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Mehr Polizei als Demonstranten

Mehr Polizei als Demonstranten

Protestzüge: Die Pro NRW-Demo und die Gegendemo blieben am Samstag friedlich.

Mönchengladbach. Gefühlt waren mehr Polizisten als Demonstranten am Samstag in Gladbach. Wegen der geringen Zahl an Demonstranten konnte auf eine Sperrung der Bismarckstraße verzichtet werden. Das Chaos blieb aus.

Als die Einsatzkräfte um zirka 11.30 Uhr wegen des nahenden Demonstrationszuges von Pro NRW die Hohenzollernstraße so sperren, dass die Autos aus Richtung Stadtmitte nicht mehr in die Schwogenstraße einbiegen können, müssen sie nicht warten. Sie dürfen auf dem als Einbahnstraße geführten zwei Spuren zurücksetzen und die nächste Lücke der Parkplätze auf der Mittelinsel nutzen, um auf der Gegenfahrbahn eine Alternativ-Strecke zu suchen.

Über dem Viertel kreist ein Hubschrauber. Unten, wo die Schwogenstraße auf die Fußgängerzone Eickener Straße stößt, stehen zwei Polizisten lässig an ein Gitter gelehnt.

Als drei langhaarige junge Männer zügigen Schrittes Richtung Eickener Markt wollen, wo die Abschlusskundgebung der dem rechten Spektrum zugeordneten Partei geplant ist, werden sie von den Polizisten angehalten. Anschließend ändern sie ihre Route Richtung Kirche Mariä Himmelfahrt, wo ein Teil des Mönchengladbacher Bündnis "Aufstehen - für Menschenwürde - gegen Rassismus" seinen Zug starten wird. "Die drei haben wir der linken Szene zugeordnet", sagt der Polizist anschließend. "Wir haben sie gebeten, nicht dorthin zu gehen, damit es zu keinen Provokationen kommt. Wir müssen allen das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit garantieren."

"Wir haben große Sorgen", sagt Raimund Strauß von der IG Metall oben an der Kaiser-Friedrich-Halle zu dem zweiten Teil Demonstranten des Bündnisses. "Die Salafisten passen uns allen nicht. Aber wir müssen verhindern, dass Braune die für sich instrumentalisieren."

Auch Gülistan Yüksel, Vorsitzende des Integrationsrates geht ans Mikrofon. "Der Liebe Gott ist mit uns", sagt sie vor dem Verlesen der Erklärung ihres Rates. "Er schickt uns Sonne." Die Bismarckstraße muss nicht gesperrt werden, als der Zug dort entlang geht. Der Gehweg reicht für die Zahl der Demonstranten aus. Entsprechend ist die Abschlusskundgebung auf dem Platz der Republik bereits um 14.10 Uhr zu Ende.

Auch Ulrich Knur aus Krefeld ist unter den Demonstranten. "Die Mitglieder von Pro NRW sind zwar netter angezogen als die Stiefelleute von den Nazis, aber auch nicht viel besser." Einer der jungen Männer aus der Eickener Fußgängerzone ist auch auf dem Platz hinter dem Bahnhof. "Ich bin nun mal Sozialist", sagt er.

Ralf Arents will sich mit seiner Anwesenheit gegen Intoleranz bekennen. "Das müssen wir nicht mehr haben. Damit haben die Nazi genug angerichtet. Ich lebe gut mit unserem Grundgesetz." Er richtet sich auch gegen die Salafisten: "Alles Extreme ist schädlich."

Oberbürgermeister Norbert Bude versichert den Menschen, dass die Stadt alles tun werde, um die Ansiedlung der Schule der radikalislamistischen Salafisten in Eicken zu verhindern und freut sich über die Menschen, die sich mit ihrer Anwesenheit zu religiöser Toleranz und dem Grundgesetz bekennen. "Wir freuen uns, dass nur noch ein NPD-Abgeordneter im Stadtrat ist", sagt er. "Aber wir nehmen dieses Phänomen ernst."

Ferdinand Hoeren von der Theo-Hespers-Stiftung ist Geschäftsführer des Bündnisses und ist mit der Anzahl der Teilnehmer nicht zufrieden. "Das wird dem Anlass nicht gerecht." Hermann-Josef Krichel-Mäurer (SPD) sieht sich seitens eines Demonstranten mit der Behauptung konfrontiert, dass auch die Salafisten dem Bündnis angehören. "Wenn Sie das noch einmal sagen, verklage ich Sie", kontert er.

Am kommenden Freitag hat sich Bundesinnenminister Thomas De Maizière zu einer Podiumsdiskussion in Eicken zum Thema Islamschule angekündigt. Er wolle in seiner Funktion als Bundestagsabgeordneter daran teilnehmen, hieß es. Auch der umstrittene islamistische Verein "Einladung zum Paradies" hat sein Kommen angekündigt. Red