Kunst in Mönchengladbach: Kreative Idee gegen Leerstand in Rheydt

Schauzeit in Rheydt : Leere Schaufenster werden mit Leben gefüllt

Zwischen Sommer- und Herbstferien findet in Rheydt die Schauzeit 2019 statt. Kreative Köpfe können sich ab sofort für eine Zwischennutzung leerstehender Geschäfte bewerben.

Das Konzept ist eigentlich ganz einfach: Hausbesitzer ohne Mieter vergibt sein Ladenlokal an kreative Köpfe ohne großes Kapital. Dass so ein Vorhaben gelingt, hat das Quartiersmanagement Rheydt schon zweimal bewiesen. 2015 und 2017 wurden leerstehende Geschäfte zur unentgeltlichen Zwischennutzung freigegeben, und das stieß auf große Resonanz. Deshalb gibt es jetzt die dritte Auflage der „Schauzeit“, die leere und triste Schaufenster wieder mit originellen Produkten, Aktionen und Gestaltungselementen füllen soll.

Der Anblick der Rheydter City ist für Einkaufsbummler ziemlich traurig. Dunkle Geschäfte oder mit Papier verklebte Schaufenster findet man an jeder Ecke. „Ja, der Leerstand ist offensichtlich“, sagt auch Quartiersmanager Markus Offermann, „aber er soll nicht die ganze Wahrnehmung prägen.“ Denn neben dem Angebot der etablierten Händler gebe es auch noch viel mehr in Rheydt zu sehen. Barbara Schwinges, Initiatorin des Leerstands- und Pop-up-Store-Projekts, spricht von Sehenswürdigkeiten und Skurrilitäten, aber auch von vielen Veranstaltungen in der Rheydter Innenstadt.

All das soll zusammen mit den neu belebten Geschäften vom 31. August bis zum 12. Oktober Besucher anlocken und für nachhaltige Erinnerungen sorgen. Die Schauzeit 2019 steht in diesem Jahr unter dem Motto „Bereit für Rheydt! Dein Trip in Hugos Heimat“ – in Anlehnung an den in Rheydt geborenen Erfindergeist Hugo Junkers.

Miete und Nebenkosten
fallen nicht an

Menschen mit kreativen Geschäfts-, Produkt- oder Raumideen können sich ab sofort um ein Ladenlokal in der Rheydter City bewerben. Sie zahlen eine einmalige Teilnahmegebühr (150 Euro bei Einzelpersonen, 250 Euro bei Kollektiven) und dürfen „einziehen“. Miete und Nebenkosten kommen auf die Nutzer nicht zu, dafür ist ihre Zeit im freien Laden aber auch begrenzt. Die „Schauzeit“ wurde von vier auf sechs Wochen verlängert und findet zwischen den Sommerferien und den Herbstferien statt, in einer Zeit mit besonders vielen Veranstaltungen in Rheydt.

Nicht nur Zwischennutzer und Besucher sollen profitieren, sondern auch die Hausbesitzer. „Die Eigentümer können ihre Immobilie einem breiten Publikum und damit möglichen Mietern präsentieren“, sagt Barbara Schwinges. Und: „Die Befürchtung, dass ein Zwischennutzer die Geschäftsräume abnutzt, ist völlig unbegründet. Das Gegenteil ist der Fall. Die Zwischennutzer legen alles daran, die Räume schön zu machen.“

Wie viele Immobilienbesitzer ihre leerstehenden Läden für die Schauzeit zur Verfügung stellen, steht noch nicht fest. Einige haben bereits ihr „Okay“ gegeben, mit anderen stehen noch Gesprächstermine an, wie zum Beispiel mit den Verantwortlichen der Rheydter Shopping-Galerie, die gerade Bild der Tristesse abgibt, weil viele Ladenlokale nicht genutzt werden.

Durch das Quartiersmanagement konnten seit Winter 2016/2017 Eigentümer von 24 innerstädtischen Leerständen für Zwischennutzungen gewonnen werden. Bis heute kamen 39 Zwischennutzungen von Leerständen durch Netzwerkarbeit, Provisorium und durch die Schauzeit 2017 zustande. 3768 Quadratmeter leerstehende Flächen wurden und werden zwischengenutzt. Einige Zwischennutzer wurden sogar zu echten Mietern.

schauzeit-rheydt.de

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