Kletter-Kirche in Arbeit

In St. Peter wird wild gewerkelt. Die Orgel ist schon ausgebaut. Noch fehlen Felsblöcke und Kletterwände. Bald werden Seile das Bild prägen.

Mönchengladbach. Das Rundfenster an der Außenwand der Empore hat der Mönchengladbacher Künstler Josef Höttges für die Kirche entworfen. Bald wird es ganz anderen Besuchern begegnen als den Kirchgängern der vergangenen Jahre.

Zurzeit liegen unterhalb des Kunstwerks und auf der gesamten Orgelbühne noch Bretter, Abfall und Schmutz. Die Orgel ist bereits entfernt, die Treppenstruktur der Empore muss noch eingeebnet werden. Bald soll hier der so genannte Boulder-Bereich zu finden sein, der das Klettern ohne Kletterseil und Klettergurt an Felsblöcken möglich macht.

Das sakrale Kunstwerk soll jedoch bleiben: "Weiterhin sichtbar und von innen beleuchtet", betont Simone Laube. Dann spricht sie von der "besonderen Atmosphäre" und dem "unbeschreiblichen Charisma" des gesamten Kirchenraumes. "Zu 100 Prozent" passe das Gebäude zu ihrem Projekt einer Kletterkirche. Als Simone Laube und ihr Geschäftspartner Klaus Fasbender zum ersten Mal hörten, dass die Kirche zu pachten ist, sahen die beiden leidenschaftlichen Kletterer eine einzigartige Chance für ihren Traum von einem eigenen Kletterparcours.

Denn eine optimale Halle war in Mönchengladbach bisher Mangelware. Auch der Pfarrgemeinderat der Pfarrgemeinde St. Anna Waldhausen-Windberg ist froh, nach zwei Jahren Leerstand im Frühjahr endlich zwei Pächter gefunden zu haben, die den Unterhalt der Kirche St. Peter in Waldhausen finanzieren. Seitdem sich die katholische Pfarrgemeinde St. Peter im Jahr 2007 mit St. Anna in Windberg zu einer Gemeinschaft zusammengeschlossen hat, ist ihre Kirche in Waldhausen ohne Funktion.

25 Jahre gilt der Vertrag, der die außergewöhnliche Nutzung des von Clemens Holzmeister 1932/33 erbauten, unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes als Kletterkirche möglich macht. Simone Laube ist sich sicher, den Kletterpark spätestens im Februar eröffnen zu können. "Dafür ist schon sehr viel passiert", sagt die 36-Jährige.

So sind Altar und Schränke entfernt und dort, wo vorher die Sakristei war, stehen bereits die Zwischenwände für Umkleidekabinen, Duschen und Toiletten. Auch die neuen Wasserleitungen sind verlegt. "Wenn erst alle Wände stehen, geht alles ganz schnell", hofft die Investorin.

1400 Quadratmeter Kletterfläche mit dreizehn Meter hohen Kletterwänden aus Plexiglas sollen sich von der Empore bis zum Altarraum ziehen. Mit weit ausholenden Gesten zeigt die Pächterin, was sonst noch geplant ist. Im linken Seitenschiff sind Therapiebereich und eine Kletterburg für Kinder vorgesehen, im rechten soll ein Bistro mit Vitaminbar entstehen: "Die alten Kirchenbänke werden in den Sitzbereich integriert", sagt Laube.

Außerdem erinnern eine kleine Ausstellung der Kirchengeschichte St. Peters im Vorraum und ein Andachtsraum mit sakralen Gegenständen die Besucher auch in Zukunft daran, dass hier einst ein geweihter Ort war, an dem Gottesdienste gefeiert wurden.

Für Simone Laube hat der Klettersport viel mit der einstigen Nutzung des Gebäudes zu tun: "Die Kirche wird auch weiterhin ein Ort der Kommunikation und des Vertrauens bleiben."

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