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Langzeitarbeitslose: Theater als Weg in ein neues Leben

Langzeitarbeitslose: Theater als Weg in ein neues Leben

Geschichten vom tragischen Weg in die Arbeitslosigkeit.

Mönchengladbach. Sie sind richtig professionell. Die 13 Langzeitarbeitslosen, die in „Hartz Fear TV — die Jensen Show“ am Samstagabend auf der Bühne im Carl-Orff-Saal der Musikschule stehen. Denn der Saal ist zwar ziemlich leer, aber sie spielen mit der gleichen Leidenschaft, als wenn er voll wäre.

Als Leitfaden diente der Roman „Herr Jensen steigt aus“ von Jakob Hein. Die Geschichte zeigt, wie das Leben der Langzeitarbeitslosen immer mehr an den Rand der Gesellschaft driftet. Beginnend mit der Kündigung. Und dass die letzten Worte „Wir wünschen Ihnen für Ihren weiteren Lebensweg alles Gute“ ein blanker Zynismus in den Ohren der Empfänger ist.

Wie sie sich zurückziehen, nur noch Fernsehen, wieder lernen müssen, an sich selbst zu glauben und selbst zu leben — für die 13 Akteure war das Theaterprojekt ein Weg in ein neues Leben.

„Wir spielen für jeden einzelnen Zuschauer“, sagt Jessica am Ende der Vorstellung, als sich Wilfried Reiners, Geschäftsführer des Volksvereins, bei den Akteuren für ihren Einsatz bedankt — „trotz der wenigen Besucher“. „Ich bin eigentlich ein schüchterner Mensch“, sagt die 20-Jährige Heinsbergerin nach der Vorstellung über ihre persönliche Ausgangslage. „Normal spreche ich nicht mit fremden Leuten.“

Unter der Anleitung der Theater-Pädagoginnen Marion Kaeseler und Verena Meyer wurde die Absurdität des Lebens als Arbeitsloser lustig herausgearbeitet, Zuschauer wie Spieler hatten Spaß, obwohl die Szenen, in denen die Spieler von der Tragik ihrer eigenen Situation sprachen, von ihren unerfüllten Träumen, von ihrem Scheitern, mächtig unter die Haut gingen.

Wenn beispielsweise Frank, der 53-jährige frühere Restaurantfachmann seinen Weg in die Sucht andeutet. „Ich kam aus der Therapie und sah den Flyer „Mitspieler gesucht“, da habe ich mich sofort gemeldet. „Denn nach der Therapie hat sich das Leben nicht geändert, nur sehe ich es jetzt nüchtern. Das Theater hat mir da Halt gegeben. Endlich meine Gefühle ausdrücken können.“