ingenieurbüro „im näheren Umfeld“ der Brandruine genommen hatte. Ergebnis: „Es liegt keine erhöhte Schadstoffkonzentration in der Luft vor“, so die Mags. Sie rät zudem: „Anwohner, die beim Brand Asche und andere Brandpartikel auf ihr Grundstück geweht bekommen haben, sollten sich an ihre Gebäudeversicherung wenden.“

Versicherungsfragen gehören auch zu den Problemen, die Ulrich Jansen derzeit zu klären hat. Mit Frau und Kindern wohnt Jansen genau gegenüber dem Betrieb, in dem das Feuer mutmaßlich ausbrach. Die enorme Hitze hat die Fensterscheiben an dem Haus springen lassen, ein penetranter Brandgeruch nistete sich in der gesamten Wohnung ein. Die Fenster sind noch immer provisorisch abgedichtet. Doch der Vermieter kümmere sich schon, erzählt Jansen. „Neu gestrichen wurde bereits, und aufgrund eines Zeitungsberichts fanden sich Helfer, die Matratzen, Gardinen und ein Schlafsofa abzugeben hatten. „Wir haben auch schon neue Kleidung gekauft“, sagt Jansen. Allein: Die Klärung der Versicherungsfrage laufe schleppend. Jansen hat sich an einen Anwalt gewandt.

Ein Fahrradhändler rettete mit der Feuerwehr noch 100 Räder

Wie die Jansens hatte auch Stefan Heines, Geschäftsführer des in dem Gewerbekomplex ansässigen Gazelle-Fahrradladens in der Brandnacht vor dem Flammenmeer gestanden. Mehr als 100 Räder hatte er noch mit Hilfe der Feuerwehr aus dem Gebäude retten können. Kaum zu glauben: An einer Außenwand des Teils des Ladens, den das Feuer nicht erreichte, hängt ein Schild: „Es geht weiter!!!“ Schon sieben Tage nach dem Brand eröffnete Heines seinen Laden wieder – quasi um die Ecke an der Krefelder Straße. Ein Geschäftsmann habe Räume zunächst umsonst, dann für drei Monate zur Miete zur Verfügung gestellt, berichtet Heines. Die Wirtschaftsförderung habe sich ins Zeug gelegt und helfe bei der Suche nach einem endgültigen neuen Standort. „Einige ganz tolle Menschen haben uns geholfen“, sagt Heines.

Auch wenn derzeit noch nicht alle Versicherungsfragen restlos geklärt sind, ist Heines recht zuversichtlich. Keiner der neun Mitarbeiter hat durch den Unglücksfall seinen Arbeitsplatz verloren. Heines: „Ich denke, wir haben das Beste aus der Situation gemacht.“

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