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Mönchengladbach: 2019 gab es den verheerendsten Brand seit 30 Jahren

Bilanz der Feuerwehr : Feuerwehr rückt täglich 160-mal aus

58 386 Einsätze hatte die Feuerwehr im vergangenen Jahr – darunter der verheerende Brand an der Alsstraße in Eicken. Vier Tage lang wurde im Juni gelöscht.

Feuerwehrchef Jörg Lampe erinnert sich noch genau: Als er am 12. Juni um 6 Uhr den Dienst im Führungs- und Lagezentrum am Stockholtweg antrat, sah er aus der obersten Etage Flammen in den Himmel ragen. Das Feuer lag elf Kilometer entfernt an der Alsstraße. Aber es war so groß, dass nicht nur die Rauchsäule beinahe im gesamten Stadtgebiet zu sehen war, sondern eben auch das Feuer selbst. Es war der verheerendste Brand in Mönchengladbach, an den sich Lampe erinnern kann. Und der Feuerwehrchef ist seit beinahe 30 Jahren in der Vitusstadt im Dienst.

Kurz nach vier Uhr war die Feuerwehr an diesem Tag zu der brennenden Industrieschreinerei gerufen worden. Als die Kräfte eintrafen, stand ein großer Bereich bereits voll in Flammen. Was für ein Ausmaß das Feuer hatte, wird einem klar, wenn Jörg Lampe, der auch selbst am Einsatzort war, erzählt: „Selbst in weiterer Entfernung waren noch Autos geschmolzen.“ Bis zu 140 Feuerwehrleute waren an der Alsstraße im Einsatz. Stundenlang kämpften sie gegen die Flammen, damit sich der Brand nicht auf Nachbargebäude ausdehnt. Zehn Menschen mussten aus Sicherheitsgründen ihre Wohnungen verlassen. Notfallseelsorger wurden dabei angefordert. Die Nachlöscharbeiten und Brandschauen sollten noch bis zum 15. Juni laufen.

Zahl der Brände

551-mal musste die Feuerwehr im vergangenen Jahr ausrücken, weil es irgendwo im Stadtgebiet brannte. Das sind weniger als in 2018, wo es insgesamt 590 Löscheinsätze gab. Aber es gab mehr Großbrände, mehr Verletzte bei Bränden und sogar zwei Tote. Am 4. Juli fanden Einsatzkräfte einen leblosen Mann in einem ausgebrannten Wohnzimmer an der Hindenburgstraße. „Als wir kamen, war der Mann kalt und das Zimmer auch“, berichtet Lampe. Der Feuerwehrmann spricht von einem „Backdraft“. Das Feuer in dem Zimmer, das aus unbekannten und nicht mehr nachvollziehbaren Ursachen ausbrach, sei durch Sauerstoffmangel von selbst wieder erloschen. Der Feuerwehrchef: „Wir sind gerufen worden, weil ein Anwohner von verrußten Fenstern berichtete.“

Den zweiten Brandtoten gab es am 16. August im Krankenhaus Bethesda. Ein Patient, der an einem Sauerstoffgerät angeschlossen war, hatte im Bett geraucht. „Sauerstoff und eine offene Flamme sind eine verheerende Kombination“, warnt Lampe. Zu den neun Großbränden zählte auch das Feuer bei Schorch. Ein Brand in der Kantine hatte sich schnell auf den gesamten Dachstuhl ausgebreitet. „Ein schwieriger Einsatz“, wie sich Lampe erinnert, „denn schnell wurde klar, dass eine Menge Asbest verbaut worden war“. Deshalb habe man die eigenen Leute und die Umgebung speziell schützen
müssen.

Einsätze insgesamt

58 386-mal rückte die Feuerwehr im vergangenen Jahr aus. Das sind fast 8000 Einsätze mehr als im Vorjahr und rund 160 Einsätze pro Tag. „Die Zahl der Großlagen nimmt zu“, sagt Beigeordneter Matthias Engel. Und das liege nicht nur an den Unwettern.

Der starke Anstieg der Einsatzzahlen bei der Feuerwehr hat auch damit zu tun, dass im vergangenen Jahr ein privater Hilfsdienst wegfiel, der in Zahlungsschwierigkeiten geraten war. Etwa 15 Krankentransporte pro Woche hatte dieser Krankentransportdienst laut Auskunft aus dem Rathaus für die Stadt übernommen. Doch am 31. Januar 2019 war die Lizenz des Vereins ausgelaufen, und die wurde nicht verlängert. Der Grund: Der Hilfsdienst hatte Insolvenz angemeldet. Weil die Stadt den gesetzlichen Auftrag hat, die Krankentransporte in Mönchengladbach sicherzustellen, „hatten wir von jetzt auf gleich viel mehr Einsätze“, berichtet Lampe. 16 525 Krankentransporte hatte die Feuerwehr im vergangenen Jahr. In 2018 waren es noch 9015 gewesen.